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Bunny Lake: „Ich würde nicht mehr zu Boys Noize gehen“

Bunny Lake: „Ich würde nicht mehr zu Boys Noize gehen“

Bunny Lake stehen für Electro-Shows, wo auch der mürrischste Besucher nicht mehr ruhig verharrt. Auch am diesjährigen Wurmfestival durfte man sich davon wieder überzeugen. subtext.at nutzte die Gelegenheit und sprach mit Christian Fuchs, dem männlichen Aushängeschild der Bunny-Lake-Familie über Euphorie, Falco und die Zukunft der Electro-Musik.

subtext.at: Auf dem Konzertankündiger für die heutige Veranstaltung habe ich folgendes gelesen: „Chartstürmer Bunny Lake live! Die Euphorie der Dancemusic!“ – wie bitte darf man diese „Euphorie“ verstehen?
Christian Fuchs:
Naja, wir schreiben diese Ankündiger ja nicht selber und haben auch meistens keinen Einfluss darauf, was die Leute wie über uns schreiben. Wir haben zwar viele Dance-Elemente, sind aber mittlerweile keine reine Dance-Band mehr. Wir haben auch nicht als solche angefangen – es war immer schon elektronisch. Es ist dann stark in die Dance-Richtung gegangen, einfach deswegen, weil es uns damals fasziniert hat. Mittlerweile basteln wir aber an neuen Nummern, die aber gar nicht mehr so „dancing“ ist. Euphorie ist zwar immer eine wichtige Emotion für uns gewesen, aber jetzt auch nicht so „auf Knopfdruck“. Wie wir angefangen haben, unsere euphorischen Texte zu machen, da warn wir noch in einer düsteren Electro-Ecke, da war Euphorie für die Leute dann fast schon etwas Schockierendes.

subtext.at: Braucht es wirklich immer ein paar Schlagworte wie „euphorisch“, um als Band Erfolg zu haben?
Christian Fuchs: Schlagworte brauchen die Leute immer. Musiker brauchen selber zwar fast nie solche Schlagworte, Journalisen und Publikum brauchen komischerweise immer dieses Schubladendenken. Als Band ist es schon obsolet, sich gegen dieses Schubladendenken zu wehren. Es gibt so viele Sachen, die uns zugeordnet werden – diese Gegensätzlichkeit taugt uns dann sogar schon wieder.

subtext.at: Bunny Lake ist auf FM4 Stammgast, wird aber auch auf Ö3 gespielt. Was könnt ihr als eine der wenigen Bands besser, dass ihr den Spagat zwischen diesen beiden Sendern schafft?
Christian Fuchs:
Es geht da immer nur um einzelne Songs. Das ist beim Radio generell so. Wir haben da den Song „1994“, der sowohl von der Stimmung als auch vom Songwriting her anscheinend zu Ö3 passt. Viele andere unserer Songs tun das nicht. Wir sind ja auch keine Ö3-Band geworden. Das kann sicher wieder mal passieren, dass ein Song von uns da hin passt. Wir machen das ja nicht reißbrett-mäßig – die Nummern passieren uns einfach. Beim Songwriting merkt man das einfach, dass nichts nach einem großen „Plan“ geht.

subtext.at: Der DJ Disco Demons ist auf Google noch vor eurem gleichnamigen Song gelistet. Stören euch solche Sachen?
Christian Fuchs: Ich nehm mal an, dass der Name inspiriert war und das ist eher eins schönes Kompliment, wenn jemand dann den Namen übernimmt. Bunny Lake ist ja auch abgekupfert von einem Film von Georgina Starr, und wenn man in Google Bunny Lake eingibt, sind auch wir vor dem gleichnamigen Film gelistet. Das wär dann ja auch sehr traurig, wenn die jetzt böse auf uns sein sollte. Man ist inspiriert und inspiriert andere – das ist halt Popkultur.

subtext.at: Wenn man sich quer durch Österreich umsieht, gibt es an jedem Wochenende in jedem größeren Ort eine Electro-Party. Wie schnell glaubst du, dass dieser Boom wieder abflachen kann
Christian Fuchs:
Das ist, nun ja, mittlerweile schwer zu sagen. Vor einiger Zeit hätte ich das jetzt beantwortet mit „Das hat so und so eine Halbwertszeit und wird dann so und so schnell gehen“, aber mittlerweile traue ich mir das nicht mehr prophezeien. Ich hätte ja auch das Ende von Drum & Bass schon vor langer Zeit gesehen. Es gibt dann halt so Dinge, die diese Halbwertszeit überleben. Bei Drum&Bass hat sich ja auch seit 1998 oder so nichts gravierendes mehr getan, außer halt so kleine Veränderungen, die Freaks dann erkennen. Es ist aber immer noch riesig und immer noch größer als Electro in manchen Gegenden in Österreich. Ich finds dann immer komisch, dass solche musikalischen Entwicklungen nach Überschreitung einer gewissen Phase, und das jetzt blöd gesagt, zur „Bubenmusik“ werden. Wenn das dann immer brachialer und lauter und immer verzerrter wird, dann bleiben so „Burschen“ mit den Händen in der Luft in den Clubs alleinig übrig. Das find ich dann nicht so prickelnd. Bei Electro war das nicht so. Das war sowohl im Publikum als auch in den Bands relativ ausgeglichen, vom Geschlechterverhältnis her gesehen. Mittlerweile sind wir aber meiner Meinung nach an einem Kipppunkt angelangt. Ich glaube, dass es uns auch in Clubs nicht mehr so fasziniert. So wie ich, der jahrelang zu diversen Abenden in die Fluc-Wanne gepligert ist, ist es aber nicht mehr. Ich würd nicht mehr zu Boys Noize gehen, das würd mich wahrscheinlich langweilen.

subtext.at: Ihr habt ja den „heiligen Gral“ der österreichischen Musikszene, Falco, gecovert. Habt ihr dafür auch Gegenwind bekommen?
Christian Fuchs: Das ging alles von der Suzy aus. Ich hätts mich nicht getraut. Der Vorschlag kam von ihr, sie hat da auch einen ganz anderen Zugang als ich. Wir haben das dann gemacht und haben im Studio gemerkt, dass unsere ersten Versionen total schief gehen. Christopher Juster hat das dann gerettet, weil er dann einen unbefangenen Zug reingebraht hat. Aber es war schon respektvoll gedacht.

subtext.at: Bei Bunny Lake denkt man in erster Linie and Suzy und dich. Siehst du das als Vor- oder als Nachteil, wenn hauptsächlich ihr beide wahrgenommen werdet, wo doch so viele Leute mehr dahinter stehen?
Christian Fuchs:
Das Komplizierte ist, dass wir keine klassische Band sind, sondern eher eine Familie. Da gibt es so viele Leute – da müssten wir fast ein Klassenfoto machen, um alle raufzukriegen. Und um das zu repräsentieren und weniger kompliziert zu machen, stehen wir beide da vorne. Wärs eine klassische Band, würds wahrscheinlich auch echte Bandfotos geben.

subtext.at: Zum Abschluss vervollständige bitte folgenden Satz: Über Bunny Lake soll in fünf Jahren nie gesagt werden, dass…
Christian Fuchs: … es ein kurzes, oberflächliches Popphänomen von einem Sommer war.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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