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LEBT UNANGEPASST!

LEBT UNANGEPASST!

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte
Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen
ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren
ihre Lehrer.“ (Sokrates)

Lange stieß derartiges Konfliktpotential, wie wir es heute erleben, nicht auf so viel Untätigkeit und Schaukelstuhl-Mentalität. Dem imperativen Zeitgeist entsprechend möchte ich an Stéphane Hessels „empört euch!“ und „organisiert euch!“ ein herzhaftes „lebt unangepasst!“ anfügen.

„Er hat die Jugend verdorben“, warf man dem antiken Denker Sokrates vor, ehe er mit dem „Freitod“ durch den Schierlingsbecher bezahlte. Man könnte meinen, seine Ideen hätten Nachhaltigkeit bewiesen, wären da nicht einige Schönheitsfehler. Zweifelsohne liebt die Jugend von heute wie damals den Luxus, warum auch nicht. Doch verachtet sie Autorität? Widerspricht sie ihren Eltern? Daran darf gezweifelt werden.

Anpassen und Stromschwimmen
Aus- und Unbildung stehen heute in einem paradoxen Verhältnis zum klassischen Verständnis einer umfassend gebildeten, mündigen Gesellschaft. Wenn in Großbritannien Sozial- und Geisteswissenschaften nur noch einer privilegierten, finanzkräftigen Elite zugestanden und in Österreich ganze Studiengänge eingespaart werden, um im gleichen Ausmaß die Heranzüchtung ökonomisch verwertbarer Befehlsempfänger zu fördern, kann man wohl von einer Schieflage sprechen.

Mit dem Kopf durch das Brett
Nach der kollektiven zivilen Ohnmacht in den 90ern und der post-9/11 Orientierungslosigkeit, scheint diesem Jahrzehnt ungeahntes Konfliktpotential inne zu wohnen. Unibrennt, Stuttgart21, occupy wall street, aber auch der arabische Frühling, setzten zivile Ausrufezeichen, denen eines gemeinsam ist. Nicht mit dem Brett vor dem Kopf zu leben, sondern mit dem Kopf durch das Brett zu schlagen. Künstlern kommt hierbei, nicht zu selten, eine Vorreiter- und Vorbildsfunktion zu. Unangepasst leben, davon konnten verstorbene Bühnengrößen wie Georg Danzer, Ludwig Hirsch, oder Georg Kreisler, im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen. Der Künstler als Überbringer gesellschaftlicher Missstände, darf an dieser Stelle bewundert und gefördert werden.

Mutig in die neuen Zeiten
Bildung, Armutsbekämpfung, Generationen- und Verteilungsgerechtigkeit sollten DIE Themen dieses Jahrzehnts sein. Dazu bräuchte es eine kritische und mutige Jugend, nachhaltig denkende und dialogbereite Ältere und Politiker mit klaren Visionen und Zielvorstellungen. An Letzterem mag es wohl, nicht nur hierzulande, am meisten mangeln. Den Gipfel der Peinlichkeit markierte die Vermutung, dass sich Bundeskanzler Werner Faymann durch gefälschte Facebook-Profile und in jahrelang an verschiedene Printmedien verschickten, falschen Leserbriefen, hochjubeln ließ. Die IP-Adresse der eintrudelnden Lobhuldigungen konnte pikanterweise zur SPÖ zurückverfolgt werden. Wo Bruno Kreisky Bedenken äußerte, eine österreichische Tageszeitung könnte zu einem zu großen Machtfaktor im Staat werden, wird heute gemeinsame Sache gemacht. Das Spiel mit den Medien, verkommt zusehends zum Spiel mit der Glaubwürdigkeit.
„Empört euch!“
„Organsiert euch!“
„Lebt unangepasst!“

Foto: David Shankbone, Lizenz http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de 

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