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Wie man leben soll … oder lieber nicht

Wie man leben soll … oder lieber nicht

Jung, voller Träume und Gugelhupf, auf der Suche nach Mädchen und noch dazu stark übergewichtig. Karl Kolostrum hat es wahrlich nicht leicht in seinem Leben. David Schalko hat sich an die schwierige Romanvorlage von Thomas Glavinic herangewagt und wieder einmal sein Talent bewiesen.

Charlie, wie der junge Kolostrum von allen Menschen genannt wird, ist fett, trägt schulterlange Haare und eine nicht gerade modische Brille. Nicht die besten Voraussetzungen für ein glückliches Absolvieren der Pubertät … und der Matura natürlich. Irgendwie stolpert er aber doch waghalsig da durch und steht dann vor dem Ernst des Lebens. Oder, um es kurz zu sagen: seiner ersten eigenen Wohnung, seinem ersten Auto und einem Studium – aufgrund des Mangels an Interessen und Talent – der Kunstgeschichte. Gemeinsam mit dem Medizinlangzeitstudenten Mirko durchlebt er wilde Jahre, lernt beim VSSTÖ die freie Liebe kennen und erlebt Dinge, die – wie Armin Assinger so schön sagte – in Wahrheit auf keine Kuhhaut mehr passen.

Wie man leben soll kann man nur schwer in eine Kategorie einordnen. Einerseits ist es eine Komödie, andererseits so surreal, dass selbst mich manchmal die Ereignisse fast überfordert hätten. Wahrscheinlich müsste man die Literaturvorlage kennen, aber ich wage zu behaupten, dass Schalko das Bestmögliche abgeliefert hat. Zur Hilfe kam ihm da wahrlich das Who-is-Who der österreichischen Kabarettszene: Ob Robert Palfrader, Thomas Maurer, Michael Ostrowski, Lukas Resetarits, Thomas Stipsits oder Josef Hader … ohne ihnen wäre der Film wohl nur halb so lustig. Die beiden Hauptdarsteller, Axel Ranisch als Charlie und Robert Stadlober als Mirko sind gemeinsam ein unterhaltsames Gespann; beiden nimmt man ihre verrückte Rolle glaubhaft ab.

Doch was darf man von dem Film erwarten? Grundsätzlich wohl gar nichts. Denn der Film ist anders als all die anderen. Während der 100 Minuten des Films musste ich mehrmals laut lachen und kam aus dem Schmunzeln fast gar nicht mehr raus. Aber irgendwie blieb doch noch ein zweifelnder Nachgeschmack. Man darf sich keinen Lebensratgeber erhoffen … vielmehr ist es leichte bis seichte Unterhaltung. Oder auch ein „Coming of Age-Film“, wie die Filmwebsite meint. Aber möglicherweise war es einfach auch nur zu viel Inhalt, der auf eine zu kleine Filmrolle gepackt wurde.

Aber so kann man Wie man leben soll jedem ans Herz legen, der schnell mal über jedes Fettnäpfchen lachen kann, in das jemand tritt. Der endlich mal wieder die Synchronstimmen von Harrison Ford oder Bud Spencer hören will. Tiefsinnige Gespräche und niveauvollen Humor darf man sich hingegen nicht erwarten. Aber vielleicht tun gerade solche Filme manchmal auch einfach nur gut.


Photos: earlier.at

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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