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„Österreichische Politik ist völlig uninteressant“

„Österreichische Politik ist völlig uninteressant“

 

Robert Stachel, Peter Hörmanseder und Ulrich Salamon – besser bekannt sind die drei Herren als „Maschek“. „090909“ ist nicht nur der Tag, an dem subtext.at das Licht der Welt erblickte, sondern auch der Name des aktuellen Programms. subtext.at hat sie in Linz zu Schwarz-Blau, der fehlenden HC Strache – Puppe und vielem mehr befragt.subtext.at: Stellt euch bitte zu Beginn in jeweils zwei Sätzen gegenseitig vor.
Peter: Gut, dann mach ich den Anfang. Robert Stachel ist der jüngste von uns, lebt in Wiener Neustadt und hat die täuschend ähnlichsten Stimmen.
Ulrich: Also – Peter Hörmanseder, der Älteste von uns, und ist bei uns hauptsächlich für das gute Bild – also die Optik – verantwortlich.
Robert: Ulrich Salamon, der Mittlere von uns…
Peter: Also der Durchschnitt?
Robert: … der einzige nicht in Österreich Geborene. Ulrich ist das Mädchen für alles, was Stimmen angeht. Und natürlich der Vizekanzler Pröll, mit dem ich als Faymann zu tun habe.

subtext.at: „090909“ – so der Name des Programmes, das ihr hier in Linz aufführt. Ursprünglich war das ja ein Projekt im Rahmen von Linz09 – was ist dann daraus geworden?
Peter: Das war ja auch ein 09-Beitrag. Das Stück wurde dann vor ziemlich genau einem Jahr als Eröffnung des „Kasperlfestivals“ gespielt, in einer kürzeren Variante mit ca. 50 Minuten. Daraus ist dann ein längeres Stück geworden.

subtext.at: Ihr habt also das ursprüngliche Stück aufgeblasen…
Ulrich: Ja, stimmt, weil wir so faule Hunde sind haben wir uns dann einfach gedacht, dass wir das gewaltsam auf einen 90-Minuten-Abend aufblasen lacht.
Peter: Nein, das war von Anfang an so gedacht, dass wir das Stück bei Linz09 in einer kürzeren Version präsentieren und ein paar Monate später dann eine längere Fassung mit gefüllten Lücken gemacht.

subtext.at: Beim Thema „Maschek“ muss ich fast zwangsläufig an Politik denken. Funktioniert eurer Meinung nach Maschek trotz, oder gerade wegen Politik?
Peter: Mit Politik. Ich glaube, es funktioniert mit fast allen Dingen. Ursprünglich war ja auch nicht die Politik unser Motivator, sondern das schlechte österreichische Fernsehen. Ganz am Anfang haben wir wesentlich mehr Medienbetrachtungen gemacht. Die kommen auch heute immer wieder mal vor und werden vielleicht auch in Zukunft wieder verstärkt vorkommen. Österreichische Politik ist ja völlig uninteressant – deshalb kommt ja auch in „09“ kein österreichischer Politiker vor. Die ist außerhalb Österreichs völlig uninteressant, und außerdem ist ja hier alle zwei Jahre wer anderer Kanzler. Das ist auch für uns mühsam, wenn wir immer wieder neue Sachen machen müssen.
Ulrich: Ich glaube, dass wir als Maschek das Glück hatten, das in einer Zeit machen zu können wo Video-Schnittplätze zumindest erschwinglich waren. Wir waren halt mit dem Fernsehprogramm nicht zufrieden und waren verspielt genug, das Material zu manipulieren.

subtext.at: Stichwort Anfangszeit. Die war bei euch ja zur Zeit der schwarz-blauen Regierung. Seid ihr, auch im Hinblick auf die politischen Programme, die ihr geschrieben habt, im Nachhinein auch in gewisser Weise froh über Schwarz-Blau?
Robert: Mit den politischen Fernsehsynchros haben wir schon kurz vor Schwarz-Blau angefangen. 1999 haben wir im Rahmen einer „Wahlparty“ zum ersten Mal diese Synchronisationen gemacht. Das war damals die Wahl, wo die FPÖ die ÖVP überholt hat. Wir haben die Fassungslosigkeit ein bisschen „weggelacht“. Insofern sind wir mit Schwarz-Blau von Anfang an konfrontiert gewesen.
Ulrich: Es könnte der Eindruck entstehen, dass wir kleine „Kriegsgewinner“ von Schwarz-Blau waren. Wir legen da aber schon großen Wert drauf, dass wir uns da auf Distanz befunden haben – sowohl zum ORF als auch zur Politik. Damals bist du fast nicht darum herum gekommen, etwas zu machen. Unter Rot-Schwarz jetzt verkasperlt das jetzt wieder mehr.

subtext.at: Gibt es eigentlich auch ein paar Figuren, wo ihr kläglich gescheitert seid, als ihr „drüberreden wolltet“?
Robert: Immer wieder. Wir scheitern glaube ich auch auf der Bühne an zwei Drittel der Stimmen.
Peter: Wenn die Stimme nicht ähnlich ist, ist es eigentlich wurscht. Man muss einen Charakter zur Figur finden. Es gibt dann immer wieder Figuren, die theoretisch zwar spannend uns lustig wären, wo man aber keinen Charakter dazu findet. Westenthaler zum Beispiel wär so eine Figur. Der kam zwar schon mal vor, war aber aufgrund des Ekels schwer zu spielen. Wir müssen ja die Figuren, die wir kreieren, auch immer ein wenig „gern“ haben. Man kann sie zwar politisch ablehnen, aber ein wenig „gern“ muss man sie halt haben. Wenn man keinen Bezug dazu findet, dann geht’s einfach nicht.

subtext.at: HC Strache hat nie eine Puppe in eurem Programm bekommen. Warum?
Ulrich: Naja, es muss ja nicht jeder „Trottel“ eine Puppe haben lacht.
Peter: Er hat sich auch beim letzten Stück nicht wirklich angeboten. Nur weil er jetzt Oppositions-Führer ist, muss er ja nicht automatisch in die Geschichte reinpassen. Es haben schon wesentlich wichtigere Personen keine Puppe gekriegt.

subtext.at: Also gibt es da keinen bestimmten Grund?
Robert: Ich glaub das schon. Bei uns ist es eine bewusste Entscheidung, die FPÖ nicht im Übermaß zu thematisieren, weil die Satire in einer paradoxen Art und Weise immer die Subjekte, die sie persifliert, adelt. Diesen Gefallen will man der FPÖ nicht machen.
Ulrich: Es gilt die Regel: Die FPÖ geht außen vor. Daran haben wir uns auch lang gehalten. Außer bei Jörg Haider, den haben wir am Anfang öfter verwendet.
Robert. Bei Haider ist es aber auch darum gegangen, das Bild zu zeigen.
Peter: Das hat mit Lookalikes funktioniert. Liza Minelli war zum Beispiel mal Jörg Haider. Also Figuren, die überhaupt keine Ähnlichkeit mit ihm hatten. Bei Personen, die eitel-durchgeknallt waren, haben wir immer gesagt: „Das ist der Haider“!

subtext.at: Ihr habt gerade angesprochen – „Die Satire adelt die Objekte, die sie persifliert.“ – warum ist es dann so, dass Kanzler Faymann zum Beispiel zur Premiere von „Bei Faymann“ zwar Karten bestellt, dann aber nicht kommt? Kommt das politische Establishment mit Satire nicht zurecht?
Peter: Faymann haben wir ja auch konkret ausgeladen.
Ulrich: Du machst das ja nicht für die Leute – die nutzen solche Gelegenheiten dann nur, um sich ablichten zu lassen. Das eigentliche Programm geht an ihnen vorbei – die sonnen sich darin, wenn sie ganz schlecht wegkommen.
Robert: Da geht’s um den „Villacher-Fasching-Effekt“.
Ulrich: Genau. Jörg Haider ist da lächelnd in der ersten Reihe gesessen und hats verstanden, dass ihm das nutzt. Hauptsache man ist im Fernsehen – der Grund dazu ist relativ egal.

subtext.at: Glaubt ihr, dass ihr das politische „Stigma“ schon gepachtet habt, oder ist es für euch dann auch wieder relativ einfach, das Image der Politik abzulegen?
Ulrich: Ich glaube, dass wir auch mit „090909“ Politik machen. Es wird aber auch wieder Kasperltheater geben, wo man sich ausreichend mit der Tagespolitik auseinandersetzt.
Peter: Es wird auch heute wieder so sein, dass heute wieder ein paar Leute enttäuscht sein werden, weil kein Faymann und kein Fischer vorkommt.

Links und Webtipps:

Fotos: Julia Dresch

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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