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ADELE & DUFFY: Stimmwunder x2

ADELE & DUFFY: Stimmwunder x2

Eine Binsenweisheit gleich am Anfang: So gut eine Platte auch sein mag, sie braucht immer eine Zeit, in die sie passt. Erst vor wenigen Jahren tauchte eine neue Generation von Sängerinnen auf der Bildfläche auf, die maßgeblich den Zeitgeist mitbestimmte. Mit Retro-Sound und fabelhaften Stimmen gelang es ihnen, Vergangenes wieder frisch klingen zu lassen. Schnell entwickelte sich eine höchst lebendige und erfolgreiche Bewegung. Und jetzt?

Die Popwelt hat sich erneut gewandelt. Dominant an erster Stelle stehen inzwischen eine Lady GaGa, die unangefochtene Meisterin der Selbstinszenierung, eine Katy Perry, die mit ihrer bunten Lollipop-Welt die Leute in Verzückung versetzt, oder eine Rihanna, die seit zwei Alben ihr braves Image gegen einen dunkleren Stil eingetauscht hat. Können solche Künstlerinnen wie Amy Winehouse, Duffy, Adele und Co. überhaupt noch mithalten?

Die Musik
Zwei sorgen gerade wieder für Nachschub. Duffy veröffentlichte „Endlessly“ gegen Ende des letztes Jahres, von Adele erschien „21“ vor wenigen Tagen. Beide haben mit ihren zweiten Platten nicht den Kardinalfehler begangen, einen wilden Stilmix anzuwenden. Ein kurzer Blick zurück: Ihre Debütalben wurden mit einer außerordentlichen Zustimmung empfangen, da verwundert es nicht, dass sie ihre Stile beibehalten haben.

Duffy-Endlessly

Auf „Endlessly“ trifft euphorischer Übermut auf elegische Eleganz. Duffy schreibt hübsche, schön arrangierte und geschmackvolle Popsongs wie „Keeping My Baby“ oder „Well, Well, Well“ – leider ist die Mehrzahl der Songs jedoch ein bisschen zahm. Adele eckt da deutlich mehr an. Ihre Songs kommen besser auf den Punkt, nicht zuletzt auf Grund von Rick Rubin oder Ryan Tedder (OneRepublic), die bei der Produktion aushalfen. Lieder wie „Rumour Has It“ haben ordentlich Wumms & Kraft, glänzen wegen der natürlichen Produktion, und Material wie „Turning Tables“ bietet Gefühl auf höchstem Niveau.

Die Optik
Duffy ist wegen ihrer Optik zwangsläufig in die Retro-Schublade gefallen, orientiert sich die Waliserin doch an den französischen Filmstars wie Catherine Deneuve oder Brigitte Bardot. So lässt sich ihr Stilbewusstsein erklären. Sexy? Ja. Obszön? Niemals. Auch bei Adele ist die Ästhetik des Künstlichen fehl am Platz. Sie steht zu ihren Proportionen, die nicht dem Ideal entsprechen, überzeugt aber durch eine wunderbare Ausstrahlung.

Beide haben dem Hype mit ihrer entwaffnenden Natürlichkeit getrotzt. Zwar wollten sie ihre Musikkarriere an den Nagel hängen, doch zum Glück haben sie sich gefangen. So ist das eben: Erst hoch gelobter Newcomer, dann schon voll in der Musikmaschinerie.

21

Die Prognose
Während Duffy mit „Endlessly“ eine Bruchlandung hingelegt hat (die Platte verkauft sich deutlich unter den Erwartungen), kann sich Adele glücklich schätzen. „21“ ist sehr gut gestartet und die vortrefflich geratene Single „Rolling In The Deep“ schlägt sich auch äußerst erfolgreich. Beide Alben haben ihre Momente und ihre Glanzseiten. Für welche der beiden Stimmwunder man sich letztendlich entscheidet? Es liegt bei jedem selbst.

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