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Terroristische Farbenspiele

Terroristische Farbenspiele

„Braune Armee Fraktion“ titelte der Spiegel und ließ mich zurückdenken, an meine mündliche Maturaprüfung. Die Vorsitzende stellte mir, bezogen auf meine Spezialgebiets Arbeit zur „Geschichte der Roten Armee Fraktion“, die Frage nach den Unterschieden zwischen linkem und rechtem Terror.

„War nicht linker Terrorismus nach `45 viel schlimmer als jener von rechts?“, wollte man von mir wissen. Zum Unverständnis der Matura-Vorsitzenden entgegnete ich, dass es sehr wohl auch rechten Terror gegeben hat und noch immer gibt. Für gewöhnlich äußert dieser sich aber gänzlich anders, als der RAF Terrorismus der 70er und 80er Jahre. Er hat meist spontaneistischen Charakter und richtet sich gegen zufällig ausgewählte Personen oder Einrichtungen. Weiters hielt ich entgegen, dass man keinesfalls sagen könne, linker Terror sei „schlimmer“ gewesen, er war bloß durchdachter, präziser geplant, mit Propaganda unterfüttert und vor allem medienwirksam durchgeführt.

Diese Umstände machten ihn scheinbar zu einer größeren Gefahr für die Demokratie, als jener verborgene, medial unspektakuläre Rechtsextremismus. Dass rechter Terror ebenso gut organisiert und von einer terroristischen Vereinigung durchgeführt werden kann, beschrieb ich meiner Vorsitzenden am Beispiel des Befreiungsausschusses Südtirol, dem – zumindest in seiner zweiten Phase – nachweislich Neonazis angehörten und der für mehrere Bomben- und Mordkommandos verantwortlich war. Als man mir entgegnete, dies sei etwas völlig anderes, denn schließlich ginge es hier um Autonomie und Minderheitenprobleme, hätte ich den jetzt aufgetauchten Beweis für die Existenz rechtsextremer, terroristischer Vereinigungen vom Format einer Roten Armee Fraktion, gut gebrauchen können. Im Extremismus verschwimmt die Grenze zwischen rechts und links, hier gibt es kein „schlimm“ und „weniger schlimm“, das hätte auch meine Vorsitzende bedenken sollen.

Fazit: Es spielt keine Rolle, ob es sich bei den Opfern um Personen aus Politik und Wirtschaft, oder um einfache Dönerbuden-Besitzer handelt, in beiden Fällen starben Menschen.

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