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„Wir wollen authentisch sein“

„Wir wollen authentisch sein“

 

Physikstudenten, Techniker und Wirtschafter, die in einer Indie-Band spielen? Schwer vorstellbar, aber dennoch wahr. Pascal a Band nennt sich die Truppe der Linzer Studenten, die seit 2009 die Musiklandschaft bereichern. subtext.at hat sie zum Interview getroffen.subtext.at: Die Standardfrage bei Interviews ist wahrscheinlich immer die nach dem Musikstil einer Band. Etwas schwieriger – wie würdet ihr einem Gehörlosen erklären, was ihr auf der Bühne macht?
Clemens: Puh – was machen wir auf der Bühne? Wir singen, spielen und tanzen. Wir singen unsere eigenen Lieder und wir singen die nicht, weil wir glauben, dass wir die sind, die der Welt noch gefehlt haben. Wir wollen damit aber natürlich nicht sagen, dass wir nicht gut sind.
Dietmar: Ich möchte nur anmerken, dass wir nur versuchen, die Freude auf der Bühne rüber zu bringen. Vielleicht kriegt man das dann auch als Gehörloser mit.

subtext.at: Von euch stammt das Zitat: „Wir singen gerne und versuchen, Klischees zu vermeiden.“ Welche Klischees?
Clemens: Dieses Zitat hätte ich auf die erste Frage anwenden können. Wir versuchen generell alle Klischees zu vermeiden. Es gibt so eine Art „Richtlinien“, die eine Indie-Band erfüllen „muss“. Auch wenn ich eigentlich schon das Klischee des Wortes „Indie“ vermeiden will, weil sich dann viele Leute gleich ein ganz eigenes Bild machen, das nicht dem Bild entspricht, das wir eigentlich wollen. Das fängt dann an bei so Sachen wie der Kleidung auf der Bühne, wie man sich bewegen muss, wie ein Albumcover auszusehen hat und solche Dinge halt. Wir versuchen, da nicht nachzuahmen, sondern versuchen authentisch zu sein. Das gelingt uns aber sicher nicht immer.

subtext.at: Als ihr euch neu gegründet habt, habt ihr sogar ein „Casting“ veranstaltet, um an neue Bandmitglieder zu kommen. Wie darf man sich das vorstellen – ein Casing a la Dieter Bohlen? Wie ist dieses Casting wirklich abgelaufen?
Dietmar: Also, das Casting hat unseren Schlagzeuger betroffen. Clemens und ich haben uns bereits von vorher gekannt. Wir haben dann an der Uni Zettel verteilt und ausgehängt, und er hat sich dann gemeldet. So ist das dann entstanden.
Clemens: Man muss aber dazu sagen, dass er nicht der Erste war. Wir haben also nicht den Erstbesten genommen – es hat immerhin genau zwei gegeben (lacht). Wie Simon dann zum Casting gekommen ist, hat er dann die Nummern besser gespielt als wir – dann wars klar, dass er es wird.

subtext.at: Ein anderes Zitat von euch: „Bei den angesehenen Indie-Labels ist es ja auch oft so, dass sie nur den Stempel, also ihr Label, draufknallen, was dann heißt, dass das gute Musik ist.“ Mit welchen Indie-Labels habt ihr diese Erfahrung schon machen müssen?
Clemens: Das war nicht als Erfahrung gemeint. Ich glaub, dass es so ist, dass viele Sachen selbstfinanziert sind. Man stellt sich das immer so vor, dass man als Band einen Plattenvertrag bekommt und dann fällt einem alles vorne und hinten rein. Aber gerade im Indie-Bereich läuft das eher so, dass man selber oft die fix fertige CD hat und das Label dann nur noch für den Vertrieb sorgt.

subtext.at: Ihr habt euch ja 2009 gegründet. Wie schwer oder wie leicht war es für euch, gerade hier in Linz an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen?
Clemens: Zuerst haben wir versucht, in und im Umfeld der Kepler-Uni was zu machen. Das ist aber in Linz extrem schwer – da geht fast gar nix, wenn mans nicht selbst macht. Und wenn mans selbst macht, dann darf mans nur so halblegal machen, und wenn mans halblegal macht, dann kann man fast keine Werbung machen. Das läuft sehr undergroundig und man bekommt da keine Unterstützung. Aber in der Innenstadt geht schon einiges, etwa bei Veranstaltungsreihen und doch auch in Jugendzentren.

subtext.at: Eine weitere beliebte Frage ist die nach dem besten Konzert bislang. Anders formuliert: Was war das schlimmste Konzert für euch?
Clemens: Also heute hat gute Chancen (lacht). Gestern war aber auch daran. Unser Schlagzeuger ist ausgefallen und wir haben improvisiert mit einem anderen gespielt. Das hat überraschenderweise ganz gut funktioniert. Es war vom spielerischen her nicht gut, aber da ist mir auch bewusst worden, dass es Live auch auf andere Sachen als perfektes Spielen ankommt. Dann gibt es auch Zeltfeste, wo das Zelt viel zu groß und der Sound viel zu schlecht ist.

subtext.at: Rock-, und vor allem Indie-Rock-Bands gibt es mittlerweile doch etliche. Was könnt ihr besser als alle anderen?
Clemens: Interessant ist, dass wir Indie-Musik machen und abseits der Musik eigentlich nicht typirsch dafür sind. Wir sind keine Studenten, die Design studieren oder „irgendwas mit Medien“ machen – zwei studieren Physik, einer ist Techniker und einen Wirtschafter haben wir auch dabei. Wir haben da sicher einen anderen Zugang zu manchen Sachen, etwa zum Schreiben der Lieder.
Außerdem kommen unsere Wurzeln stärker durch. Da hört man dann durch, dass wir auch früher schon so Sachen wie Queen gehört haben.

subtext.at: Glaubt ihr, dass ihr je hauptberuflich Musiker sein werdet?
Clemens: Ich kann mir das genauso viel oder genauso wenig vorstellen wie jeden anderen Beruf zur Zeit. Es ist sogar wahrscheinlicher, dass ich mal Musiker werde als irgend was anderes, wenn ich mir anschau, wie viel Zeit da rein geht (lacht).
Dietmar: Das wird die Zukunft weisen (lacht).Links und Webtipps:

Foto: Julia Dresch

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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