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Hans Söllner: Marihuana für die Schnecken

Hans Söllner: Marihuana für die Schnecken

Als „bayerischer Rebell“, „Wuiderer“, „Volkstribun“ und „wilder Hund von Reichenhall“ wird Hans Söllner im Vorfeld vom Veranstalter, dem Posthof Linz,  bezeichnet. Vom Staat wurde der liebnswürdig anarchische Vertreter des bayrischen Reggaes und der Legalisierung von Marihuana mittlerweile schon mit 300000 Strafe bedacht. Und als er am 13 Oktober die Bühne des Linzer Posthofes betrat wurde er jubelnd begrüßt.

Konzerte von Hans Söllner hatten schon immer Kundgebungscharakter. Schon nach wenigen Sätzen des 56 Jährigen Ausnahme-Volks-Musikanten breitet sich ein breites Lächeln über die Münder seines Publikums aus. Zu unmissverständlich ist Hans Söllners typischer, zum Teil auch politisch radikaler Redestil, der, streng im bayrischen Dialekt gehalten, fast mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Musik. Trotzdem ist das Publikum glücklich ihn endlich vor sich zu haben, den großen Hans Söllner, den so viele, ganz egal welcher musikalische Konfession angehörig, zumindest einmal im Leben gesehen haben wollen. Zwei Themen dürfen natürlich nicht fehlen, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben, solange Hans Söllner auf den Bühnen der deutschsprachigen Welt zu finden ist: Die Aufforderung und Anleitung zur Beamtenbeleidigung und natürlich Marihuana. Zum Beispiel wurde das Publikum aufgefordert, die Polizeistreife solange mit dem Auto zu verfolgen, bis sie es bemerken, denn sie würden ihn ja nun schon seit 40 Jahren verfolgen und jetzt wäre es einmal an der Zeit, den Spieß umzudrehen. Das Hans Söllner kennende Publikum lachte und applaudierte, immerhin handelte es sich um eine der eher harmloseren Aussagen des Musikers, der in seiner Karriere schon praktisch alle bayerischen und bundesdeutschen Ordnungsmächte beschimpft hat. Als Söllner allerdings nur wenig später sagt, er halte nicht viel von Demokratie stößt er auf Schweigen. Um auf solche Aussagen zu reagieren ist das Publikum also doch zu alt und konservativ, oder schlicht zu betrunken. Mit einer anderen Geschichte und seinem zweiten großen Thema gelingt es ihm dann doch, sein Publikum richtig zu schockieren. Vom angeblichen Eigenanbauertrag von 60-70 Kilo würde er sich nämlich nur ein Kilo aufheben. Den Rest bekommen die Schnecken seiner Frau. Das Homegrower-Herz beginnt zu bluten, der Kopf überschlägt, wie unglaublich groß Söllners Anbaufläche sein müsste und die Nase schnuppert an den süßen Schwaden die im Raum hängen.

Musikalisch bewegt Söllner sich in alt bekannten Bahnen. Einfache und doch an Herz gehende Lieder. Sehr politisch, sehr direkt und sehr „bayrisch“. Nach eigener Aussage sei es ein Glück, dass er mit nur 3 Akkorden 20 Lieder spielen kann. Und das können eben nur drei auf der Welt – Bob Marley, Bob Dylan und Hans Söllner. Die Gitarre sei nur dazu da, nicht Gedichte aufsagen zu müssen.

Richtig ausgelassen ist die Stimmung nur zweimal, bei „Mei Voda hod an Marihuanabam“ und bei der ersten Zugabe „Edeltraud“. Was zumindest thematisch wieder zeigt, was dem Publikum am liebsten ist. Zu einem komischen Zwischenfall kommt es als der praktizierende Rastafari versucht das Publikum zu motivieren bei einem Lied mitzusingen, in dem Gott gepriesen wird. Entweder ein besonders feiner Zug seines Humors oder ein ordentlicher Fehlgriff. Das Publikum bleibt stumm.

Erst später am Abend kristallisiert sich ein drittes Thema heraus. Hans Söllner als Familienmensch und Befürworter von Liebe und Zärtlichkeit. Wild wettert er gegen das lieblose Aufblasen von Schwimmflügeln im Hallenbad und zur Demonstration von Zärtlichkeit greift er sich sogar selber in die Hose. Schließlich schickt er das Publikum nach zwei Stunden Spiel und Redezeit nach Hause mit dem Wunsch, wir sollen doch dem Partner oder der Partnerin sagen wie gern wir sie/ihn haben und dann ordentlich mit ihm/ihr schlafen und wir sollen die Polizei verfolgen. Was von beidem oder gar beides umgesetzt wurde weiß leider nur jeder/jede einzelne.

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