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Jennifer Rostock: „Der Tourbus ist uns abgebrannt“

Jennifer Rostock: „Der Tourbus ist uns abgebrannt“

Die Band Jennifer Rostock mit Frontfrau Jennifer Weist ist mittlerweile fast jeder und jedem ein Begriff. Ob auch bei ihnen einmal ein Konzert schiefgehen kann und was die Fünf sieben Wochen in New Jersey gemacht haben, das hat subtext.at im Interview mit Keyboarder Joe und Bassisten Christoph für euch euch herausgefunden.

subtext.at: Heute sind wir im Linzer Posthof. Was ist euer erster Eindruck?
Christoph: Ich finde es total abgefahren, dass diese Bühne scheinbar hoch- und runterfahren kann. Aber ich glaube es immer noch nicht! Schön ist es hier und groß.
Joe: Das wichtige bei Weißweinschorle (Gspritzter) ist, dass man zuerst Wasser rein gießt, und dann den Wein darauf, weil wenn man zuerst den Wein reingiest und dann das Wasser darauf, dann würde man den Wein verwässern. Umgekehrt ist das dann so, als würde man das Wasser veredeln. Das ist mein Kommentar zu dieser Frage. Auf der anderen Bühne steht ein Flügel – den würde ich heute gerne benutzen. Aber der ist so schwer und unsere Crew ist so faul.

subtext.at: Also ist es dein Traum, bei einem Konzert auf einem Flügel zu spielen?
Joe: Ja. Irgendwann wird das dann fest in das Set eingeplant. Pro Show brauchen wir dann einen Flügel. Den schmeißen wir danach dann ja aus dem Fenster.

subtext.at: Macht man das da nicht so wie bei den Gitarren, die man auf der Bühne zerschmettert?
Joe: Es ist glaube ich schwer, wenn ich versuche, den Flügel wie eine Gitarre auf der Bühne zu zerschmettern. Aber ich kann das ja trainieren.

subtext.at: Jennifer’s Tatoos sind ja unübersehbar. Haben diese eine bestimmte Bedeutung?
Christoph: Ja haben sie alle, aber sie redet da nicht gerne darüber, weil es für sie etwas sehr privates ist. Wir kennen die Bedeutung auch nicht. Nur von denen, bei denen es offensichtlich ist.
Joe: Außer das auf dem Rücken. Das hat sie sich einfach nur machen lassen, weil da Platz war.

subtext.at: Mittlerweile seit ihr beim dritten Album. Was hat sich für euch seit dem Anfang verändert?
Joe: Wir sind bei dem neuen Album schonmal komplett anders herangegangen als bei den anderen, weil wir uns viel mehr Zeit genommen haben. Im Vorfeld haben wir Demos gemacht, geprobt und Songs geschrieben, haben uns aber auch intensiv mit der Frage beschäftigt, wer das produzieren soll. Da haben wir dann ganz viel Musik diversester Produzenten angehört und sind am Ende auf den Chris Badami gestoßen, weil der ein sehr fettes Brett fährt, aber auch mit elektronischen Sachen vertraut ist. Bei uns wird das in der Musik ja ein bisschen kombiniert. Danach sind wir extra nach New Jersey geflogen, weil er dort lebt, und haben dort das Album innerhalb von sieben Wochen aufgenommen, was eine sehr intensive Zeit für uns war. Dort haben wir immer den ganzen Tag miteinander verbracht. Tagsüber im Studio und abends haben wir uns im Hotel einen reingestellt.
Bei der Musik hat sich verändert, dass wir uns nicht auf eine bestimmte Sache festlegen wollen und haben so diverse Generes gemixt. Trozdem klingt das Gesamtprodukt homogener und zusammengehöriger als die Vorgängeralben. Das haben wir aber gut hingekriegt.

subtext.at: Also waren die zwei Vorgängeralben nicht ganz so ausgewogen wie das aktuelle?
Christoph: Naja – das liegt alleine schon dran, dass wir vorher nie so viel Zeit hatten, uns mit den Songs auseinander zu setzen. Bei den Alben davor war es halt so, dass die Songs bei den Soundchecks vor den Konzerten entstanden sind und wir diese dann geprobt haben. Diese mal haben wir gesagt „wir nehmen uns einfach frei und proben“. Deswegen ist es auch von unserer Seite her am ausgereiftesten geworden.
Joe: Und dadurch, dass wir dann auch so viel … Herzblut ist glaube ich das kitschige Wort dafür … hineingesteckt haben und uns auch so lange Zeit genommen haben dafür, sind wir jetzt am Ende auch mit dem Album sehr zufrieden. Jeder von uns mit jeder Sekunde des Albums. Das ist auch der Grund warum das jetzt den wunderschönen Namen „Jennifer Rostock – mit Haut und Haaren“ trägt.

subtext.at: Zu den Muskrichtungen: Also kann man Jennifer Rostock nicht in einen Topf werfen und sagen „das ist unser Genere!“?
Christoph: Wir suchen noch immer nach dem richtigen Topf – vielleicht gibt es ihn ja schon und wir haben ihn nur noch nicht gefunden.
Joe: Deutschrock, Christoph, passt nicht. Elektropunk ist es auch nicht. Elektropunk-pop ist es auch nicht und alles was länger ist … es ist irgendwie schwer zu sagen. Also unsere Musik ist nicht ein eine Schublade zu stecken. – Wir wurden auch schon Glam-Rock oder Hauptstadtrock genannt. Wer kommt den auf die düse Idee? Laut Wikipedia machen wir Indie-Rock, aber das ist auch Blödsinn.

Jennifer Rostock @ Posthof

subtext.at: Wie ist es für Jennifer so auf Tour als einzige Frau in der Band?
Joe: Sie sagt immer, dass sie das sehr gut findet. Sie möchte glaube ich auch nicht, dass da noch eine andere Frau mit im Tourbus ist. Sie ist als einziges Mädel ganz zufrieden mit der Situation und wir … auch.

subtext.at: Was waren eure außergewöhnlichsten Erfahrungen im Tourbus?
Christoph: Fragen wir am besten unseren Omnibusfahrer, der gerade bei der Tür hereingekommen ist. Der ist immer nüchtern und weiß das noch.
Gabriel (Busfahrer): Nun ja, also wenn ich fahre bin ich nüchtern! Einmal hat der Bus gebrannt. Da hat jemand am Fenster geklopft und gesagt „Sag ma, ist das normal?“ und im ganzen Bus war schon so ein öliger, schwarzer Rauch. Und ich so: „Nein! Feuer! Raus!“
Und einmal hat Joe in die Lounge gepinkelt. Gott sei Dank hatte ich da noch genug Reaktion um auszuweichen, weil er hat ja nicht aufgehört zum pinkeln. Dann hab ich ihn gefragt: „Hey, das machst du aber nicht wirklich?“ und das einzige, das er darauf gesagt hat war: „Öh doch!“.
Joe: Es tut mir immer noch leid!

subtext.at: Was war euer beschissenstes Konzert bislang?
Joe: Das ist schwer zu sagen, weil ja alle Konzerte so unglaublich gut sind. Gestern im Flex war es das heißeste, da wäre ich fast gestorben. Ich habe nicht einmal mehr Luft bekommen. Das schrecklichste war in Karlshagen – da wurden wir mit Sachen beworfen und ausgebuht. Sogar ein Stück Fleisch hat uns getroffen.
Christoph: Einmal kam unsere Bookingagentur auf die wunderbare Idee, uns auf ein Ska-Festival zu verfrachten. Man kann uns zwar schwer einordnen, aber Ska ist es auf alle Fälle nicht. Dort mussten wir nach dem Abschiedskonzert der Lokalmatador-Skaband spielen und uns wollte dann natürlich niemand sehen – da wurden wir dann auch mit allem beworfen was es so gab. Da würde ich dann immer sehr gerne zurückwerfen.

subtext.at: Wie sieht für euch dann das perfekte Konzert aus?
Christoph: Wenn man mit den Sachen, die die Leute werfen dann noch etwas anfangen kann. Einen Apfel oder so – das wär nett.
Joe: Wir hatten ja gestern Tourauftakt mit unserem neuen Programm in Graz und bisher sind ziemlich überwältigt von der Reaktion der Leute. Die letzten beiden Shows waren grandios – da hat es uns teilweise auch die Spucke verschlagen, wie gut die Österreich drauf waren. Das Catering ist im übrigen auch immer sehr lecker.

Wordrap
Brief oder E-Mail? E-Mail
Stagedive oder Wall of Death? Wall of Death
Tatoo oder Piercing? Tatoo
Sex oder Zigaretten? Sex … oder nein! Zigaretten! – das ist nicht so anstrengend. Oder einfach rauchen beim Ficken.
Eure letzten Wort auf Erden? Macht’s gut ihr Trottel!

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Benedikt ist verantwortlich für die Organisation der junQ.at-Veranstaltungsreihe qlash.at und hält auch subtext.at technisch in Schuss. Er studiert derzeit an der Kunstuniversität Linz und gibt alles für ein paar Takte gute Musik.

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