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crossingEurope Kritik: „The Unloved“

crossingEurope Kritik: „The Unloved“

Samantha Morton, als Schauspielerin bereits mehrfach für den Oscar nominiert und mit Filmen wie Minority Report oder Control in den Kinos der Welt zuhause, hat sich als Regisseurin versucht. Macht nichts, man muss ja nicht alles können.

Der Plot von „The Unloved“ liest sich wie der Auszug aus einer Telenovela: Lucy, elf Jahre alt, flieht vor ihrem gewalttätigen Vater ins Kinderheim, kommt dabei aber vom Regen in die Traufe. Woraus Regisseure wie Götz Spielmann (Antares, Revanche) im Handumdrehen eine abendfüllende Abhandlung über die Abgründe des menschlichen Seins zaubern würden, bleibt Samantha Morton seicht wie ein Plantschbecken.

Die Rollen sind auf ihre Klischees reduziert und farblos, Hintergründe suchen sich vergeblich: der Vater (sinnlos vergeudet: Robert Carlyle) prügelt, die Rabenmutter weint, die Mitbewohnerin im Jugendheim schnüffelt und stiehlt, der Leiter des selbigen vergeht sich an seinen Schützlingen. Selbst Lucy, junger Star der Produktion, definiert sich beinahe ausschließlich durch den Wunsch, doch zu ihrer Mutter ziehen zu dürfen. Hinter dem gute 83% des Filmes stoisch vorgetragenem traurigen Blick lässt sich zumindest erahnen, dass man es hier tatsächlich mit einem Talent zu tun haben könnte.

Fühl dich schlecht, sei traurig
Stilistisch und technisch kramt der Film tief in der Formensprache Hollywoods. Es fällt schwer zu glauben, dass es sich hierbei tatsächlich um ein auf der Biographie der Regisseurin basierendes Werk handelt – zu steril wirken die Bilder, zu glatt die gesamte Produktion. Wo die visuelle Eben versagt, versucht eine beinahe konstante Hintergrundbeschallung mit Glöckchenmusik die nötige Priese „fühl dich schlecht, sei traurig“ in den Köpfen des Publikums zu verankern.

Schon als in einer der ersten Einstellungen die Kamera kurz vor einer Gewaltszene einen dezenten Sprung hinter die Türe macht und somit die ZuseherInnen vor dem Kontakt mit dem realen Leben bewahrt, wird klar, dass man es in „The Unloved“ nur mit einer weichgespülten Aufarbeitung eines durchaus interessanten Themenfelds zu tun hat. Mehr Aufschluss über Machart des Films gibt folgende Aussage, die von einem Vertreter Samantha Mortons kurz vor Filmstart getätigt wurde: „Um ein breiteres Publikum zu erreichen, wurde dieser Film gleichzeitig im Kino und im Fernsehen gezeigt…“ Aber lässt sich ein breites Publikum tatsächlich nur mit Stereotypen befriedigen?

Fazit
rating_2_points
Nomen est omen. „The Unloved“ besticht durch einen mechanisch abgespulten Plot, auf Stichwörter reduzierte Charaktere und einen Stil, der versucht, Emotionen mit dem Vorschlaghammer zu vermitteln. Mein persönliches Happy-End: der Film hat keines.

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