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DREDG: Selbstfindung auf Umwegen

DREDG: Selbstfindung auf Umwegen

Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Ein Satz, den sich die amerikanische Band Dredg diesmal mehr denn je zu Herzen genommen hat – ganz nach ihren eigenen Vorschriften. Aber ist es eine Überraschung, wenn man nicht überrascht, sondern einen schier fassungslos macht? Hartnäckige Hooklines und ergreifende Momente müssen auf „Chuckles And Mr. Squeezy“ mit der Lupe gesucht werden.

Auch das ist neu: Dredg machen jetzt musikalisches Fast Food. Der Nähwert ihrer fünften Platte ist für viele eine streitbare Angelegenheit. Die Frage drängt sich auf, ob man sie nach „Chuckles And Mr. Squeezy“ noch so lieb haben wird wie damals, als „El Cielo“ uns verblüffte und „Catch Without Arms“ in unser Gemüt einschlug und nicht mehr gehen wollte? Wahrscheinlich nicht.

Es deutet alles darauf hin, als wäre es nicht einfach gewesen. Die Ansprüche sind gestiegen. Mehr die der Band als unsere. Den Fans machten sie es schon mit dem Vorgänger „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ keineswegs einfach. Man will sich nicht wiederholen, bekannte Muster noch einmal anwenden. Produzent Dan The Automator hat ihnen dabei geholfen, neue Ideen und Wege zu entwickeln. Herausgekommen ist eine Platte, die keinen komplett zufriedenstellen dürfte und weit unter den Erwartungen liegt.

Facettenreicher und bunter klangen Dredg noch nie. Der progressive Rock ist fast ganz verschwunden, jetzt dominieren elektronische Elemente und eine neue Pop-Offenheit. Ein mutiger Schritt, aber das Songwriting steckt diese Entscheidung nicht ganz so gut weg. Wenn Songs wie „Another Tribe“, „The Tent“, „Down Without A Fight“, „Sun Goes Down“ oder „Where I’ll End Up“ spannungsarm dahinfließen, hat am Ende keiner etwas davon. Wohlige Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist, verbreitet „Upon Returning“, ein wendungsreicher, von treibender Dramatik lebender Rocksong. Schlagzeuger Dino Campanella, bislang stets auffällig präsent im Sound, bekommt nur hier die Gelegenheit, sich richtig auszutoben. Auch „Somebody Is Laughing“ (im R’n’B-Korsett), das sehr gefühlvoll gesungene „The Ornament“ und die Single „The Tought Of Losing You“ sind ansprechende Kost – nicht unbedingt herausragend, aber beileibe nicht schlecht.

Es hilft aber alles nichts: Für eine Band wie Dredg ist ein Album wie „Chuckles And Mr. Squeezy“ ein vernichtendes Urteil. Mehr Variation im Detail wäre schon schon gewesen. Hoffentlich beim nächsten Versuch.

Facts:
Dredg – Chuckles And Mr. Squeezy
Gesamtspielzeit: ca. 42 Minuten
Ohlone Recordings (Universal Music)

Links & Webtips:
dredg.com
facebook.com/dredg
twitter.com/dredg

Foto:
Universal Music

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