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Sun Airway: „Musik soll Leute von selbst erreichen“

Sun Airway: „Musik soll Leute von selbst erreichen“

Es gibt Bands, wo man in einem Interview einfach nur noch Spaß hat. Genauso wie ihrem Konzert. Im Interview mit subtext.at beweisen John, Daniel und Jonathan, die die Band „Sun Airway“ aus Philadelphia bilden, dass auch Amerikaner sehr viel Humor haben. Viel Spaß beim Lesen!

subtext.at: Gibt es eine Frage, die ihr zu Beginn gleich hinter euch bringen möchtet?
Daniel: Wir werden echt immer wieder gefragt, was das Verrückteste auf dieser Tour war?

subtext.at: Und das wäre?
Daniel: Das wissen wir nicht. Wir sind sehr langweilig (alle lachen).
Jonathan: Alles ist ein bisschen verrückt – wir haben uns zum Beispiel des öfteren verirrt (lacht). Aber nichts so „richtig“ verrücktes.

subtext.at: Dieses Interview findet vor der allerletzten Show hier in Europa statt. Freut ihr euch schon auf daheim?
John: Definitiv. Es war nett hier in Europa für ein paar Wochen, aber es ist schön, nicht den ganzen Tag in einem Van eingesperrt zu sein.
Daniel: Was aber nicht an Europa liegt, sondern am Van an sich.
John: Ich würde schon lieber hier länger bleiben und auch mal länger an einem Ort bleiben als einen Tag lang. Und Jonathan freut sich immer schon auf seinen Hund zu Hause – er ist ein Hundeliebhaber (lacht)

subtext.at: Ich habe gelesen, dass ihr in Bologna einen, wie ihr es nennt, „kleineren“ Stromausfall hattet. Wie klein darf man sich den vorstellen?
John: Er war nicht klein, soviel kann ich sagen, er war groß (alle lachen). Wir haben einen Haufen Electronic-Equipment und Keyboards, und wir haben uns ein paar Spannungsumwandler gemietet in Bologna. Dummerweise haben zwei von den dreien nicht funktioniert. Wir haben dann eine verwendet, der im Club dort vorhanden war – der hat dann mein Keyboard ausgeknockt. Wir mussten dann ….
Jonathan: improvisieren (lacht).
John: … uns etwas einfallen lassen, also entweder Show absagen oder auf die Schnelle etwas auf die Beine stellen.

subtext.at: Habt ihr daran gedacht, ein acoustic set zu spielen?
John: Wäre eine Möglichkeit (lacht), wäre aber wahrscheinlich auch schwer geworden, weil wir großteils Samples verwenden. Ich habe das meiste nie auf Gitarre gespielt.
Daniel: Wir habens mal versucht.
John: Das wäre aber schrecklich, und dem Publikum nicht zuzumuten. Außerdem hatten wir keine Gitarren mit. Aber um zurückzukommen – ich hab dann auf die Schnelle am Laptop Backing Tracks von den Sachen, die ich sowieso gespielt hätte, eingespielt, und hab dann so getan, als ob ich am Keyboard spielen würde (lacht). Das hat 2 Shows lang auch funktioniert.
Daniel: War aber ziemlich ungewohnt für den Techniker, wenn der den Soundcheck für das Keyboard machen will, und man ihm dann sagen muss, dass da eigentlich kein Ton rauskommen wird (lacht)

subtext.at: Dallas Green hat gesagt, dass Musik immer „Die Leute erreichen“ soll. Wie erreicht ihr die Leute?
John: Ich hoffe, dass das etwas ist, was die Musik von selber kann, wenn man sie in verschiedene Städte bringt und sie dort spielt. Einen „Plan“ dahinter gibt es nicht.
Daniel: Die Musik, die mich erreicht, erreicht meinen Gegenüber sicher nicht so.
Jonathan: Deine Musik erreicht mich überhaupt nicht (lacht). Das ist schrecklich, was da im Van teilweise läuft (lacht).

subtext.at: Ein Zitat zum Konzert heute Abend: „Sun Airway klingt wie der Soundtrack zum nächsten Sofia Coppola-FIlm“. Stimmt das?
John: Das hat unser Label geschrieben, die wollen dann wahrscheinlich, dass die Leute das von uns denken. Das Angebot haben wir bislang aber nicht gekriegt, nein. Vielleicht ruft sie noch an. Aber damit wollten sie in diesem Text auf diese elektonisch-melancholische Art der Musik hinweisen. Glaube ich zumindest.

subtext.at: Nennt mir bitte ein Album, das ihr nicht mehr aushaltet.
John: Nicht mehr aushalten? Da gibt’s einen ganzen Haufen, den ich nicht aushalte (schmunzelt). Das Julian Casablanca-Soloalbum zum Beispiel. Am Anfang hab ichs noch als ok befunden, danach aber nur noch schlecht gefunden. Aber Daniel mag es dafür umso mehr.
Daniel: (lacht).

subtext.at: Kann man also davon ausgehen, dass es starke Diskussionen über die Musik im Van gibt?
John: Die sucht dann meistens der aus, der fährt. Wir hören aber schon viel von dem gleichen Zeug.  Wir haben sicher mehr Gemeinsamkeiten als Auseinandersetzungen.
Joshua: Stimmt, ich nehm alles zurück, ich mag alles von eurer Musik (lacht).

subtext.at: Also keine Gefahr, euch gegenseitig zu prügeln über die Musik?
John: Nein, nur wenn Jonathan Interpol hört und fährt (lacht).

subtext.at: Das ganze in die andere Richtung – euer Album für die einsame Insel?
John: Ich würde sagen „George Harrison – All Things Must Pass“  – die Vinyl-Box besteht nämlich aus vier Alben (lacht).
Daniel: Wenn ich mir eins aussuchen könnte, dann „Spiriualized – Ladies & Gentleman“.
Jonathan: Hatten die Beatles ein Boxset? Dann würde ich das nehmen.

subtext.at: Zum Abschluss meines Interviews meine Standardfrage – was soll mal auf euren Grabsteinen stehen?
John: Vielleicht ist es besser, wenn ich das zu jemand anderem sage. Daniels würde sagen: „Daniel loved candy“. (lacht)
Daniel: Wahrscheinlich eine Message wie „Be Kind To Each Other“ oder sowas.

Links und Webtipps:

Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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