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MONA: „Schmerz ist ein gutes Gefühl“

MONA: „Schmerz ist ein gutes Gefühl“

Nicht jede Oma kommt in den Genuss, Namensgeberin einer Rock’n‘ Roll-Band zu sein. Das Quartett von Mona hat sich nach der Großmutter von Sänger Nick Brown benannt. Der ist auf einem Höhenflug und nicht um markante Worte verlegen. Auf der einen Seite haftet der Band aus den USA etwas Altertümliches, Nostalgisches an. Auf der anderen wollen sie gerne so sein wie James Dean in „…denn sie wissen nicht, was sie tun“: Frech, keck und cool.

Ein bisschen retro, ein bisschen rockig und ungemein hungrig auf Musik. Dieses Rezept hat bei den Kings Of Leon bestens funktioniert, mit denen Mona ganz Dicke sind.

Im Interview mit subtext.at gibt sich Nick Brown ganz selbstbewusst. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten? Sind nicht ausfindig zu machen. Trotzdem kann man zwischen den Zeilen erkennen, dass sich hinter der harten Schale ein weicher Kern befindet. Mal wieder.

subtext.at: Nick, kannst du mir etwas über deinen Werdegang verraten? Wann hast du angefangen, Songs zu schreiben und dich musikalisch zu betätigen?
Nick Brown:
Relativ früh. Ich bin in einer christlichen Umgebung aufgewachsen, da gab es so etwas wie einen free flow. In der Kirche bin ich sozusagen das erste Mal mit Musik konfrontiert worden. Es waren meine ersten Schritte in diese Richtung, wenn man so will. Später, als ich eine Freundin hatte, Sex für mich entdeckt und Whiskey ausprobiert habe, habe ich realisiert, dass es noch andere Dinge gibt, über die es sich zu schreiben lohnt (lacht). So hat es bei mir angefangen. Es war eine natürliche Entwicklung. Mir ist es immer schon leicht gefallen, mich auszudrücken.(überlegt kurz) Mona sind keine Storyteller, bei uns geht es um Emotionen, die jeder von uns hat und fühlt.

subtext.at: Weshalb funktioniert Musik für dich als Ausdrucksform?
Nick Brown: Weil ich seit meiner Kindheit stets von ihr umgeben war. Nur das Umfeld hat sich geändert. Jedes Mal, wenn du in die Kirche eingetreten bist, gab es Leute, die gesungen oder getanzt haben. So etwas prägt einen unweigerlich. Ich wurde relativ früh förmlich davon angezogen. Musik hat für mich immer einen Sinn ergeben.

subtext.at: Bist du jemand, der organisiert übt oder folgst du einfach einer Idee oder Eingebung, wenn sie zu dir kommt?
Nick Brown: Ich mag es nicht, wenn man Dinge überstürzt oder erzwingt. Es gibt Zeiten, da willst du unbedingt kreativ sein und dich inspiriert fühlen, und es gibt Zeiten, da bist du es dann wirklich. Da muss man den Unterschied erkennen, was eine Weile dauert. Wenn du mit der Musik anfängst, denkst du, dass jede Idee von dir wundervoll ist. Genial. Außergewöhnlich. Später merkst du, dass vielleicht nur eine von hundert wirklich brauchbar ist. Die Realität holt dich irgendwann ein.

subtext.at: Ist Musik die perfekte Plattform, um sich selbst auszudrücken?
Nick Brown:
Musik ist eine Plattform für alles mögliche. Musik ist die größtmögliche Kraft auf diesem Planeten. Jeder wird irgendwie von ihr berührt, egal, um welche Art von Musik es sich handelt. Bei einem Film ist es nicht anders: Das Visuelle ist zwar ungemein wichtig, doch erst der Klang und die Töne führen dich dort hin, wo der Regisseur dich haben will. Umgekehrt funktioniert es auch: Du schließt deine Augen, hörst einen Song, und schon entsteht vor deinem geistigen Auge ein Bild.

subtext.at: Sind Mona aus diesem Blickwinkel betrachtet eine Band, die das Visuelle besonders ausreizt?
Nick Brown: Ja und nein. Das Artwork unserer Platte ist schon sehr speziell und spezifisch, aber wir neigen auch zu einer simplen Einfachheit. Das mag vielleicht nicht so sehr auf das Image zutreffen, aber auf die Musik. (überlegt) Wir haben viele große Ideen, was man alles auf der Bühne machen könnte, aber momentan halten wir die Dinge flach. (überlegt kurz) Ich bin sehr zögerlich, neue Sachen auszuprobieren. Ich möchte, dass sich alles gut und richtig anfühlt. Anstrengungen und Bemühungen halte ich für nicht besonders cool. Mit unserem Debüt stellen wir uns quasi der Welt vor. Es wäre ein Overkill, jetzt am Anfang schon so viel zu wollen und zu versuchen. Keep it simple .

subtext.at: Gehst du sehr hart ins Gericht mit dir?
Nick Brown: Definitiv. Ich gehe auch sehr hart mit meinen Bandkollegen um. Und mit den Leuten, die um uns herum sind. Die Leute, die mich kennen, wissen aber, dass ich mit mir selber am härtesten ins Gericht gehe. Manchmal ist es schwer, mit der Kraft umzugehen, die einen treibt. Dann fühle ich mich nicht wohl in meiner Haut. Nie ist etwas gut genug (wirkt deprimiert).

subtext.at: Klingt nach einem Perfektionisten.
Nick Brown: Ja, schon. Aber die Zeiten sind taff, besonders heute. Rock’n‘ Roll gehört zu einer aussterbenden Spezies. Du willst nicht über Wirtschaft und Ökonomie nachdenken, aber wenn du als Künstler von deiner Arbeit leben willst, musst du auch diese Seiten betrachten. Ein Künstler muss sich darüber Gedanken machen, um welchen Preis er den Leuten sein Werk vorsetzen möchte. Anders funktioniert es nicht mehr.

subtext.at: Es gibt tausende großartige Songs da draußen. Warum sollte man sich gerade einen Song von Mona zu Gemüte führen?
Nick Brown: Wie ich vorhin schon erwähnt habe: Wir wollen eine menschliche Band sein. Eine, die echte Instrumente spielt und Emotionen hervorruft. Wir möchten uns nicht wie Roboter oder Maschinen aufführen. Viel, was uns die Clubs und der Hip-Hop vorsetzen, ist erschwindelt und gelogen. Es werden Bilder heraufbeschwört, die kein normaler Mensch von uns erlebt. Autos, Bitches, Geld und Huren, solche Dinge. Das ist doch nicht echt. (überlegt) Auch in der Dance,- und Electroszene gibt es viel Fantasie – was einerseits gut ist, weil die auch vonnöten ist. Wir als Rock’n’Roll-Band wollen über die echten Dinge des Lebens schreiben. Herzschmerz. Liebe. Hoffnung. Wut. Die Leute identifizieren sich mit diesen Inhalten. Deswegen sind unsere Fans auch so loyal zu uns. Weil sie sich selbst in den Liedern wiederfinden. Wir unterhalten sie nicht nur, es ist ein Soundtrack zu ihrem Leben.

subtext.at: Hat jeder erfolgreiche Musiker das Rad neu erfunden?
Nick Brown: Ich hab schon in mehreren Interviews gesagt, dass wir nicht versuchen, das Rad neu zu erfinden. Ich denke aber, dass es eher darum geht, wie man etwas präsentiert und vorstellt. Die Leute erfinden die Art und Weise neu, wie sie das alte Rad präsentieren – so bleibt es spannend. Der eine kommt mit Bändern und Schleifen auf die Bühne, ein anderer in einer Box und der letzte eingewickelt in Zeitungspapier. Es kommt auf die Verpackung an, wie es so schön heißt. Am Ende des Tages verhalten sich Musiker wie Babies – sie dreschen auf Dinge ein und machen Lärm. Es ist kein neues Konzept, was vorgeführt wird. Es gab alles schon einmal.

subtext.at: Kreisen die Gedanken schon um das zweite Album?
Nick Brown: (freut sich sichtlich) Oh ja, es ist so gut wie fertig. Wir haben um die dreiundzwanzig Demos aufgenommen, da fehlt nicht mehr viel. Vielleicht schreiben wir noch um die zehn Songs, damit später die Auswahl größer ausfällt. Wir arbeiten momentan non stop daran. Ob es sich um einzelne Songs handelt, Video-Ideen, Entwürfe für das Artwork oder die Produktion – wir sind irgendwie ständig damit beschäftigt. (überlegt kurz) 30% ist bestimmt fertig. Die Grundstimmung, die Ideen, der Charakter des Albums.

subtext.at: Verspürst du einen Druck, wie man euer Erscheinungsbild noch verbessern kann?
Nick Brown: Manchmal. An anderen Tagen ist es dir dann scheißegal. Es kümmert dich nicht und du bist stur. Ich werde ein weißes T-Shirt für den Rest meines Lebens auf der Bühne tragen. An anderen Tagen hast du Ideen, die dich dazu verleiten, anderen Impulsen nachzugehen. Du willst, dass die Ideen wahrhaftig und aufrichtig sind. Keiner will sich einen Typen auf der Bühne ansehen, der etwas Verfälschtes transportiert. Bei Mona gibt es nicht viel Glitter & Glamour. Doch wer weiß? Vielleicht werde ich eines Tages ganz anders darüber nachdenken (lacht). Ich möchte es nicht komplett abhaken.

subtext.at: Muss ein guter Sänger seine Stärken und Schwächen genau kennen?
Nick Brown:
(überlegt) Manche Leute haben Glück, weil sie ihre Eigenschaften nicht genau kennen und sich in ihre Fantasie flüchten, andere treffen den Nagel auf den Kopf. Eine gute Melodie bleibt schließlich eine gute Melodie. Ich bin schon der Meinung, dass du über deine Ängste Bescheid wissen und deine Dämonen kennen solltest, bevor du über andere Leute redest. (überlegt) Ich denke, dass wir uns auf diesem Gebiet durchaus auskennen.

subtext.at: Wie war denn eurer erster Auftritt als Mona?
Nick Brown: Unser erster Auftritt fand in Dayton, Ohio statt. Es waren genau neun Leute anwesend. Die Show war ziemlich traurig (lacht).

subtext.at: Du hast vorher das Coverartwork erwähnt. Für mich sieht es so aus, als würdet ihr versuchen, Momente eines Lebens abzubilden. Fröhliche, traurige…
Nick Brown: Die meisten Bilder sind private Fotos, die für uns eine spezifische Bedeutung haben. Es ist eine Ansammlung, die uns etwas bedeutet, weil sie unsere eigene Geschichte enthält. Gleichzeitig ist es sehr nostalgisch, ikonisch. (überlegt) Es gibt ein Buch namens „Blink“, da geht es darum, dass ein simpler Schnappschuss etwas in dir auslösen kann. Die Bilder auf dem Cover symbolisieren für mich genau das.

subtext.at: Zum Schluss möchte ich dir ein Zitat des Autors Jack Kornfield vorlesen: „Manchmal müssen wir geradeaus durch das Feuer gehen, um Heilung zu finden.“
Nick Brown:
Das gefällt mir ausgesprochen gut.

subtext.at: Es passt zum Gefühl des Albums und zu Songs wie „Cloak And Dagger“ oder „Shooting The Moon“…
Nick Brown: Es gibt einen alter Pastor namens Smith Woodensworth, der hat einmal gesagt: „Nur flüssiges Gold lässt sich zu Münzen prägen.“ Das hat in etwa das gleiche Konzept, durch das Feuer gehen und so. (überlegt) Schmerz ist ein gutes Gefühl. Viele Leute versuchen, den Schmerz zu vermeiden und ihn nicht zuzulassen. Ein Fehler. Dadurch wachsen wir als Menschen.

Links & Webtips:

monatheband.com
facebook.com/monatheband
twitter.com/MONATHEBAND

Foto: Universal Music

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