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Esben and the Witch: „Wir sehen eher Freude als Dunkelheit in unserer Musik“

Esben and the Witch: „Wir sehen eher Freude als Dunkelheit in unserer Musik“

„Esben and The Witch“ kommen aus dem schönen britischen Studentenort Brighton und sind mit ihrem Debutalbum „Violet Cries“ durch Europa unterwegs. Ihr Programm führte sie unter anderem auf das heurige Seewiesenfest – subtext.at hat die Gelegenheit genutzt und sie zum Interview gebeten.

subtext.at: Wenn ihr einem gehörlosen Menschen erklären müsstet, was ihr auf der Bühne macht – wie würdet ihr das tun?
Thomas: Auf der Bühne? Da ist es ein Versuch, eine Reaktion der Leute, die das Konzert besuchen, zu bekommen. Wir versuchen, eine spannende Atmosphäre zu schaffen – sei es mit Licht, mit Rauch oder irgendwelchen Sachen auf der Bühne. Wir wollen, dass die Leute ein wenig aus der Welt, in der sie sich befinden, ausklinken können.
Rachel: Wie Thomas schon gesagt hat, versuchen wir, eine unheimliche Live-Stimmung mit einer verzerrten Gitarre zu schaffen. Diese Stimmung kann man dann auch fühlen.

subtext.at: Ihr kommt ja aus Brighton/UK. Das ist die Studentenhauptstadt in Großbritannien, und die einzige Stadt mit einem grünen Bürgermeister. Wie dürfen wir uns das dort vorstellen – ist das eine Stadt mit einer riesigen Clubszene, oder ist die Situation dort auch ein bisschen relaxter?
Thomas: Ich glaube, dass der Grund, weshalb es da so viele Studenten gibt, auch die interessante Szene in Brighton ist. Das ist manchmal schon fast überwältigend, weil so viel passiert. Wir sind natürlich stark mit dieser Szene verbunden und es gibt einen Haufen Erinnerungen daran. Natürlich gibt es dort auch Unmengen guter Bands.
Rachel: Das ist ein ganz kreativer Platz, finde ich. Es kommt dir fast so vor, als ob jeder irgendwie in den Prozess des Musik- oder des Filmemachens involviert wäre. Da nimmt man viel mit – und es gibt sicher schlechtere Plätze, wo man leben kann.

subtext.at: Was mit alle englischen Bands, die ich bislang interviewt habe, gesagt haben, ist, dass sie, sobald sie auf dem Kontinent sind, viel mehr Gastfreundlichkeit erfahren als zu Hause. Würdet ihr dem zustimmen?
Rachel: Ja, das stimmt zweifellos. Wenn man nach Europa kommt, ist das schon ganz was anderes.
Thomas: Wir haben ehrlich gesagt keine Ahnung, warum das so ist.
Rachel: Hier ist es wirklich so, dass einem mehr Respekt entgegengebracht wird. Darauf freuen wir uns immer ganz besonders.

subtext.at: In England muss man angeblich auch das Bier nach der Show selber bezahlen? Stimmt das?
Thomas: Kommt ganz auf die Show an  (lacht)
subtext.at: Eure bislang schlimmste Erfahrung on stage?
Thomas: Wir haben neulich einige Shows im Südwesten gespielt. Fast alle Shows da waren absolut gut. Wir hattens uns auch schon ausgemalt, wie die Shows ungefähr werden wollen, und die Festivals haben uns echt postitiv überrascht und das war besser als erwartet. Wir haben aber auch eine Show gespielt, wo wir zwischen Tiny Temper und Whiz Khalifa gespielt haben – und zu sagen, dass das Publikum desinteressiert war, wäre eine maßlose Untertreibung. Und gespielt haben wir auch so schlecht wie nie zuvor. Dadurch, dass es aber eh keine Sau interessiert hat, war es aber wahrscheinlich so besser, als wenn uns das woanders passiert wäre.

subtext.at: Ein Zitat über euch, wenn man euch online sucht, ist „Vampire Music“. Das kommt bei mehreren englischen Bands vor – könnt ihr mir erklären, was „Vampire Music“ ist?
Rachel: Den Ausdruck habe ich so noch nicht gehört, aber das wird wahrscheinlich auch einfach kategorisiert.
Thomas: Vielleicht, weil das Wort „Witch“ in unserem Namen vorkommt, wird man da in sowas hineingezogen. Das ist nichts, worauf wir dezidiert hinarbeiten, weil es sich ein wenig stereotypisch anhört, ein Wort wie „Vampire“ draufzudrücken. Das müssen wir nicht unbedingt haben.

subtext.at: Woher kommen eurer Meinung nach die gerade angesprochenen Stereotypen?
Thomas: Auf uns bezogen ist es wahrscheinlich so, dass die Leute relativ schnell die dunkleren Elemente in unserer Musik identifizieren. Der Schlüssel ist für uns aber, dass wir die Sachen nicht spielen, weil sie so „düster“ sind, sondern einfach, weil sie uns interessieren. Wir sehen eher Freude und Schönheit darin als Dunkelheit.
Rachel: Das ist Faszination, ja.
Thomas: Wir sehen auch nicht, dass „Vampire“ das reflektiert, was wir drei machen. Wir sind eher von Sachen inspiriert, die eine wunderliche Stimmung erzeugen. Wir formen dann den Sound darum herum. „Vampire“ empfinde ich zwar nicht als beleidigend, aber doch als unangebracht, und würde dem entschieden widersprechen.

subtext.at: In Österreich hat man oft das Gefühl, dass Bands, die aus dem Ausland kommen, einen gewissen Vorteil genießen. Habt auch ihr das Gefühl, dass eure Herkunft aus Großbritannien ein Vorteil ist?
Rachel: Das kann man so oder so sehen. Wir sehen es eher als Privileg an, als Band durch Europa touren zu können. Man kommt in Gegenden, die man sonst nie zu Gesicht bekommen würde. Wir versuchen also, so gut wie möglich zu spielen und nicht auf Erwartungen einzugehen.
Thomas: Wenn Leute auf die Show kommen, um dich spielen zu sehen, kommt es nicht darauf an, wo man herkommt. Wir geben dann unser Bestes und versuchen, das Publikum so gut es geht zu unterhalte.

subtext.at: Drinks on stage – Bier oder Wasser?
Thomas: Bier. Definitiv.
Rachel: (zögert) Äh. Wasser.

Links und Webtipps:

Fotos: Andreas Kepplinger

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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