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Attwenger: „Wir wollten immer schon gerne in Japan auf Tournee gehen“

Attwenger: „Wir wollten immer schon gerne in Japan auf Tournee gehen“

„Flux“ heißt das neueste Werk von „Attwenger“. In der Linzer Kapu präsentierten das Duo im Rahmen eines Überraschungskonzertes ihr neues Album. subtext.at hat mit ihnen über „Die Lust“, Fukushima und Gesellschaftskritik gesprochen.

subtext.at: Attwengers neuestes Album, überaschend präsentiert in der KAPU in Linz… Was dürfen wir erwarten?
Markus Binder: Naja, ich hoffe, dass wir die neuen Stücke heute so halbwegs hinkriegen; dass ist der Grund warum wir heute spielen, weil wir geprobt haben und ich hab mir gedacht, dass wir wenn wir schon mal hier sind, ein kleines nicht allzu großes Konzert machen, um zu sehen ob die Reihenfolge der neuen Songs funktioniert. Und die Kapu ist schon ewig unser „Homie Place“ sozusagen, darum machen wir das hier.

subtext.at: Habt ihr für das neue Album auch neue Stilrichtungen eingeschlagen?

Markus Binder: Pfu, eigentlich haben wir ja schon fast alle Stilrichtungen durch, hmmm welche haben wir denn noch nicht… Rock & Roll ist jetzt eher die primäre Stilrichtung die man eben forciert.
HP Falkner: Stilrichtung: „Lust“.

subtext.at Was darf man darunter verstehen?
HP Falkner: Lust ist, wenn etwas Spaß macht. Lust wie bei „Wir haben Lust auf etwas“. Also auf alle Stile, auf das „zu machen“, auf das „zu spielen“. Es hier zu machen, wo anders zu machen, auf Tournee gehen, hoffentlich fremde Länder zu bereisen. Das alles.

subtext.at: Sind auch neue Filmprojekte geplant?
Markus Binder: Nein, also wir haben ja eh gerade erst einen gemacht. Also was heißt gerade, ist ja auch schon wieder vier Jahre her, der Attwenger Adventure. Nein, also ich glaube, wir haben normalerweise so einen Abstand von zwölf Jahren zwischen unseren Filmen. Sonst sieht ja auch alles gleich aus. Wobei, wenn jemand das Budget und eine gute Filmidee bereitstellen würde, die sich vielleicht auch unterscheidet von den anderen beiden Filmen, das wäre natürlich schon mal interessant…

HP Falkner: Ich würd‘ gern wieder einen machen. In einigen Jahren… Aber eben vielleicht einen anderen, weil die ersten beiden waren sich ja ohnehin ähnlich.

Markus Binder: Zum Beispiel so wie die Stones, die gefilmt haben wie sie nur eine Nummer aufnehmen… Ein neues Konzept eben aber momentan ist eben noch nichts geplant.

subtext.at: Am ersten April startet eure neue Tour. Welche Gefühle bzw. Erwartungen hab ihr dabei?

Markus Binder: Das tät‘ I jetzt auch gern wissen…

HP Falkner: Was wir am ersten April alles sagen und spielen kann ja alles gelogen sein… Weil wir am ersten April ja sowieso nicht ernst sind. Ach, welche Erwartungen hat man denn? – Die Erwartung „Lust“. Ich freu mich auf das alles.

subtext.at: Gesellschaftskritisch wart ihr seit je her, was ist eure letzte Obsession?

Markus Binder: „Feel the Mief…“ Ein Song unseres neuen Albums, den wir auch heute als Zugabe spielen werden. Wir sind zwar nicht unbedingt abonniert darauf in allen unseren Songs gesellschaftskritisch zu sein. Im Song „der Mief“ beschäftigen wir uns eben mit dem alltäglich anzutreffenden Mief. Und wir sind ja sowieso die leibhaftige Gesellschaftskritik in dem Sinn…

subtext.at Gibt es Reaktionen auf eure Gesellschaftskritik?

Markus Binder: Schon, also ich denke das Attwenger eine Stimme ist, für Überlegungen die eine Menge Leute haben. Dieses Feedback kriegen wir auch immer wieder, dass es gutgeheißen wird wenn wir Gesellschaftskritik üben.

subtext.at: Reicht es, der Welt die Meinung zu geigen oder tragt ihr sonst noch zur Verbesserung der Gesellschaft bei?

HP Falkner: Alleine durch unsere Anwesenheit…

Markus Binder: Durchs Musikspielen. Musik spielen löst Euphorie aus…

HP Falkner: „Die Lust“ – sag ich doch!

Markus Binder: Wir sind zwar nur eine Band von unzähligen, die rumfahren und Musik machen. Aber wir sind auch Teil der Leute die mit Musik schon einen Beitrag bringen. Die Haltung zur Gesellschaftskritik drückt sich nicht nur im Text aus, sondern auch im Sound. Wie du spielst, wie alles klingt. Ich glaube das wir da durchaus unsere Haltung mitteilen und die auch ankommt und einen gewissen Einfluss hat. Über die Auswirkungen dieses Einflusses zu spekulieren bringt nicht viel glaub ich. Das kann man nicht messen oder sagen nur weil die Attwenger da oder dort gespielt haben ist jetzt ein Atomkrieg verhindert worden. So einfach rennt’s dann auch wieder nicht. Im Gegenteil… (alle lachen)
HP Falkner: Auch wenn wir jetzt sagen: „Alles abschalten, schalltet alles ab!“, tun sie’s ja auch nicht…
Markus Binder: Selbst wenn wir abschalten, unsere Instrumente oder so, schalten die ja auch nicht ab.
HP Falkner: Der einzige Unterschied ist, wenn wir abschalten, kommt dann nichts mehr… Das ist in den Atomkraftwerken nicht so! Die strahlen weiter…
Markus Binder: Das tun wir auch! Auch wenn wir nicht spielen haben wir eine gewisse Ausstrahlung… Eine enorme… (lächelt)

subtext.at: Welche Schlüsse zieht ihr aus der Jahrhundertkatastrophe und Fukushima?

Markus Binder: Abschalten eben! Das ist das selbe wie mit den Autos die noch mit Benzin fahren obwohl es schon längst Technologie gibt, dass man mit Wasser fährt oder so… Das selbe ist es bei der Stromerzeugung. Das es so viele Atomkraftwerke gibt hat auch damit zu tun, dass solche Technologien forciert werden. Auch von politischer Seite. Das ist ja jezt auch wieder ein Punkt wo sie darüber nachdenken… In zwei Monaten warscheinlich wieder nicht. Ich denke es muss jetzt der Schluss daraus gezogen werden das eben Technologien forciert werden, die nicht so gefährlich sind. Die gibt es ja auch: Windkraft, Photovoltaik… Ich kenn mich zwar auch nicht so aus, aber ich würd‘ mir ein Windradl cheken.

HP Falkner: Die Atomdiskussion hat durch diese Kriese jetzt wieder einen kleinen Namen. Vor zwanzig Jahren war dieser Name eben Tschernobyl. Aber die Namen sind austauschbar. Völlig wurscht… Das Problem ist eh dauern da und es wird auch immer da sein. Und das ist ja in sich ein Riesenproblem, das jetzt nicht Japan oder Europa zu bewältigen hat. Die ganze Welt müsste sich da zusammensitzen, weil selbst wenn Europa abgeschaltet hat und Amerika zreißt‘s fünf sind wir auch im Arsch. Also: Weltweite Abschaltung!

Plötzlich betreten Philipp Kroll alias Flip und Harald Renner alias Huckey von Texta den Raum und beteiligen sich rege an der Atomdiskussion:

Und Österreich, hab‘ ich heute auch irgendwo gehört: „Wir sind super, weil wir haben keines…“ – So ein Blödsinn! Was bringt uns eine Vorreiterrolle wenns rundherum überall schmelzt… Es ist eben eine Weltweite angelegenheit. Sie sollen Weltweit abschalten, nicht nur in Europa!

Huckey: Außerdem haben wir ja eh ein Atomkraftwerk in Österreich… Irgendso ein „Minireaktor“ by the way…

Flip: Und der Granit im Mühlviertel strahlt ja viel mehr als ein Atomkraftwerk… (alle lachen)

HP Falkner: Und das Waldviertel ist ja auch komplett verseucht mit Nuklearenergie! Hinter jedem Moos ist ein Reaktor… Fragt mal die Leute dort! Die sind schräg…

Markus Binder: Lauter Mutanten! Kennst du auch welche? – Waldviertler Mutanten…

subtext.at: Die Lage der Weltwirtschaft scheint sich zuzuspitzen, wird es eurer Meinung nach einen Crash geben?

HP Falkner: Jap, absolut!

Markus Binder: Schaut so aus! Der nächste Crash wird warscheinlich ungemütlicher wie der letzte. Aber vermutlich läuft alles wieder so weiter… Die Blase füllt sich wieder und wird irgendwann zerplatzen und ich versteh nicht wer da so viel Interesse daran hat, dass das so ist. Diverse Spekulationsgeschäfte werden nicht besteuert und der Staat muss dann die gecrashten Banken zahlen damit nicht alles den Bach runter geht. Da hat warscheinlich die Wirtschaft zu viel Macht, als das die Politik da eingreifen könnte. Sonst hätte sich bereits nach dem letzten Crash einiges geändert. Hat es aber nicht – versteh ich auch nicht… Naja, versteh ich schon… Die Wirtschaft schafft an, so wie’s ausschaut…

HP Falkner: Ich werd‘ Lobbyist bei Texta und sahn‘ da mal g’scheit ab!

Markus Binder: Das sind eh schon so viele und du mischt dich auch noch rein, lass sie in Ruhe!

HP Falkner: Ich möcht‘ aber irgendwo Lobbyist werden… Und die Texta kenn ich schon…

Markus Binder: Ich glaub bei der ÖVP ist es leichter wie bei Texta. Die haben mehr Raum für solche Leute…

subtext.at Welche Ziele hat Attwenger in den nächsten Jahren?
HP Falkner: Die „Lust“ beizubehalten.
Markus Binder: Jetzt sind wir gerade mal froh, dass wir die Platte fertig haben. Jetzt haben wir mal keine konkreten Ziele, außer dass wir wiedermal eine Platte machen.
HP Falkner: Wir wollten zum Beispiel immer gerne nach Japan auf Tournee gehen. Aber das hat sich ja jetzt wahrscheinlich erledigt…
Markus Binder: Wegfahren und die Welt bereisen ist eigentlich ein Dauerziel. Also wenn jetzt jemand kommt und eine ausgedehnte Asien Tour vorschlägt sind wir sicher dabei… Keine Klappen vor den Augen aber Staberl in den Händen…

subtext.at Eure Botschaft an die Jugend?
Markus Binder: Meinem Kleinsten der gerade gehen lernt würde ich die Botschaft geben: „Geh‘! Alles Gute beim Gehen. Der andere ist dreizehn und hat sich beim Skateboarden die Hand gebrochen; kriegt die Botschaft: „Pass auf!“ und zur dreiundzwanzigjährigen Tochter würd‘ ich sagen: „Nur weiter so…“ Aber eine allgemeine Botschaft, ich weiß nicht… „Reißts alles nieder?“ bringt auch nix warscheinlich…
HP Falkner: Bleibts jung!

Fotos: Andreas Kepplinger

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Prototyp Gottes; nicht zur Massenproduktion vorgesehen... I'm just an ordinary guy, burning down the house...

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