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AMY WINEHOUSE: Ich gehe kaputt, gehst du mit? Ein Nachruf

AMY WINEHOUSE: Ich gehe kaputt, gehst du mit? Ein Nachruf

Es gibt nur eine Hand voll Künstler, die es schaffen, unsere Ängste, Sehnsüchte, Träume und Hoffnungen besser zu umschreiben, als man wahrscheinlich selbst dazu in der Lage wäre. In solchen Augenblicken entsteht pure Magie. Man wird zum Fan. Amy Winehouse hat sich nach und nach in die erste Liga gespielt – mit Leistung und einem Hang zum Skandalösen. Diese zierliche Frau mit der Turmfrisur und der großen Stimme, ihrem Markenzeichen.

„Back To Black“, ihr Erfolgsalbum, war und ist ein Weckruf für all die Zweifelnden und Einsamen, die mir der Liebe und dem Leben hadern. Die Songs wollten hinaus in die Welt, das Schlechte und Unbequeme ansprechen, sich und ihre Andersartigkeit feiern. Ein „Rehab“ gegen die Stimme der Vernunft. Das Format des Popsongs sprengte sie mit ihrer Wahrhaftigkeit. Kein Plastikpop, sondern das echte Leben. Amy Winehouse traute sich nah an ihre eigenen Abgründe zu gehen. Bei ihr konnte man sich sicher sein, dass hinter ihrem Leid, ihrem Ausdruck, keine Inszenierung steht. Soul und Funk der alten Schule verpasste sie mithilfe von Produzent Mark Ronson einen neuen Anstrich. Ihr Stil wurde von zahlreichen Nachahmern kopiert.

Sowohl der normale Charts-Konsument als auch die Fans und Kritiker konnten nicht anders, als in Amy den nächsten großen Star zu sehen. Eine junge Frau, die es mal wieder richtig krachen lässt. Die Presse sprang großzügig auf den Zug auf. Die Menge jubelte über die Frau, die auf der Bühne seltsam zu tanzen begann. Tanzen ist dabei zu viel gesagt, wohl eher ein unkoordiniertes Zucken des Körpers und eine bewegungsorientierte Untermalung ihrer Lieder. Dabei sang sie Texte, die von den täglichen Anstrengungen erzählen.

Amy Winehouse starb viel zu früh, ihr Nachlass wird indes schon verwaltet. Dass sie mit „Back To Black“ und „Frank“ (ihrem Debütalbum) erneut die Charts dominiert, ist kein Wunder. Auf diese Weise funktionieren die Mechanismen des Marktes – kaum ist man tot, verkaufen sich die Platten wie geschnittenes Brot. Die Experten des Marketing dürfen sich freuen, müssen sie doch gar nicht mehr viel tun, um den Verkauf anzukurbeln.

Immer wieder hat man gehofft, sie würde sich wieder fangen. Ihr Leben in den Griff bekommen. Ein neuen Album aufnehmen. Wieder auf Tour gehen.Alle Hoffnungen waren vergebens. Amy ist aus dem Leben geschieden. Was bleibt: Die Musik, die in guten wie in schlechten Zeiten ein großes Talent untermalte.

Links & Webtips:
amywinehouse.com
facebook.com/amywinehouse
Portraits von Hedi Slimane (hedislimane.com/diary/day.php?m=7&y=2011&d=24)

Foto:
Mapache Salado

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