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Das Riesenrad am Dach

Das Riesenrad am Dach

Der Höhenrausch ist fast vorbei. Das ist diese Ausstellung, die zu dem roten Riesnrad gehört, das da oben auf dem einen Dach in der Stadt steht. Ist schon eine nette Idee, so ein Riesenrad auf dem Dach, da könnte man doch einmal raufgehen und eine Runde damit fahren…

Der Höhenrausch steht also knapp vor seinem Ende. Fünf Monate hat es ihn gegeben. Wird er seine Spuren hinterlassen? Ja, ein Biotop am Parkdeck 13 des Linzer City Parkhauses zum Beispiel. Das stammt von einer Installation, die mit künstlichem Regen Musik gemacht hat. Viele wunderten sich, vor allem im August, wie schnell sich da oben so viele verschiedene Mückenarten ansammeln und sich ein so sumpfiger Geruch verbreiten konnte.Ein verärgertes Lokal SkyGardens haben wir jetzt auch in Linz. Die unverschämten BesucherInnen haben nämlich vom Dachsteg der Ausstellung aus Sachen runter auf die Terasse geworfen. Der Höhenrausch hinterlässt auch einen ausgelaugten Peter Höllhuber, seines Zeichens Riesenradfahrer seit 38 Jahren, der beinahe jeden Tag seine Riesenradgäste oben am Dach mit den Worten „Dankeschön, hinten rechts gehts raus, hinten rechts ist der Ausgang!“ verabschiedet hat.

240.000 Besucher und Besucherinnen haben diesen Satz heuer gehört. Ursprünglich hätten es 60.000 sein sollen. Also war diese Ausstellung ja erfolgreich. „Gewinn machen wir aber trotzdem nicht,“ hört man beim Tratsch am Treffpunkt Höhenrauschkasse, 1. Stock „das ist sowieso nicht üblich bei Ausstellungshäusern und Museen.“. Gewinn in materiellem Sinne hat das OK also nicht gemacht (die Abkürzung steht übrigens für offenes Kulturhaus), aber Promotion, Ruhm, Ehre und die Wertschätzung vieler Durchschnittsösterreicher und Durchschnittsösterreicherinnen, welche das Kulturhaus ohne das Riesenrad wohl nie gehabt hätte. Ja das OK ist sogar so berühmt geworden, dass es seine eigene Straßenbahnansage bei der Haltestelle Mozartkreuzung bekommen hat!

30 Leute wurden für den Ausstellungsdienst für die Dauer des Höhenrausches zusätzlich eingestellt. Die haben sogar gratis Kaffe bekommen, in der Linz 09 Lounge, die ebenfalls Teil der Ausstellung war. Brav haben die Bediensteten der Lounge monatelang jeden Kaffee, der vom Ausstellungspersonal getrunken wurde, vermerkt, am Ende war der dann eh gratis.

Diese Leute, die auch Besucherbetreuungskräfte genannt wurden, bekommen um den 31. Oktober ihren letzten Gehaltszettel. Was fangen sie jetzt mit ihrer vielen Freizeit an? Ein Surfer will mit dem verdienten Geld nach Marokko fliegen, das ist schon fix. Ein HipHoper bezahlt davon sein erstes Album. Ein Kunstvermittler ersteht endlich seine eigene Wohnung. Ich werde sparen und irgendwann aus Linz weggehen und wo anders Kunst vermitteln und BesucherInnen betreuen.

Im OK nicht mehr, das ist zumindest für die nächste Zeit sicher. Nächstes Jahr erholt sich das Ausstellungshaus sozusagen vom Besucherstrom 2009. Die Biennale Cuvée und die Cyberarts vom Ars Electronica Festival bleiben auf jeden Fall erhalten. Sicherlich gibt es auch unbekannte oder ein bisschen berühmtere Lückenfüller. Für diese Betreuung reicht aber das Stammteam aus. Eh besser, da muss man nicht jede Woche jemand Neuem erklären, dass man als Mitglied der Belegschaft auch ohne Himmelsstiege aufs Dach kommt.

Ich werde das OK in vielerlei Hinsicht vermissen, nur nicht in einer und die betrifft den letzten Raum vom Höhenrausch – den Dachboden vom Ursulinenhof. Ein besonders raffinierter Künstler hat da über 1 Million Stahlkugeln reingelegt. Die sind so groß wie Murmeln. Und wer dort stationiert ist sagt den ganzen Tag nichts anderes als: „Bitte die Kugeln nicht berühren. Nein leider dürfen sie das nicht. Die sollen so liegen bleiben wie sie sind. Nein auch nicht mit den Füßen…“

Foto: Andreas Kepplinger, Lizenz: BY-NC-SA
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