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Austrian Newcomer Award 2012

Austrian Newcomer Award 2012

Alle Jahre wieder – so könnte man das Motto des Austrian Newcomer Awards beschreiben. Dieses Mal konnten die Mundart-Musiker von „Fotzhobl“ den mit 5000 Euro dotierten Publikumsaward für sich verbuchen. Der Abend selbst war genau das, was man erwarten durfte – grotesk, garniert mit etwas Musik. 

Stichwort „Garniert mit etwas Musik“ – ein Unding, das leider auf Bandcontests Gang und Gebe ist, ist die viertelstündliche Auftrittsdauer jeder Band. Sorry, aber es ist einfach unmöglich, bei einem Livekonzert einer Newcomer-Band anhand von drei bis vier Songs zu beurteilen, ob die Band „was drauf hat“ oder nicht. Auch wenn der Newcomer Award eigentlich kein Bandcontest im eigentlichen Sinne ist, stehen doch die Sieger durch die Wertung der „Fachjury“ sowie dem werbewirksamen Onlinevoting schon im Vorhinein fest. Die Veranstaltung selbst ist dann eigentlich „nur“ noch die Überreichung der Preise, sowie dem Publikumsaward, den man halt leider nur live vergeben kann. Dies führt dann dazu, dass Männer in Anzug und Krawatte und Frauen im Abendkleid neben dem klassischen Indie-Konzert-Gänger sowie Mädchen in kurzen Röcken stehen, und dass Sektgläser und Bierbecher nebeneinander stehen, und sich alles im Raucherbereich zusammenmischt.

Der Abend selbst begann mit dem Auftritt des Münchners „Slowmoetion“, der mit einem Remix des Gotye-Songs „Somebody that I used to know“ eröffnete. Was der belgische Sänger dazu wohl sagen würde? Gewagt war es auf alle Fälle. Danach folgte, technisch bedingt mit einiger Verspätung, der Auftritt von MTS. Frauen im Hip-Hop sind ja etwas Seltenes, und nach besagten 15 Minuten Stagetime war es auch hier schon wieder vorbei. Wer sie gerne länger sehen möchte, hat am 31.3. beim nächsten junQ.at Qlash Gelegenheit dazu – da spielen sie dann auch ein volles Set.

Weiter ging es mit Indie-Rock von „I Eat Pancakes“ – durchaus gelungen, und ein Beweis dafür, dass der Indie-Boom in Österreich nicht vorbei ist -, sowie mit Mundart von „Fotzhobl“. Letztere  konnten dann auch den begehrten Publikumspreis abstauben. Abgerundet wurde der Abend von einem kurzen Set von DJane Fraulich, die den erstmals vergebenen DJ-Award gewann. Zum Abschluss darf festgehalten werden, dass die Musiker die Awards durchaus verdient haben – ausruhen darf man sich auf dem Gewinn des Newcomer Awards jedoch nicht. Und eine Bitte an die Veranstalter: Es sollte doch mehr um die Musik gehen – Werbung ist an sich nichts Schlechtes, doch würden die Performances der Werbe-Träger samt der dazugehörigen Selbstbeweihräucherung nicht fast ebenso lang wie die musikalischen Darbietungen dauern, würde der Award selbst mehr Spaß machen. Würde man dann noch das Aufstellen einer Backstage-Liveübertragung in einen längeren Soundcheck und damit besserer Akustik investieren – so schlecht wie gestern ist der Live-Sound im Posthof normal nicht –  könnte man den Abend dann auch als gelungen bezeichnen.

Fotos: Michael Straub, Christoph Thorwartl 


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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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