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Jahdan Blakkamoore: Brooklyns Botschafter für Weltmusik 2.0

Jahdan Blakkamoore: Brooklyns Botschafter für Weltmusik 2.0

 

Eines der spannendsten Reggae-Alben des Jahres geht auf das Konto des New Yorker Urgesteins: Die Produzenten DJ/rupture und Matt Shadatek setzten sich bei „Buzzrock Warrior“ musikalisch keine Grenzen. Der nächste große Wurf aus dem Ghetto Music 2.0-Universum? Davon kann man sich heute im Wiener Fluc oder am Samstag in der Linzer KAPU selbst ein Bild machen.Brooklyn Anthems
Bereits in zartem Kindesalter musste Wayne Henry, wie Jahdan mit bürgerlichem Namen heißt, seine Heimat Guyana verlassen. Seine Mutter emigriert mit ihm in die USA, genauer gesagt nach Brooklyn, New York, ins Herz der afro-karibischen Community. Vielleicht trug die frühe Entwurzelung aus einem gewohnten Umfeld zur enormen musikalischen „open-mindedness“ Jahdans bei, sicher ist, dass eine größeren Hörerschaft zuallererst über die HipHop-Schiene auf den jungen Reggaesänger aufmerksam wird: Den Oldschool-Helden Cocoa Brovaz (damals noch Smif-N-Wessun) leiht er seine eingängige Stimme für die Single „Sounbwoy Burial“, einige Jahre später trifft er mit ihnen noch einmal auf Afu-Ras reggaefiziertem „D&D Soundclash“ zusammen. Beides waschechte Klassiker, zu denen die Feinschmecker des Faches heute noch mit der Bierflasche an die Wand klopfen. Aber wie bei so vielen Reggaesängern, die ihr Glück außerhalb Jamaikas versuchen, sollte sein Name dem geneigten Publikum noch eine Weile unbekannt bleiben.

Im April 2008 erschüttert plötzlich ein monströser Grime-Dancehall-Hybrid weltweit die Clubs: „Brooklyn Anthem“, eine peitschende, finstere Hommage an den Heimatdistrikt der Protagonisten 77Klash. Auf fiesen Synthieflächen wird hier in breitestem Patois dem Gangsterleben gehuldigt. Jahdan, der sich für den eingängigen Chorus verantwortlich zeigt, setzt die Zusammenarbeit mit den Produzenten des Tracks, Matt Shadatek und DJ/rupture, fort: Auf deren „Dutty Artz“-Label folgt ein leider wenig beachtetes Album von Jahdans langjähriger Band-Formation Noble Society, eine EP („We Are Raiders“) und das „Bazooka Shot“-Mixtape, das schon recht deutlich zeigt wohin die Soundreise geht.

Wobbelbässe und Rasta-Rhetorik
Shadatek und Rupture sorgten im vergangenen Jahr vor allem mit ihren berüchtigten „NY-Tropical“-Parties für Aufsehen: Hier wird House mit R’n’B, Latin, Cumbia und Dancehall gemischt. „If you had told me a few years ago I would be listening to and making housey R’n’B I would have laughed in your face“, hat Shadatek noch im März im hauseigenen Dutty-Artz Blog mitgeteilt.

Mittlerweile sind alle musikalischen Berührungsängste passé und die Einflüsse auf „Buzz Rock Warrior“ unglaublich breit gefächert: Den Rhythmus gibt Dancehall, Dubstep oder Cumbia vor. Zwischen drückenden Subbässen und fiependen Synthesizern finden aber genauso akustische Instrumente von Afrika bis Fernost ihren Platz und sorgen dafür dass die Soundlandschaften nicht zu steril geraten. Inhaltlich ist Jahdan ganz in klassischer Rasta-Tradition unterwegs: Seine Texte sind durchwegs „conscious“, also realitätsnah, spirituell und positiv. Nebenbei bemerkt: Clever sind sie obendrein.

Ghetto Music 2.0
Das bemerkte auch US-Starproduzent Diplo, der 2009 mit seinem Reggae/Dancehall-Projekt Major Lazer in aller Munde war. Mit dem veritablen Clubhit „Hold The Line“, reichlich Retro-Flair, genial-trashigen Comicvideos und den eigens dafür angefertigten Actionfiguren konnte ein Hype rund um das im Juli erschienene Album „Guns don’t kill people, lazers do“ erzeugt werden, der noch immer bis weit in den Mainstream abstrahlt. Wo Diplo seit M.I.A.s „Paperplanes“ sowieso seinen fixen Platz erobert hat. Jahdans Beitrag zu „Guns Don’t Kill People…“, den dubbigen Roots-Reggae Tune „Cash Flow“, muss man bei der plakativen Abgedrehtheit des Albums schon beinahe als konservativ einstufen – was bei der grandiosen Gesangsleistung allerdings niemanden stören dürfte.

Mittlerweile sind auch eine Hand voll österreichischer Promoter auf das Brooklyner Urgestein aufmerksam geworden: Die „Buzzrock Warrior“ Promo-Tour im Dezember führt Jahdan Blakkamoore und DJ Matt Shadatek am Samstag, den 12.12., in die Linzer KAPU. Donnerstag Abend kann man sich im Wiener Fluc von seinen vielgelobten Live-Qualitäten überzeugen: Hier werden Jahdan und Shadetek von niemand geringerem als Wiens Nr.1 Dub-Band Dubblestandart und den Brooklyner Kollegen von Subatomic Soundsytem unterstützt. „Buzzrock Warrior“ ist am 15. September bei Dutty Artz Music erschienen.

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Foto: Jahdan Blakkamoore

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