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Carl Cox: „Ich kriege keine Bonusmeilen“

Carl Cox: „Ich kriege keine Bonusmeilen“

Carl Cox ist einer der angesagtesten DJs unserer Zeit und hat sich wider Erwarten im Rahmen der „Elektronikka“ auch im beschaulichen Linz ein Stelldichein gegeben. Im Interview wirkt der Brite dabei sehr sympathisch, wie ihr euch gerne selbst überzeugen könnt.

subtext.at: Wie würde Carl Cox sich in ein paar Worten selbst beschreiben?
Carl Cox: Glücklich, Positiv, sehr konzentriert, das Ganze mit einer Leidenschaft für Musik.

subtext.at: Glücklich, postiv und sehr konzentriert – und das Ganze, während du das ganze Jahr über quer durch die ganze Welt jettest. Wie schaffst du es, dazwischen auch mal runterzukommen?
Carl Cox: (lacht) Daneben hab ich auch noch eine Leidenschaft für Motorräder. Ich genieße es, einfach draufloszufahren, also nur ich selber mit dem Motorrad. Dann fahre ich zu Plätzen, an denen ich vorher schon war – um auch mal aus diesem ganzen Musikbusiness rauszukommen. Ich brauche auch mal das Gefühl, auch abseits davon zu „leben“.

subtext.at: Du hast gerade schon die Musik angeschnitten. Das 20. Jahrhundert wird oft als das bezeichnet, wo Musik sich am meisten verändert hat. Siehst du dich dabei als Pionier dieser Entwicklung?
Carl Cox: (lacht) Ich glaube nicht unbedingt. Ich bin immer schon an der äußersten Front der Musik gestanden – ob das jetzt House, Hip-Hop, Funk, Soul, Hardcore oder sonstwas war. Da war ich immer vorne. Ich könnte aber sicher nicht sagen, dass ich etwa der „Pionier des Detroit-Techno“ bin – ich lebe ja schließlich auch in England (lacht). Ich war also jemand, der die Zukunft der Musik immer unterstützt hat, wo auch immer die hingegangen ist. Momentan mag ich das Revival des Drum & Bass, allerdings hat sich der natürlich auch verändert. Der Sound von Dubstep zum Beispiel hat einen großen Impact auf die junge Bevölkerung, und obwohl ich da nicht so nahe dabei bin, versteh ich das dann und unterstütze das ideologisch.

subtext.at: Stichwort musikalische Veränderung – du warst früher ja eher im Hip-Hop zu Hause. Bereust du im Nachhinein gesehen etwas daran?
Carl Cox: (schmunzelt) Nein, nein, es freut mich, dass Hip-Hop ein Big Player geworden ist – gerade im Hinblick darauf, dass er auf den Straßen und im Underground entstanden ist. Heute ist er Teil urbaner Kultur geworden, ob wir das wollen oder nicht. Die Musik kann sich entwickeln. Mit House oder Techno ist es ja auch ähnlich – ich weiß auch nicht, ob Tiesto oder David Guetta der Plafond Techno sind, aber sie sind eine Entwicklung des elektronischen Sounds. Alles, was wir zur Zeit hören oder auch in den letzten 20 Jahren gehört haben, ist Teil dieser Entwicklung. Ich habe aber schon immer das gemacht, was ich zu der Zeit für richtig gehalten habe.

subtext.at: Dein schlechtestes Erlebnis als DJ?
Carl Cox: Ja, das ist wahrscheinlich keine gute Frage für mich. Da sind Leute gestorben – vor etwa 5 Jahren, in Venezuela war das. Da sind zwei Bewaffnete in den Club gerannt und haben um sich geschossen. Zwei Gäste sind gestorben und zwei weitere wurden auch getötet, die gar nichts damit zu tun hatten – und das alles auf der Tanzfläche vor mir.  Das war hart. Ich habe ja nie erwartet, dass jemand auf meiner Party stirbt – leider ist es aber so gekommen. Das beste war im Gegensatz dazu, vor 1,8 Millionen Leuten auf der Berliner Loveparade zu spielen – ich habe also beide Extreme erlebt.

subtext.at: Kann diese Loveparade dann überhaupt noch getoppt werden?
Carl Cox: Nein, das glaube ich nicht (lacht). Das wird auch nicht mehr passieren. Ich habe heuer in Zürich gespielt, da waren auch fast 200000 unterwegs. Berlin kann man aber damit nicht vergleichen – das war einfach noch größer.

subtext.at: Man sagt ja oft, dass man am Höhepunkt seiner Karriere aufhören sollte – warum hast du das nach Berlin nicht getan?
Carl Cox: (lacht) Das ist unmöglich, das liegt in meiner DNA. Es ist nicht möglich, die Musik aus Carl Cox zu entfernen (lacht). Wahrscheinlich wird’s mal so sein, dass ich umfalle – und das wars dann (lacht).

subtext.at: Ein Thema, das du im Pressegespräch vorhin erwähnt hast, ist die technologische Entwicklung. Wenn du an USB-Sticks heute und an alte Vinyls gestern zurückdenkst – was war dein Favorit an Medium?
Carl Cox: Wahrscheinlich der Moment, als ich aufgehört habe, Vinyl zu verwenden. Also der Zeitraum, wo der erste Pioneer CDJ-1000 auf den Markt gekommen ist. Das hat sich angefühlt wie ein „Alien-Device“. So nach dem Motto: „Da also geht die CD rein, und da muss man draufdrücken“ – und irgendwann kommt dann Musik raus (lacht). Das war „der“ Moment also. Natürlich hat sich das dann auch weiter und weiter entwickelt – und mittlerweile weiß ich so viel über CDs, dass ich mich wahrscheinlich schwer tun würde, auf Vinyl aufzulegen.

subtext.at: Zurück zum Start und deinen Reisen quer um die Welt – nicht ganz ernst gemeint: hast du schon mal daran gedacht, einen Exklusivdeal mit einer Airline abzuschließen? Oder fliegst du noch immer in der Economy Class?
Carl Cox: (lacht) Nein. (lacht) Economy Class bin ich wahrscheinlch seit 1997 nicht mehr geflogen. Aber einen Exklusivdeal will auch keiner abschließen. Meistens fliege ich dann also mit British Airways in Europa herum, oder mit Qantas auf andere Kontinente. Bonusmeilen kriege ich dabei aber auch keine (lacht).

subtext.at: Letzte Frage: was soll auf deinem Grabstein stehen?
Carl Cox: „At least I rocked the house!“ (lacht).

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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