Now Reading:

Anajo: „Wir wünschen uns nicht, als arrogante Wichser wie The Scorpions zu enden“

Anajo: „Wir wünschen uns nicht, als arrogante Wichser wie The Scorpions zu enden“

Vor ihrem Auftritt im Posthof störten wir Anajo gekonnt beim Essen um herauszufinden, warum man das Rauchen in Hotellobbys lieber lassen soll, die Linzertorte nicht aus Linz ist und sie ein Leben als 60-jährige Musiker mit nacktem Oberkörper auf der Bühne eher nicht anstreben.

subtext.at: Zu Beginn würde ich euch bitten, euch vorzustellen!
Oliver: Ich bin der Oliver und meine Aufgabe ist es zu singen und Gitarre zu spielen.
Ingolf: Ich bin der Ingolf am Schlagzeug und in Abwesenheit der Michael am Bass und Albrecht an den Keyboards.

subtext.at: Das ist mittlerweile euer drittes Album. Was hat sich in Zeit seit dem ersten Album für euch verändert?
Oliver: Ja ganz viel. Beim ersten Album sind wir ein bisschen hinein gestolpert. Wir sind kurz vorm Album erst zum Plattenvertrag gekommen und uns war gar nicht so bewusst was da jetzt alles auf uns zukommt und was das alles bedeutet. Inzwischen sind wir ja alte Hasen und wissen, wie der Laden hier läuft. Was musikalische Reife anbelangt sind wir auch etwas vorangekommen. Wir haben das aktuelle Album ganz anders aufgenommen als das erste und auf elektronische Hilfsmittel fast komplett verzichtet und alles live eingespielt. Sieben Jahre sind ja auch eine lange Zeit, da muss ja auch einiges passieren – wäre schlimm wenn es nicht so wäre.
Ingolf: Zu dem live: Weil wir alles live eingespielt haben, auch Sounds die von Keyboards oder Orgeln kommen, haben wir auch unseren vierten Mann. Weil live heißt, es muss einer mitspielen und das war eben Albrecht den wir so dazugewonnen haben.

subtext.at: Doch euer erstes Album war am Synthesizer-lastigeren, was von Album zu Album weniger wurde. Wie kommt es dann, dass ihr eben beim neuen Album das erste Mal einen Keyboarder mit auf Tour habt?
Oliver: Ein Widerspruch – aber nur auf den ersten Blick. Ganz wollen wir auf Klänge abseits von Bass, Schlagzeug und Gitarre nicht verzichten, weil es den Sound schon bereichert. Man kann auch als drei-Mann-Band nicht so viel machen. Wir sind schon eine Band, ber der die Songs auch von Melodien leben und da macht das Keyboard sehr viel. Was früher der Sampler gemacht hat, den wir vorher im Studio programmiert und auf der Bühne dann eingespielt haben, macht jetzt Albrecht. Wir wollten uns nicht mehr in diesem Samplerkorsett bewegen, sondern auch improvisieren können. Das hat sich auch im Studio so ein bisschen ergeben, weil unser Produzent, Johann Scherer, vorgeschlagen hat, dass wir den Albrecht noch dazu nehmen, weil er gut zu uns passen würde und auch super Klavier spielt. Nach dem zweiten Tag war uns klar: Das ist total geil! Er bereichert uns nicht nur musikalisch sondern auch menschlich und haben dann auch relativ bald beschlossen, dass wir ihn auch auf Tour mitnehmen.

subtext.at: In einem anderen Interview habt ihr jedoch erwähnt, dass er trozdem kein viertes Bandmitglied ist. Kommt das für euch nicht in Frage, dass er mal in die Band einfließt?
Oliver: Nein das haben wir von beiden Seiten einfach noch ein bisschen offen gelassen. Das wollte Albrecht selbst auch nicht und findet das gut so wie es im Moment ist. De jure ist er kein viertes Bandmitglied, aber de facto ja und so machen wir es jetzt erst einmal und was da in Zukunft passiert werden wir sehen.
Ingolf: Albrecht hat auch im Studio als die Songs noch ihren letzten Schliff bekamen sehr viel beigetragen. Vielleicht kann da in Zukunft noch etwas für neue Songs kommen. Würde mich durchaus freuen.

subtext.at: Wenn wir schon bei eurer Tour sind: Was war das witzigste Erlebnis bis jetzt auf dieser Tour?
Oliver:
Oh Gott! Da waren schon einige Sachen, manche darf man gar nicht erwähnen, aber wir sind ja gerade in Österreich. In Berlin wäre ich fast aus dem Hotel geflogen, weil ich in der Lobby eine geraucht habe. Das war dann eine zweistündige Action mit dem Hotelmenschen und der Polizei. Schlussendlich durfte ich dann doch bleiben, es war aber alles sehr unangenehm.
Ingolf: Dabei ist das ein komplettes Künstler und Musikerhotel und da ist dann komplettes, sehr strenges Rauchverbot. Das war schon seltsam. Ich dachte, dass das so allgemein bekannt ist, dass Künstler gerne rauchen.
Oliver: Bei uns ist das ungefähr 50:50 würde ich sagen.

subtext.at: Heute seid ihr in Linz. Was verbindet ihr persönlich mit Linz?
Oliver:
Ja Linz: Erlebnisstadt, das kündigt ja das Schild auf der Autobahn schon an. Wir haben ja schon öfter hier gespielt – zum ersten Mal 2004 und haben hier echt schon einige lustige Sachen erlebt. Einmal als Support von Sportfreunde Stiller, dann haben wir mal gemeinsam auf einem Festival als Support von „The Incredible Staggers“ gespielt. Und ja, super Stadt erstens und auch super Location. Das wünscht man sich als Band – sowas wie den Posthof. Du kommst rein bei der Tür und kannst gleich ausladen, weil die Bühne direkt vor dir ist, eine Tür weiter ist der Biergarten – da isst du und einmal kurz nach oben sind gleich die Übernachtungsräume. – Also sehr komfortabel hier.

subtext.at: Laut eurem Tourblog fragt ihr euch ja, ob die Linzertorte aus Linz ist. Mittlerweile dahintergekommen?
Ingolf: Ja hier gibt’s ja bloß Apfelstrudel…
Oliver: Nein, kannst du das beantworten?

subtext.at: Das hat in Wahrheit ein Wiener erfunden, der den Nachnamen „Linzer“ trug.
Oliver: Aah, das ist genauso wie mit dem Raucherinnenbein, das ja auch nichts mit Rauchern zu tun hat, sondern ein Dr. Raucher entdeckt hat. Da gibt es ewig viele Beispiele wo man meinen könnte „Ist ja völlig klar!“ aber dann ist es doch komplett anders.

subtext.at: Und was sind sonst so eure Lieblingsbeschäftigungen auf Tour – außer über Torten zu philosophieren?
Oliver: Auf Tour kommt man nicht zu all zu viel Sachen – vorhin wollten wir ja aufs Donauufer gehen, aber dann sind wir draufgekommen, dass der Weg viel zu weit ist und wir es so nicht mehr zum essen schaffen – dann mussten wir auf halben Wege wieder umkehren. Das essen ist dann doch wichtiger.
Ansonsten kann man auf Tour wie gesagt nicht viel machen – da ist es mir auch wichtig manchmal gar nichts zu machen. In Tourbus aus den Fenster schauen, ankommen und dann los.
Ingolf: Also wenn das Wetter schon ist wie jetzt schaun wir uns auch wirklich gerne Städte an. In Wien ist es ganz komfortabel wenn du am Westbahnhof aussteigst und gleich überall hin kannst und viel anschauen. Das werde ich auch morgen auf jedem Fall auch in Linz machen.
Oliver: Wir sind ständig in der Gegend und kennen sie mittlerweile ein wenig und finden sie sehr schön.

subtext.at: Zur letzten Frage: Was wünscht ihr euch absolut nicht für eure Zukunft?
Oliver:
Das ist eine gute Frage! Wir wünschen uns nicht, dass wir so enden wie „The Scorpions“ – arrogante Wichser die meinen, da sie die ganze Welt schon bereist haben, sie könnten noch immer so herum tun.
Ingolf: Nackte Oberkörper auf der Bühne über 60 … wieso nicht?

subtext.at: Also wünscht ihr euch am Boden zu bleiben?
Oliver: Ich glaube nicht, dass wir abheben. Dafür sind wir viel zu geerdet. Wir wünschen uns nicht stehen zu bleiben, sondern doch immer weiter zu kommen und neue Sachen zu probieren.
Ingolf: Da kann man sich auch heute Abend überzeugen! Wer das letzte mal in Linz dabei war – was schon ein Zeitchen aus ist – der wird den Unterschied schon bemerken.

Links und Webtipps:

Interviewfotos von Wanja Tobias Lechner, Livefoto von Benedikt Reiter

Share This Articles
Written by

Benedikt ist verantwortlich für die Organisation der junQ.at-Veranstaltungsreihe qlash.at und hält auch subtext.at technisch in Schuss. Er studiert derzeit an der Kunstuniversität Linz und gibt alles für ein paar Takte gute Musik.

Kommentare werden geladen...
Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen