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Headbangen erwünscht

Headbangen erwünscht

 

Vier österreichische Bands, die mit Härte und Lautstärke gegen den grauen Alltag ankämpfen. Hammerriffs, Bassgrooves und Blasting was das Zeug hergibt – nichts für Weicheier und Muttersöhnchen.Pünktlich um 20 Uhr am 09.10.2009 ertönen in der trauner Spinnerei die ersten Akkorde einer relativ unbekannten Band. Das Quartett um Sänger und Gründungsmitglied Andi nennt sich „Ancestory“. Ihr Leitspruch „Horns up – Beer down“ beschreibt ihre Musik. Messerscharfe Riffs und zahlreiche Soli á la Megadeath motivieren die Zuschauer zum Kopfnicken und dem ein oder anderen Schluck Bier. Ausgefeilte Bass- und Drumgrooves der alten Metalschule kombiniert mit eingängigem Gesang und gesellschaftskritischen Texten bilden das Konzept der Linzer Formation. Während die Bühnenshow der stehenden Fraktion eher mit Zurückhaltung glänzt, liefert Drummer Silvio eine sehr selbstsichere Darstellung seiner Künste ab. Leider müssen sie bereits nach wenigen Tracks wieder das Feld räumen –  lassen die Anwesenden aber gut beschallt zurück:

Nichts für Waschlappen
Knapp eine Stunde nach Konzertbeginn machen „Distaste“ auf sich aufmerksam und nehmen als zweiter Act des Abends die Bühne ein. Gegründet im Herbst 2000, konnte der Hardcoreact schon reichlich Bühnenerfahrung sammeln. Mit unerbittlicher Härte und Geschwindigkeit rauben sie dem Publikum den Atem. Bass und Gitarre lassen keine Langeweile aufkommen und die raren ruhigeren Passagen lockern den Sound nur spärlich auf. Sänger Armin scheint bei dieser Show all seine Aggressionen abzubauen. Seine gesamten Vocals bestehen ausschließlich aus Gebrüll und Geschrei. Definitiv nichts für Waschlappen – aber dennoch sehr gut ausgeführt.

Äußerst positiv fällt der Sessiondrummer Lukas Haidinger auf. Da „Distaste“ bis dato noch keinen fixen Schlagzeuger gefunden haben, springt kurzum der Drummer von Ultrawurscht ein. Er benutzt eine spezielle Technik, genannt Blasting, bei der in der Regel 180 Beats pro Minute gespielt werden. Lukas beherrscht dies perfekt und verleiht somit dem Sound eine besondere Note. Schnell, hart und nicht zu überhören. Die Darbietung von „Distaste“ ist ausgesprochen energetisch und dank den Blicken des Bassisten fast schon furchteinflößend.

„Mit so einem Drummer kann man nicht mehr viel falsch machen!“

Eine kurze Verschnaufpause und ein düsteres Intro später bringen „Legacy of Hate“ die Halle zum Beben. Vom Publikum gebührend begrüßt, haben das seit 1997 bestehende Ensemble von Anfang an die Zuhörer fest im Griff. Die Linzer überzeugen mit sehr gut abgestimmten Sound und ausdruckstarken Vocals. Nach Line-up Problemen am Gesangsposten scheinen sie nun in Leo die optimale Besetzung gefunden zu haben. Mit sehr viel Charme kündigt er jeden Titel an und zieht somit auch die Fans des ursprünglichen Sängers Simon auf seine Seite. Dieser durfte jedoch bei diesem Gig nicht fehlen und übernahm kurzerhand einige ältere Songs während Leo den Auftritt vom Bühnenrand genoss und Simon gelegentlich beim Refrain unterstützte.

Wie bei „Distaste“ kommen auch hier die Befürworter des Blastings nicht zu kurz. Pointi, seines Zeichens Schlagzeuger des Quintetts, genießt in Kennerkreisen höchste Anerkennung. Zitat eines Fans und selbst Mitglied einer Band: „Mit so einem Drummer kann man nicht mehr viel falsch machen!“ Auch Gitarre und Bass sollen nicht unerwähnt bleiben. Eine sehr ausgewogene Mischung aus melodischen Basisriffing und genial gespielten Basslines lässt keinen Zweifel an ihren ausgezeichneten Livequalitäten. Nicht um sonst gehört „Legacy of Hate“ zu den beständigsten Undergroundacts Österreichs.

Mastic Scum
Der Hauptact erntet schon beim Betreten der Stage frenetischen Beifall. Vocalist Maggo grölt augenblicklich ins Mikrophon als ob es kein Morgen gäbe. Die Bühnenpräsenz des seit 2008 in dieser Formation bestehenden  Vierergespanns ist überwältigend. Schockwellen dringen aus den Boxen und machen ein Überhören des brachialen  Sounds schier unmöglich. Viele Powerriffs und das Grindcore-typische Blasting stiften das kleine Publikum zu so etwas wie einen Mosh Pit an. Sie versammelten sich vor der Bühne, hüpften im Kreis und gehen voll zur Musik mit.

Mastic Scum“ konnten dank ihrer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz nicht nur das heimische Publikum für sich gewinnen. Sie haben sich längst einen Namen in der Szene gemacht und tourten bereits durch Europa und die USA. Trotz häufigen Wechsels ihres Labels veröffentlichten sie seit 1992 vierzehn Demos und drei Alben. „Dust“, das letzte Meisterwerk, kommt noch dieses Jahr raus und verspricht, weitere Grindcore Fans in den Bann der Band zu ziehen.

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Foto: Martina Hahn

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