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Manuel Normal: „Soziale Netze bieten den Bands heutzutage viel mehr Möglichkeiten“

Manuel Normal: „Soziale Netze bieten den Bands heutzutage viel mehr Möglichkeiten“

Schon zum zweiten mal stellte Manuel Normal sich unseren Fragen und erzählte uns über Peinlichkeiten mit Bekannten, Mikrofonständer, die Zähne ausschlagen, sein neues Album an dem er gerade arbeitet und was der FM4 Sondpark heutzutage falsch macht.

subtext.at: Was vermisst du seit 2007 auf FM4 am meisten?

Manuel Normal: Meine Nummern wenn sie sie gerade nicht spielen. Und der Soundpark gehört dringendst upgedatet. Sie haben den Social-Media-Zug total verpasst. Ich kenne die Zahlen nicht, aber ich glaube, dass er mittlerweile viel zu wenig genutzt wird, weil er nicht mehr genug bietet. Soziale Netze wie Facebook bieten den Bands heutzutage viel mehr Möglichkeiten. Diesbezüglich haben sie da ziemlich nachgelassen.

subtext.at: Also würdest du dir einen neuen Soundpark wünschen?

Manuel Normal: Ja, der gehört verlinkt mit Facebook etc., sonst ist er vom Aussterben bedroht. Früher bekam ich darüber sehr viele Giganfragen über das Kommentarfeld. Mittlerweile kommt auf diesem Wege so gut wie gar nichts mehr herein. Wahrscheinlich fehlt es ihnen einfach am Budget. Was es noch am aktuellen FM4 auszusetzen ist, ist die noch immer schlechte Quote an österreichischer Musik. FM4 ist hier zwar eh brav, ich würde mir jedoch noch mehr wünschen.

Manuel Normal im Interview

subtext.at: Würdest du dich für eine gesetzliche Mindestquote an österreichischer Musik aussprechen?

Manuel Normal: Das fände ich nur fair weil ich glaube nicht, dass Leute nur das hören, das international bekannt ist, sondern das was sie im Radio blind zu hören bekommen. Als zweites finde ich erschreckend, dass wir 98% der Tantieme ins Ausland fließen. Veranstalter und Radiostationen schicken ihr Geld brav ins Ausland, während österreichische Musik am sterben ist. Da beißt sich halt die Katze in den Schwanz.

subtext.at: Viele österreichische Musik wird im Ausland viel mehr geschätzt. Stichwort Parov Stelar.

Manuel Normal: Ja, FM4 blockiert ihn hier komplett. Die haben ihn noch nie gespielt. Im Ausland hat er einen Mördererfolg. Ich habe mal mit seinen Verantwortlichen geredet und da hat es mich fast auf den Scheißer gesitzt. Es haben sich sogar schon asiatische Labels bei ihm gemeldet, die seine Musik dort auf den Markt bringen möchten. Da sieht man schon wieder, dass es sehr schräg ist, dass ein Musiker internationalen Erfolg hatund hier kaum gespielt wird.

Manuel Normal im Interview

subtext.at: Wieder zurück zu dir: Du bezeichnest dich ja selbst als „Singer/Songschreiber“ siehst du dich so als Antithese zum Singer/Songwriter?

Manuel Normal: Nein gar nicht. Ich habe mit dem Soloprojekt jetzt schon ein wenig die Richtung eingeschlagen – Gitarre und Stimme – die ein „normaler“ Singer/Songwriter auch drauf hat. Also schreibe ich Songs mit Bridge, Chorus usw. und schau das ich diesen so gut wie möglich alleine präsentiere. So habe ich auch sehr viele ruhigere Sachen im Soloprogramm als mit Band, weil es mit Band eh nicht so funktioniert – da klingst du sofort wie Ambross und Fendrich. Aber Solo geht das ganz gut.

subtext.at: Du sagst ja, es ist oft gar nicht mehr so wichtig jeden Song oder jedes Lied zu verstehen. Disqualifizert man sich da nicht zu einem gewissen Grad selbst?

Manuel Normal: Nein. Es ist ja nicht für alle gemeint. Nicht alle Leute leben nur vom Text eines Liedes sonder einfach nur Mucke hören. Zum Beispiel unsere Kollegen von Attwenger, die halt einfach trozdem überall spielen können, weil sie einfach Sound machen. Es geht nicht nur um den Text sondern auch den Sound den man hat. Darum stimmt das schon zu einem gewissen Grad. Für mich persönlich auch. Ich muss nicht immer alles verstehen. Viele Sachen haben überhaupt keine Lyrics mehr. Aber das ist Künsterabhängig.

subtext.at: Ein Lied von dir heißt „Die Wöd steht nimma laung“. Wieso liegst du dann nicht schon längst auf einer einsamen Insel?

Manuel Normal: Das ist ironisch gemeint. Das ganze Album ist eine Ironie. Ich glaube natürlich nicht an den Weltuntergang wie der Maya-Kalender vorhersagt. Ich bin ein Optimist. Das ist nur der Albumtitel, weil viele Menschen so daherreden. Diesen Spruch bringen vor allem Ältere Menschen, obwohl es nicht so ist. Undso ist es auch in der Nummer gemeint.

subtext.at: Also nimmst du auch noch Bookings für 2013 an?

Manuel Normal: Nein. 2013 ist ja die Welt nicht mehr da. Nein im ernst: Gerne! Und wenn die Welt untergeht, geht’s wahrscheinlich eh furchtbar schnell. Ein Komet oder hunderte Atombomben wie in Hiroshima wo eine Menge Leute von den wahnsinnigen Amerikanern umgebracht worden sind. Wenn das so kommt steht nichts mehr und das checkst du auch nicht. Das wäre mir aber glaube ich Wurst, weilst von dem eh nichts mehr mitkriegst.

Manuel Normal im Interview

subtext.at: Du arbeitest ja gerade an einem neuen Album. Sag mir einen Grund warum man sich dieses nicht anhören soll.

Manuel Normal: Boah das ist eine schräge Frage. Das kann ich ja nur verneinen. Ich will ja, dass sich die Leute die Musik anhorchen. Sonst bräuchte ich sie ja eh nicht rausbringen.

subtext.at: Also würdest du auch allen Omas empfehlen, diesen Release anzuhören?

Manuel Normal: Ja natürlich! Das hätte ich auch beim ersten oder zweiten Album nie gesagt. Das wäre doch schädigend. Ich muss ja doch auch davon leben. Ich bin ja zweitrangig Kohleorientert. Sons würde ich etwas anderes machen, wenn es um Geld gehen würde. Beim zweiten Album habe ich wegen der letzten einigem Müttern aus dem Bekanntenkreis, deren Kinder ich kenne, gesagt „drückt die letzte Nummer weiter“. Weil da hätte man sonst nur Piepser hineinmachen müssen, weil das Lied nicht nur wenige Fekalbegriffe enthält. Da hab ich mich dann ein wenig geschämt vor Leuten die ich kenne, weil deren Kinder daheim gehängt sind und gesagt haben „Schau Mama was der singt!“ – Aber nur weil ich diese Menschen kenne – die anderen sind mir nicht Wurst, aber deswegen steht es ja drauf das es ab Achtzehn ist. Aber die Pornogeneration von heute kennt das eh schon aus dem Internet.

subtext.at: Sind für dich Solos interessanter als Kombos mit der Superjazzbatterie?

Manuel Normal: Soloshows sind eine spannende Nebengeschichte für mich aber ich möchte mich absolut nicht darauf versteifen. Mir machen Sologigs Spaß, aber wie es kommt so kommt es. Mein Soloprojekt ist ja mehr oder weniger aus Zufall entstanden. Mich haben mehrere Veranstalter hintereinander gefragt, ob ich Solokonzerte auch gebe und da hab ich mir gedacht „Pack’s bei den Hörnern“ und das Songs neu arrangieren, damit sie überhaupt Solo funktionieren weil es ohne Band doch ziemlich anders ist, macht auch ziemlich Spaß. Beide Sparten haben ihre Reize.

Manuel Normal im Interview

subtext.at: Zum Schluss: Was war deine schlimmste Konzerterfahrung?

Manuel Normal: Zahn ausgeschlagen! Mikroständer, tanzende Leute, Gitarre in der Hand, Mundraum nicht verteidigen können und Vorderzahn abgebrochen. Das war schon scheiße. Zähne sind immer Kacke. Keiner geht gerne zum Zahnarzt. Da war ich schon ziemlich angefressen, dass mir das passiert ist. Aber das Konzert ging trozdem weiter. Zahn ausgespuckt und der Zahnarzt hat ihn noch anpicken können. Trozdem kriege ich wahrscheinlich bald einen neuen, weil er innen auch abgebrochen ist.

WORDRAP

Rock oder Pop? Rock!
Mundart? Dialekt!
Bier oder Wasser on Stage? Beides!
Kurzes zu „De Wöd steht nimma laung“: 18 Tracks, 20 Farben Booklet, Manuel Normal-Album – für mich zufriedenstellendes Produkt.
Was kurzes zum neuen Album: anders!
Deine letzten Worte auf Erden: Pfiat eich! Schen woas!

Fotos: EARLIER.at

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Benedikt ist verantwortlich für die Organisation der junQ.at-Veranstaltungsreihe qlash.at und hält auch subtext.at technisch in Schuss. Er studiert derzeit an der Kunstuniversität Linz und gibt alles für ein paar Takte gute Musik.

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