Crossing Europe Kritik: „Das schlechte Feld“

Crossing Europe Kritik: „Das schlechte Feld“

64 Minuten Ewigkeit – Ein Film von Bernhard Sallmann
Wie kann man sich die Sezierung eines Ortes im Kino vorstellen: Viele Standbilder, etwas Schleichwerbung, Friedhöfe und Autobahnen in Wort und Bild. Was sich für die Ansfeldner als lärmbedingt politischer Glücksfall herausgestellt hat, könnte für den ein oder anderen Zuschauer zu einer energiebedingten Herausforderung werden.

Die Standbilder, die  typografisch mit den Worten des Erzählers untermalt werden, sind visuell doch teilweise schön ausgewählt und amüsant, leider durch die seltenen Schnitte und die immer wieder kehrenden Motive ging deren Potential unter.  Im Gespräch mit dem Regisseur wurde jedoch klar, dass die Bilder meist eine subtile Botschaft beinhalten, die dennoch für Personen ohne entsprechendem Vorwissen schwer bis gar nicht zu entschlüsseln sind. Die Geschichte, die der Regisseur selbst erzählt, beginnt mit einem Diktat, aus seinen letzten Jahren der Ansfeldener Grundschule, und leitet damit auch in das Hauptthema, die Geschichte des schlechten Feldes, über.

Anekdoten einzelner Zeitzeugen werden zitiert und nach und nach wird dem Zuschauer die dunkle Vergangenheit des doch jetzt blühenden Feldes, bewusst. Leichtfüßig schwingt er dabei von Person zu Person, was verwirren kann, aber auch einen gewissen Erzählstil prägt. Die Geschichten sind persönlich, wahren aber genug Distanz und zeigen neue grausame Fassetten des zweiten Weltkriegs auf. Typografisch recht interessant wurde mit dem englischen Untertitel gearbeitet, der nun nicht nur am unteren Bildschirmrand klebt, sondern in Größe und Position das Gesamtbild mitgestaltet. Schließlich kann man sagen, dass Bernhard Sallmann in seinem ersten Film in und über sein Heimatland eine sehr spezielle Art der Erzählung anwendet, die vermutlich bei vielen Betrachtern auf Unverständnis stößt und vielleicht erst nach mehrfachen Betrachten des Films sein gesamtes Potential offenbart.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:


 

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geschrieben von

Filmstudent an der Zürcher Hochschule der Künste.

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