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Semi Precious Weapons: „Du kannst jemanden dazu bewegen, dich zu mögen, aber nicht, dich zu lieben“

Semi Precious Weapons: „Du kannst jemanden dazu bewegen, dich zu mögen, aber nicht, dich zu lieben“

Sie sind laut, schrill, der Sänger trägt High-Heels und Make-up und sie wollen die größte Rockband der Welt werden: Semi Precious Weapons. Ihr prominentester Fan: Lady GaGa! Die Formation um Aushängeschild Justin Tranter könnte mit ihrem schrillen und frivolen Glamrock das nächste große Ding werden und elitäre Bands wie die New York Dolls oder T.Rex beehren. Genug Gründe, um bei der Band aus New York City nachzuhaken.

Es gibt sehr wenige Interviews, die so locker, lustig und überdreht verlaufen wie dieses hier mit Sänger Justin und Bassist Cole Whittle.

subtext.at: Justin, was hat dich dazu bewogen, Musik zu machen?
Justin Tranter: Es war eine Kombination aus zweierlei Dingen. Als kleiner Junge war ich von der kleinen Meerjungfrau total fasziniert (lacht). Mein Bruder liebte allerdings Sachen wie AC/DC, Guns N‘ Roses, Metallica, Faith No More oder Nirvana. Mich haben zwei komplett verschiedene Welten dazu inspiriert, Musik zu machen.

subtext.at: Das nennt man wohl einen absoluten Kultur-Clash.
Justin: Ja, ein Clash zwischen weiblichen Cartoon-Figuren und Axl Rose.
Cole Whittle: Das ist ganz und gar nicht schön.
Justin: Nein, ganz und gar nicht (lacht)!

subtext.at: Was empfiehlt ihr einer Person, die noch gar nichts von euch gehört oder gesehen hat? Zuerst einer Liveshow beiwohnen oder lieber die Alben anhören?
Justin: Zum jetzigen Zeitpunkt: Ein Konzert besuchen. Wir haben inzwischen so viele Shows gespielt…
Cole: Bestimmt schon eine Million.
Justin: Allein im letzten Jahr haben wir über 300 Shows gespielt, was wirklich eine Menge ist. Ein Konzert ist einfach viel aufregender, die Gitarrensoli können länger andauern und ich kann viele lächerliche Dinge tun und sagen (lacht). Nein, im Ernst, wir können wirklich zeigen, wie ernst wir es mit der Musik meinen. Natürlich ist das alles ein großer Spaß, aber die Musik nehmen wir ernst.

subtext.at: Ihr möchtet sicherlich nicht in eine bestimmte Schublade gesteckt werden.
Justin: Natürlich nicht, aber ich wünschte, dass man uns in eine Schublade stecken könnte. Es würde so vieles einfacher machen.
Cole: Dieses Vorhaben ist schlicht unmöglich, we’re all fuckin‘ crazy (beide lachen).

subtext.at: Bestimmt möchtet ihr auch nicht jedem gefallen.
Justin: Nein, möchten wir nicht. Wir möchten zwar die größte Band der Welt werden, aber das geht nur, wenn dich die Leute lieben – oder hassen (lacht). Allen großen Bands erging es so.
Cole: Wir hoffen natürlich schon, dass wir all diese Motherfucker für uns gewinnen können, aber das ist ein schweres Unterfangen.
Justin: Du kannst jemanden dazu bewegen, dich zu mögen, aber du kannst nicht jemanden dazu bringen, dich zu lieben. Nur gemocht zu werden, ist langweilig. Wir polarisieren lieber.

subtext.at: Glaubt ihr, dass jeder dazu imstande ist, seine Gefühle anderen zu vermitteln? Durch Musik zum Beispiel?
Justin: Ich weiß nicht, ob das jeder kann. Unsere Fans lieben uns deswegen, weil wir unsere Gefühle und Ansichten auf eine sehr extreme Art wiedergeben: Wir machen es den Leuten einfach, eine Stellung zu beziehen. Warum? Weil es so over the top ist. Jeder kann etwas finden, was er oder sie nachempfinden kann. (überlegt kurz) Es gibt viele, die zu sehr nach dem Massengeschmack gehen. Diese Leute verwässern alles. Es wird dann so allgemein, dass niemand mehr einen Bezugspunkt finden kann.
Cole: Sie wollen verrückter sein als andere, außergewöhnlich und keineswegs gewöhnlich, aber sie schaffen es nicht. Wir versuchen, ihnen das Selbstbewusstsein zu geben, sich nicht um die Meinung von anderen zu kümmern.

subtext.at: Ihr habt einen bestimmten Stil für euch gefunden, sowohl was euer Auftreten als auch eure Musik angeht. Wolltet ihr schon immer „anders“ sein?
Justin: Glücklicherweise müssen wir uns nicht verbiegen oder verstellen. Ich habe eine feminine Seite, die sich kaum verbergen lässt (beide lachen). Mich haben stets starke Frauen inspiriert, sei es jetzt Sharon Stone, Marilyn Monroe oder eben Ariel, die kleine Meerjungfrau. Ich bin nun mal so, wie ich bin. Thank God I was born different! Ich hatte auch Glück, weil mich meine Familie so akzeptiert hat wie ich bin. Wenn ich in der Schule gemobbt wurde, stand sie immer hinter mir (überlegt) Im Grunde ist jeder von uns auf seine eigene Art und Weise einzigartig. Unsere Fans lieben uns ja eh deswegen: Weil wir ehrlich sind. Ich trage kein Make-up, um andere Leute in Aufregung zu versetzen oder zu nerven. Mit Make-up fühle ich mich besser und schöner. (überlegt) Andersartig zu sein ist für jeden Künstler wichtig. Für uns bedeutet das: Anders zu sein = ehrlich zu sein

subtext.at: Was haltet ihr von der neuen Queer-Bewegung, die langsam aber sicher auch den Mainstream dominiert?
Justin: Diese Bewegung finde ich toll, aber persönlich kann ich nicht viel damit anfangen. Ich liebe schrille, bunte Dinge, aber ich würde in einer Bar nicht zu Kylie Minogue tanzen, sondern zu Guns N‘ Roses (lacht). In diese Queer-Bewegung passe ich nicht hinein, obwohl sie ganz fantastisch ist. (überlegt kurz) Vielleicht bin ich ja in gewisser Weise „queer“, weil ich ein Mann bin, der Make-up und High-Heels liebt. Queer ist überhaupt ein geiles Wort. Die Mehrheit der Männer verzichtet auf Schminke, trägt Sneakers und ist 100% heterosexuell. Wenn wir aber mit dieser Queer-Bewegung in Verbindung gebracht werden, dann ehrt uns das, obwohl wir nicht dazu gehören. Wir sind vier verschiedene Typen in dieser Band, und jeder von uns steht für einen anderen Typ Mann.
Cole: Deine Freunde müssen nicht genau so aussehen wie du, um deine Freunde zu sein.

subtext.at: Lady GaGa ist der euer prominentester Fan. Gibt es Ähnlichkeiten, was eure Sichtweise auf die Musik angeht?
Justin: Als wir uns das erste Mal getroffen haben, haben wir schnell gemerkt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind und ähnlich ticken. Sie hat uns dann gefragt, ob wir sie nicht auf Tour begleiten möchten. Thank God!

subtext: Du musst sehr gottesfürchtig sein, wenn du dieses Wort so oft benutzt.
Justin: Total (lacht)! Das Wort Gott hat bei mir eher eine negative Bedeutung… Nein, wir haben wirklich viel gemeinsam. Sie macht zwar Pop und wir Rockmusik, aber wir möchten beide tolle Melodien haben, zu denen die Leute mitsingen können. Wir möchten Texte schreiben, an die sich die Leute erinnern. Wir möchten beide Grenzen einreisen, visuell aufregend und bildhaft sein. Wir möchten provozieren und aufregen, aber auch dazu inspirieren, sich selbst zu lieben.

subtext.at: Was ist das Verrückteste, was euch dazu bewogen hat einen Song zu schreiben?
Cole: Eine tolle Frage (wirkt ganz aufgeregt).
Justin: Nun, die meisten unserer Songs handeln von mir oder den glamourösen und desaströsen Frauen in meinem Leben. Selbstzerstörerische Frauen waren das. Aber das Verrückteste?
Cole: Ich würde „Sticky“ sagen.
Justin: „Sticky With Champagne“ ist oberflächlich betrachtet ein Partysong. Wenn du dir aber den Text genauer ansiehst, wirst du merken, wie fucked up & tragisch er ist. Es geht um ein wunderschönes Mädchen, mit dem ich unglücklicherweise zusammen sein möchte. Eigentlich möchte ich sie sein (lacht). Der Text wurde auch von meiner Geburtstagsfeier inspiriert. Ich war mit einigen Freunden, die meisten davon selbstzerstörerische Frauen, in einem Kinosaal und wir tranken Champagner, wobei eine Flasche zerbrach und wir deswegen alle in Champagner getränkt waren. (überlegt) Bei „Put A Diamond In It“ habe ich einen Blowjob verpasst bekommen, während ich in eine diamantene Halskette gebissen habe (lacht). Verrückt genug?

subtext.at: Eine wirklich außergewöhnliche Situation.
Justin: Oh ja, und wie! (lacht)

subtext.at: Was ist das Gefährlichste, was ihr jemals getan habt?
Justin: High-Heels zu tragen und sich dabei nicht die Beine brechen. Wobei Wien eigentlich ganz nett ist, niemand starrt dich an. Üblicherweise ist es so, dass ich entweder um Autogramme gefragt werde, eben auch wegen Lady GaGa, oder um mein Leben bangen muss (lacht).
Cole: Das Gefährlichste, was wir tun: Echte Instrumente spielen und Rock’n’Roll zelebrieren.

subtext.at: Kein Playback auf der Bühne.
Justin: Niemals!
Cole: Jeder Ton und jedes Geräusch, was du hörst, ist echt. Nichts kommt vom Band.

subtext.at: Was ist das Schrecklichste, was ihr jemals zu Gesicht bekommen habt?
Justin: Das Schrecklichste, was wir jemals gesehen haben? Es muss etwas mit unserem Gitarristen Stevy zu tun haben. Wir nennen ihn den Creeper. Wenn es in einem Radius von zwei Meilen eine asiatische Frau gibt, dann wird er sie anmachen. Und sie werden Sex haben (lacht). Ich kann es nicht genau erklären, wie das zustande kommt, aber so ist es. Sehr mysteriös und äußerst seltsam (lacht).

subtext.at: Was sollten die Konzertgänger von euch erwarten, wenn ihr auf die Bühne geht?
Justin: Wir sind sehr laut, spaßig und schrill. Wir haben viele Gitarrensoli und mein Outfit werde ich mindestens fünf Mal wechseln (lacht).
Cole: Du solltest nicht in Panik geraten, falls du sexuell erregt wirst.
Justin: No matter what gender or sex you are!
Git: Das ist unsere Nische.

Links & Webtips:
www.semipreciousweapons.com
Semi Precious Weapons auf Wikipedia
Semi Precious Weapons auf Facebook

Foto: Universal Music

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