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Bilderbuch: „Zumindest im Sommer drehen“

Bilderbuch: „Zumindest im Sommer drehen“

Die junge und nun langsam erwachsen werdende Band mit kremstaler Wurzeln weckt derzeit großes Interesse. Für ihr gerade erschienenes Album haben sie wieder einige Strapazen auf sich genommen – und trotzdem Spaß dabei gehabt. Mehr dazu im Interview.

subtext.at: Könnt ihr euch gegenseitig in 2-3 Sätzen vorstellen?
Maurice: Der Michi trinkt gern Bier, ist oft ein bisschen schwergängig, aber der Schein trügt. (Michi starrt ihn verwundert an) Er ist aber ganz ein feiner Kerl und wenn man in der Klemme sitzt, dann kann man auf ihn zählen. Wenn man ihm ungefähr zehnmal sagt, was er machen soll (beide lachen).
Michi: Da fällt es mir jetzt schwer, was Gleichwertiges zu entgegnen. Der Maurice ist auch ein sehr feiner Stenz, isst gern Bauch in der Semmel…
Fö, willst du noch was sagen?
: Maurice ist immer einer der Hübschesten…
Maurice: Das ist doch voll fad!
: Ich glaub du bist voll fad!
Maurice (lacht): Das kann ja was werden, wir streiten jetzt schon.

subtext.at: Ein paar Worte zum neuen Album, „Die Pest im Piemont“?
Maurice: Okay, das ist vielleicht ein bisschen einfacher. Für uns hat sich extrem viel getan, wir haben das letzte Jahr extrem viel gearbeitet. Wir haben uns weiterentwickelt und sehen die Musik jetzt auch anders. Für mich ist Musik jetzt nicht mehr nur das Unterhaltungsmedium, nicht nur Freude. Ich habe jetzt auch die Kehrseite kennengelernt: Der Schmerz, die blutigen Tränen, die vergossen werden und so weiter – das haben wir bei dem neuen Album erlebt.

subtext.at: Wie war der Kurztrip nach Italien?
Maurice: Schön. Durch das Album hat sich die Idee mit dem Italien-Thema entwickelt. Im Hintergrund schwingt da ein bisschen unsere Jugend mit, Italien ist ja der Klisscheeurlaubsort der Österreicher. Nachdem uns der Urlaub während der Aufnahmen für das Album versagt geblieben ist, mussten wir das irgendwie nachholen. Dann war es auch sehr naheliegend, den Fotoshoot in Italien zu machen. Endlich war wieder eine Geschichte hinter einem Foto.

subtext.at: Zu eurem neuen Video: Wie kommt ihr von karibischen Träumen auf eine verschneite Winterlandschaft?
Michi: Aus einer Not heraus…
Maurice: Genau. Wir haben im Dezember gedreht, und wir haben es uns nicht geleistet, in die Karibik zu fliegen. Italien wäre sich vielleicht gerade noch ausgegangen. Wir haben dann einfach die Ressourcen genutzt, die wir gehabt haben. Der Granatapfel ist ja eine exotische Frucht, und so haben wir ein bisschen den karibischen Traum im Kontrast stehen.

subtext.at: In eurem Blog schreibt ihr, dass der Dreh ziemlich hart war.
Maurice: Ja, das war schon hart. Ich bin dabei sogar krank geworden und dann Silvester im Bett gelegen.

subtext.at: Würdet ihr das trotzdem wieder machen?
Michi: Wir haben uns vorgenommen, ab jetzt bei Fotoshootings und Videodrehs nur mehr wirklich karibische Sachen anzugehen.
Maurice: Zumindest im Sommer drehen. Weil bis jetzt war jedes Video ein bisschen extrem. Das erste haben wir in Berlin gedreht, nach einer ewig langen Hinfahrt und ohne Schlaf. Das zweite war in der Ausführung extrem: In der Krems jemanden ertränken ist auch nicht so angenehm, und auch kalt. Und das jetzt im Schnee war die schlimmste Erfahrung. Wobei die Hunde das netteste waren, was ich je erlebt habe. Und mit Hundeschlitten fahren ist der Wahnsinn. Also auf jeden Fall wieder, darum machen wir das doch.
Michi: Du darfst mir nur nicht vorher sagen, dass wir in die Kälte fahren. Du gibtst mir ein Flugticket, und am Ende sind wir dann doch wieder in Vorderstoder.

subtext.at: Wie entstehen eigentlich eure Texte? Die sind ja doch sehr eigenartig…
Maurice: Wir hören alle selber nicht viel deutschsprachige Musik. Wir haben da keine Vorbilder, auch wenn wir Bands wie Kreisky und Ja, Panik natürlich bewundern. Ich versuche auch bewusst, das nicht zu hören, um mir eine gewisse Naivität zu behalten und die Dinge so anzugehen, wie ich das für richtig halte.

subtext.at: In letzter Zeit habt ihr einen großen Bekanntheitsschub erlebt. Was waren denn die Anfänge eurer Band?
: Wir haben vor fünf oder sechs Jahren, oder eigentlich schon vor acht Jahren, immer in der Schule mit Instrumenten herumprobiert. Da war schon klar, dass wir einfach miteinander spielen müssen. Wir haben eine Schülerband gegründet, deren Besetzung öfter gewechselt hat. Und irgendwann ist der Maurice dazugekommen, der aber nur mitmachen wolle, wenn wir Kindergeschichten vertonen. Das haben wir dann auch gemacht. (Maurice lacht) Ab da ist es dann steil bergauf gegangen…

subtext.at: Wo spielt ihr lieber, Festivals oder kleinere Locations?
Maurice: Naja, Festivals sind schon lässig. Wobei Clubgigs, wenn die Location stimmt, auch super sind.
: Es gibt Vorteile und Nachteile. Sagen wir, wir spielen überall am liebsten.
Maurice: Und überall nicht gerne. Aber das merken wir dann erst, wenn wir dort sind – oder dort waren.

subtext.at: Und was war euer beschissenstes Konzert bis jetzt?
Maurice: Einmal haben wir wo gespielt, wo wir sehr spät gekommen sind. Dann haben wir keinen Soundcheck mehr gehabt, und dann ist noch der Fö in den Madsen-Tourbus gekracht. Da waren die Nerven blank und der Gig ziemlich scheiße.
: Das war ein bisschen blöd. Wir sind zirka 20 Minuten vor dem Auftritt hingekommen, und ich war als Führerscheinneuling noch nicht so sicher mit dem rückwärts Einparken.
Maurice: Dann haben wir einen Gig in Wien erlebt, wo das komplette Schlagzeug auseinandergefallen ist, und der Fö war unheimlich böse. Logisch, wenn sich ein Instrument auflöst in seine Bestandteile…
Es gibt schon viele negative Dinge, aber das ist doch genau das, was man immer wieder gerne erzählt.
: Und wir lernen auch davon. Seitdem bin ich nie wieder in einen Bus hineingefahren. (lacht)

subtext.at: Außer Musik, was macht ihr sonst noch? Hauptberuflich, sozusagen.
: Wir studieren alle. Hauptberuflich.
Maurice: Sofern man das als Beruf bezeichnen kann. Beruf ist Musik ein bisschen mehr, und das was man macht, um es zu machen, um des Machens Willen…

subtext.at: Beruf und Berufung?
Maurice: Das trifft es gut. Berufung Musik, und Beruf: das, was wir studieren.
: Aber wir holen uns auch immer wieder Inspiration von dort.
Maurice: Es ist ganz gut, wenn man nebenbei noch etwas anderes macht, um nicht betriebsblind zu werden.
: So eine Art Ausgleich.
Maurice: Auch wenn es einen ärgert. In der Schule kann einen ein Lehrer unglaublich inspirieren, indem er einen aufregt.
: Die Musik ist eine Art Ventil für so etwas. Das soll sie auch unbedingt bleiben.

Gewinnspiel: subtext.at verlost eine signierte Ausgabe von „Die Pest im Piemont“ – einfach hier unter dem Artikel posten, warum gerade du das Album haben musst. Das Gewinnspiel läuft bis 10.4., 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Gewinner werden per e-mail benachrichtigt und auf subtext.at veröffentlicht!

Fotos: earlyphotography.at

Fotos von der Album-Releaseparty im AEC findet ihr hier.
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