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Das Leben der Anderen

Das Leben der Anderen

 

Während James Cameron mit „Avatar“ derzeit sämtliche Rekorde an den Kinokassen bricht, schickt sich ein weiterer Film in einer ähnlichen Variation an, die Gunst der Zuschauer für sich zu gewinnen: In „The Surrogates“ darf Bruce Willis als Cop in einer zukünftigen Welt mithilfe eines Avatar-ähnlichen Roboters eine mysteriöse Verschwörung aufdecken. Der Stoff basiert auf einem Comic.

2054 hat sich das Leben und der Lifestyle in den Großstädten verändert. Anstatt alles selbst in die Hand zu nehmen, übernehmen mechanisch-plastische Roboter, sogenannte Surrogates, die Führung. Diese Duplikate werden mental gelenkt und erledigen all die Dinge, die für uns über die Jahre zu mühsam geworden sind – arbeiten und den Job erledigen, die Familie erziehen & den Haushalt schmeißen, sowie Liebe machen und Sex haben. Wer mit seinem Körper unzufrieden ist, verlinkt sich einfach mit seinem Surrogate. Problem gelöst.

Die Bewohner von Central Georgia Metropolis sitzen also tagtäglich in ihren Stühlen, vernachlässigen ihre „echten“ sozialen Kontakte und werden immer fauler. Einzig in der virtuell vernetzten Welt scheinen die Menschen auf ihre Kosten zu kommen und Spaß zu haben. Die Realität, mit ihren bitterbösen Gesichtern, bleibt hingegen hinter einer verschlossenen Tür. Es ist nicht verwunderlich, dass die Kriminalitätsrate so niedrig wie nie zuvor ist.

Wie so oft, bleibt der Widerstand nicht aus: Eines Tages erscheint ein maskierter Einzelgänger, um bei sämtlichen Surrogaten einen irreparablen Kurzschluss auszulösen. Ob diese Gesellschaft das verkraften kann?

„Je langweiliger der Job, desto weniger schlimme Dinge geschehen auf der Welt.“

„The Surrogates“ sprüht förmlich vor Zitatlust und funktioniert wie ein Kompendium. Das futuristische Setting und der Plot erinnern an Filme wie „Metropolis“, „Matrix“ oder auch „Sieben“. Motive aus „Terminator“ oder „Blade Runner“ werden ebenfalls aufgegriffen. Darüber hinaus wird man auch an George Orwell oder Aldous Huxley erinnert.

Inhaltlich sind Verletzlichkeit und Trägheit die Angel- und Drehpunkte. „The Surrogates“ entwirft eine Stadt, in der die Menschen ihre Stimme verloren haben und nach völliger Sicherheit streben. Sie haben aufgehört, selbst auf die Straße zu gehen, um zu diskutieren und sich auszutauschen. Die Roboter dienen auch der Erlösung aus dem Käfig der eigenen Identität. Ein Leben für ein neues Leben – besser, schöner, jünger.

Sinnlehre als Grundgefühl

Umgeben von all der Dunkelheit, feiert „Surrogates“ das Leben, das Körperliche, und ist gerade in den bedachten Momenten, etwa wenn sich die beiden Ermittler Harvey Greer und Pete Ford austauschen, am überzeugendsten. Das Spannende an den beiden ist, dass sie sich im Laufe der Zeit (zumindest einer von ihnen) zurücknehmen und zu zweifeln beginnen. Ist das Leben nicht spannend genug, als das man es nur hinter verschlossenen Türen verbringen sollte? Durch die pointierten Dialoge von Greer und Ford behält die Handlung ihr Feuer.

Rau, skizzenhaft und dokumentarisch wirken die harsch gezeichneten Bilder von Brett Weldele, die sicherlich nicht jedermanns Sache sind. Manchmal scheint die Deadline schon ziemlich knapp im Nacken gelegen zu haben, anders kann man sich das ein oder andere Panel nicht erklären. Dennoch entwickeln die Zeichnungen ihren ganz eigenen Flow.

Wer war ich?

Was soll man also tun? Nicht resignieren. Sich nicht unterwürfig der Technologie hingeben. Sich nicht die Errungenschaften der Vergangenheit wegnehmen lassen und eines wachen Blickes bleiben.
Ein Appell an die Eigenverantwortung, an die Überlegenheit des menschlichen Geistes gegenüber der Technik – nichts anderes will „The Surrogates“ sein. Materieller Fortschritt kann kein Zufluchtsort von Dauer sein.
Lassen wir uns also nicht alles einreden, von den Medien, der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft, und kauen wir nicht alles vor, was man uns vor die Nase setzt – so schlicht und einfach die Botschaft.
Wie muss es also richtig heißen? Only real life is better!

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Foto: Cross Cult

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