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The Screening: „Was die Leute reininterpretieren, ist deren Sache“

The Screening: „Was die Leute reininterpretieren, ist deren Sache“

Leicester hat mehr als nur Kasabian zu bieten. Eine dieser Bands ist „The Screening“, mit der subtext.at über Sex, dunkle Musik sowie Ernsthaftigkeit gesprochen hat.

subtext.at: „The Screening are like The Lost Boys, but from Leicester. Vampire music.“ Könnt ihr mir verraten, was „Vampire Music“ eigentlich ist?
Tom Nurse: Das ist natürlich nicht auf unserem Mist gewachsen, das ist offensichtlich die  Wahrnehmung einer anderen Person. Damit ist wahrscheinlich ein gewisser Grad an „Dunkelheit“ gemeint, das aber doch noch ein bisschen „Mainstreamy“ sound. Auch in den Lyrics ist dieser  Bestandteil drinnen.
James Dunn: Das hat doch der Typ von Kasabian mal gesagt, oder? Das hab ich ehrlich gesagt auch nie ganz verstanden.

subtext.at: Würdet ihr dieser Beschreibung dann zustimmen?
Tom Nurse: Naja, wenn du einen Song schreibst, haben die Leute dann Wahrnehmungen dazu. Was die Leute da dann rein interpretieren, ist deren Sache, und für mich ok dann.

subtext.at: „But from Leicester“. Wie darf man das verstehen? Hebt euch das von anderen Bands ab, nur weil ihr aus Leicester seid?
Tom Nurse: Nun, Leicester hat da nicht die Tradtition, dass da ein relativ großer Underground mit viel Potenzial vorhanden ist.


subtext.at: Wie dürfen uns wir Österreicher die Situation in Leicester dann ausmalen? Ist das dann eine Szene mit ein paar Bands drinnen, oder steckt mehr dahinter?
Tom Lewitt: Naja, wenn du von Kasabian ausgehst, dann ist das natürlich ein Ausreißer nach oben. Dahinter gibt’s aber auch einen ganzen Haufen Bands und auch eine große Szene. Wir haben auch schon große Konzerte in Leicester gespielt. Das Potenzial für eine Szene a la London oder Manchester wär also auf jeden Fall da.

subtext.at: Wie schwer war es dann für euch, aus Leicester rauszukommen?
Owen Ross: Wir haben uns einfach ins Auto gesetzt und sind losgefahren (lacht).
Tom Nurse: Wir haben da natülich Booking-Agentur und Label im Rücken. Die regeln das dann, und wir fahren dann halt hin, wo sie uns haben wollen. Die geben uns dann einen Zettel, wo wir hinfahren sollen, und das tun wir dann (lacht).

subtext.at: „You look much better in the dark“ – eure Single-Auskopplung. Dazu habe ich das Zitat „A tale of youthful stupidity“ – eine Geschichte jugendlicher Dummheit – gefunden. Welche Dummheit?
Tom Lewitt: Sex. One Night Stands. Diese Sachen.
Tom Nurse: So nach dem Motto: Ins Bett mit „Wow, ein Supermodel“, und dann am nächsten Tag aufwachen mit „Uhhhh – was war das!“. Ein bisschen sexistisch also – aber in einer ironischen Art und Weise.

subtext.at: War das auch der ursprüngliche Ansatz, oder etwas, was ihr als Popband „gebraucht“ habt?
Tom Nurse: Nein. Das ist so quasi alltägliches Leben.
Tom Lewitt: Es gibt die „dunklen“ Songs mit tiefgründigen Texten, und dann eben solche Sachen, die nicht ganz ernst gemeint sind und Spaß machen.

subtext.at: Ist das dann nicht widersprüchlich zu der am Beginn angesprochenen „Vampire Music“?
Tom Nurse: Vielleicht. Aber die Leute können sich damit identifizieren – Ausgehen und Sachen tun, die man vielleicht nicht machen sollte und mit den Konsequenzen leben.

subtext.at: Ein Zitat aus einem Interview mit Trouble over Tokyo: „Pop ist oft seicht, publikumsorientiert und manchmal nicht durchdacht.“ Würdet ihr dem zustimmen?
Tom Nurse: Mit dem „nicht durchdacht“ stimme ich nicht überein. In der Band schreibst du ja die Songs nicht für dich selbst, sondern für die Leute, die dir zuhören. Das finde ich nicht seicht.

subtext.at: Euer beschissenster Gig bislang?
Tom Nurse: Uh.
Tom Lewitt: Da waren schon einige (lacht). In Amerika haben wir eine Show gespielt, in Los Angeles, in einem Venue namens „Vertigo’s“. Die Drums waren so schlecht abgemischt, dass die Snare-Drum ein Feedback produziert hat. Das war unerträglich.
James Dunn: Die Support-Band war so schlecht, dass die den ganzen Saal mit 800 Leuten ausgeräumt hat. Die habens verkackt.
Tom Lewitt: Das Venue hat eigentlich ganz vielversprechend ausgesehen.
Owen Ross: Ich wollte eigentlich nicht bleiben, wenn ich die Wahl gehabt hätte. Das war schlimm.

subtext.at: Eine aufgelegte Frage: Was bringt euch nach Österreich?
Tom Nurse: Wir sind auf einer Tour durch Deutschland und da war noch ein Spot frei. Da haben wir dann einfach zugesagt. Macht aber Spaß hier, muss ich sagen.
Tom Lewitt: Das ist eine kleine Tour, bevors in den Sommer geht.
Tom Nurse: Das ist auch der Grund, warum wir hier sind. Vielleicht ergibt sich später ja mal was größeres.

subtext.at:  Auf einer Tour – wie schafft ihr es, euch nicht gegenseitig auf den Wecker zu gehen?
Tom Lewitt: Wir kommen schon ganz gut aus, keine Sorge. Noch macht es Spaß. Wir wissen nicht, was aber nach ein paar Bier passiert (lacht).

subtext.at: Ein Song, den ihr nicht mehr hören könnt?
Tom Lewitt: Lady in Red. Chris de Burgh.

subtext.at: Warum?
Tom Lewitt: Muss ich das wirklich noch sagen (lacht). Das Gesamtpaket. Er, der Song, einfach alles.
Tom Nurse: Diese Art der Popmusik sollte verboten werden (lacht).
Tom Lewitt: Schmerzhaft.
James Dunn: Ich hasse es zu sagen – aber „Yellow Submarine“. Das Album ist fantastisch, aber den Song halte ich nicht aus.

Links und Webtipps:

subtext.at verlost eine Benefiz-CD von „The Screening“ für die Harley Staples Foundation, eine Initiative, die sich für die Forschung in der Kinderkrebstherapie einsetzt. Kommentiert hier unter dem Artikel, warum gerade das auch in der Musik eine Rolle spielen sollte.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, der Gewinner wird per E-mail verständigt. Das Gewinnspiel läuft bis kommenden Mittwoch, 1.6., 18 Uhr.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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