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Monrose: „Eine Frau kann frech sein, aber auch Klasse besitzen“

Monrose: „Eine Frau kann frech sein, aber auch Klasse besitzen“
Das alte Jahr neigt zu sich Ende und subtext.at hat für die besinnlichen Feiertage einige Interviews mit Acts aus der Pop, Rock und Punk-Szene parat. Den Anfang machen Monrose, die Gewinner der fünften „Popstars“-Staffel, die nach vier erfolgreichen Alben nun definitiv Schluss machen. Freilich wusste subtext.at von dieser Entscheidung beim Interview nichts, doch in einigen Antworten lässt sich im Nachhinein bereits darauf schließen.

Ein Gespräch mit drei attraktiven Damen, die nicht auf den Mund gefallen sind, um die Macht der Medien wissen und ihre weiblichen Reize gerne zur Schau stellen – ohne billig zu sein.

subtext.at: Mit welchen Veränderungen tut ihr euch besonders schwer oder kommt ihr gar nicht klar?
Mandy Capristo: Schwer gefallen ist es uns, 24 Stunden am Tag beobachtet zu werden. Selbst deine Familienmitglieder werden gegoogelt. Es tauchen dann italienische, marokkanische oder türkisch stämmige Mädchen in irgendwelchen Foren oder Zeitungen auf, die sich dann als deine Cousinen ausgeben (lacht). Damals, nach dem Sieg der „Popstars“-Staffel, hat sich für uns alles verändert – von heut auf morgen. Davor, im Workshop, war es wie bei „Big Brother“: Von der Außenwelt haben wir nichts mitbekommen.
Bahar Kızıl: Ich fand es schwierig, den Vorurteilen stand zu halten, vom ersten Album bis zum vierten. Monrose haben immer viel Kritik einstecken müssen. Es wir uns nicht lange geben, wir sind ja nur ein Castingact und so weiter. Neue Kraft hat man da immer gebraucht, den Leuten standzuhalten und es ihnen zu beweisen.

subtext.at: Welche neuen Eigenschaften habt ihr euch mit der Zeit angeeignet?
Senna Guemmour: Ich bin gelassener geworden. Von Natur aus bin ich ein zwiegespaltener Mensch, ich kann ruhig und total hysterisch sein. Die Leute da draußen kennen nur diese laute Seite von mir (wirkt nachdenklich). Die Gelassenheit gab es aber schon bei mir, weil ich sehr religiös bin und an Schicksal glaube. Ich nehme mir zwar viele Sachen zu Herzen, aber ich verarbeite sie dann auch. Es sind Sachen dazu gekommen, ich habe Falten bekommen und graue Harre (lächelt), aber ich bin auch häuslicher geworden. Das habe ich mir definitiv angeeignet. Viele Eigenschaften sind bei mir eigentlich nicht dazu gekommen, weil ich eigentlich schon ein vollendeter Charakter war. Ich gehe professioneller mit meinem Leben um, schaue was ich sage und was ich nicht sage. Mein Privatleben möchte ich vor der Presse schon gerne schützen.

subtext.at: Denkt ihr gern an die Vergangenheit zurück, oder konzentriert ihr euch lieber auf Gegenwärtiges?
Mandy: Wir haben ganz viele schöne Erinnerung und blicken gerne auf die Vergangenheit zurück, zum Glück. Wir haben viele schöne Momente erlebt in den letzten Jahren, da fällt es einem auch schwer, sich für einen zu entscheiden. (überlegt) Bei den Studioaufnahmen in Kopenhagen haben wir drei und unsere Managerin uns auf Fahrräder gesetzt und sind dann quer durch die Stadt gefahren (lacht).
Senna: Flughafensituationen!
Mandy: Ja, und selbst Streitsituationen – heute schauen wir uns an, greifen uns am Kopf und lachen darüber. Natürlich ist es auch so, dass wir neben der menschlichen Seite auch die Geschäftsfrau in uns aufgebaut haben. Wir schauen in die Zukunft, jede einzelne von uns. Egal, wie es mit Monrose weitergehen wird, wir werden immer befreundet bleiben. Wir haben zu dritt traurige und glückliche Momente erlebt, die kann uns niemand wegnehmen.
Senna: That’s what friends are for (singt)!

subtext.at: Habt ihr noch Angst, dass ihr von den Medien in ein schlechtes Licht gerückt werden könntet?
Senna: (antwortet sofort) Ich habe keine Angst vor schlechter Presse. Sie können mich zerfetzen und fertig machen, mein Gott, ja, natürlich wird es mich irgendwo verletzten. Letztes Mal habe ich gelesen, ich hätte meine Brüste im Radiosender gezeigt – was für ein Schwachsinn! Ich lache dann darüber, aber meine Familie sollte man da aus dem Spiel lassen, da werde ich richtig sauer. Dann schnappe ich mir denjenigen, dann ist mir scheißegal.
Mandy: Die Familien sollten die Medien außen vor lassen.
Senna: Bei mir selber ist das kein Problem, aber sobald die Familie angegriffen wird, da hört der Spaß auf. Zum Glück ist das noch nie passiert, es gab mal hier und da dumme Sachen, aber…
Bahar: Als Außenstehender kann man relativ wenig Schlechtes über uns sagen, selbst wenn man Monrose nicht unbedingt mag. Wir versuchen uns immer treu zu bleiben, wir singen live und wir versuchen uns immer weiterzuentwicklen. Wir haben heuer unser viertes Album produziert, dass hat immerhin keine Castingband am Stück geschafft.
Mandy: Man sucht immer einen Kratzer für das öffentliche Bild, und man kann auch immer etwas finden. Das schönste Model kann in einem Hochglanzmagazin am Computer bearbeitet sein oder Cellulite haben. Klar, wir haben uns am Anfang auch über Dinge aufgeregt, weil es neu für uns war.
Senna: Ich gucke da auch nicht mehr hin, dass ich eine Tyrannin sei und solche Sachen…

subtext.at: Warum bringen euch manche Leute mit Dingen in Verbindung, mit denen ihr eigentlich nichts zu tun habt? Wieso müssen manche Personen anderen ihre Meinung aufzwingen?
Bahar: Wegen mangelnder Aufmerksamkeit.
Senna: Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom! Eigentlich habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, will ich auch nicht, weil es mich nicht interessiert.

subtext.at: Nun zu positiven Dingen – euer heuer erschienenes Album „Ladylike“ ist gut gelungen, die Vorabsingle „Like A Lady“ ist toll und auch das dazugehörige Video kann sich sehen lassen.
(alle drei freuen und bedanken sich)

subtext.at: Spielt ihr gerne mit eurer weiblichen Anziehungskraft?
Bahar: Wenn wir nein sagen würden, würden wir lügen. Als Frau muss man aber aufpassen, was noch schön und ästhetisch ist, und was billig ist. Manchmal bewegt man sich auf einem ganz schmalen Grat, da muss man aufpassen.
Senna: Jede Frau mag es, wenn sie angeschaut wird. Nicht angequatscht wird, dass ist wieder eine andere Story (lacht)! Es ist eine Bestätigung für jede Frau, es steigert dein Selbstbewusstsein. Natürlich spielen wir mit unseren Reizen und natürlich lieben wir es, weiblich zu sein.

subtext.at: Die R’n’B-Sängerin Kelis hat einmal gesagt:Es gibt eine feine Linie zwischen weiblichem Stolz und ausstellendem Sexismus.“
Senna: Damit hat sie vollkommen recht.
Bahar: Auf jeden Fall.
Senna: Kelis spart auch nicht mit ihren Reizen und gibt sich äußerst sexy, trotzdem tut und macht sie was sie will. Sie ist jetzt nicht das typische Sexsymbol, die aussieht wie beispielsweise Megan Fox. Fox übertreibt es total.
Bahar: Die finde ich too much.
Senna: Angelina Jolie ist eine tolle Frau, sie ist classy, aber Megan Fox hat eine ganz andere Rolle und ist nur ein Abklatsch von ihr. Klasse kannst du dir nicht kaufen, mit Klasse wirst du geboren. Ein anderes aktuelles Beispiel ist Daniela Katzenberger, die zwar billig aussieht, aber überhaupt nicht billig ist, wenn du dir ihre Interviews ansiehst. Sie wirkt wie ein Mädchen vom Land, sie sagt was sie denkt, sie ist schlagfertig und humorvoll.
Mandy: Ein Imagewechsel muss auch immer natürlich stattfinden.
Senna: Eine Verona Feldbusch hat angefangen als Dieter Bohlens Ex, dann hat sie „Peep!“ moderiert, die total billige Sendung, sie hat gesungen und total dumme Sachen gemacht – guck sie dir heute an, la grand dame! Es passt, sie hat eine Entwicklung durchgemacht. Entweder hast du das oder du hast es nicht, man kann es nicht erklären. Eine Frau kann frech sein, aber auch Klasse besitzen.
Bahar: Dieser schmale Grat liegt auch oft an den Kleinigkeiten.
Senna: Wenn du Heidi Klum und Claudia Schiffer nebeneinander stellst, dann hat Claudia Schiffer eine ganz andere Ausstrahlung, das siehst du einfach, obwohl Heidi auch eine tolle Frau ist.

subtext.at: Euer Video hatte nach kurzer Zeit schon über zwei Millionen Zugriffe…
Senna: Ja, schnell ging das. Darüber müssen wir grinsen und es freut uns. Abgesehen, dass wir wirklich hart arbeiten, freut es uns, dass uns die Leute immer noch mögen und noch ein paar neue dazugekommen sind. Wir haben kein Millionenpublikum, aber die Leute, die wir erreichen, die tun uns gut.

subtext.at: Habt ihr noch mit Vorurteilen zu kämpfen?
Bahar: Das hat mittlerweile aufgehört, aber am Anfang war es so. Viele Radiosender haben uns nicht gespielt, manche Leute wollten kein Interview mit uns machen, weil es uns sowieso nicht lange geben wird. Aller Anfang ist schwierig.

Links & Webtips:

www.monrose.de
– Monrose auf der Wikipedia
– Monrose auf Facebook

Foto: Warner Music

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