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Christine Hödl: „Ich bin so, wie ich bin. Unverstellt.“

Christine Hödl: „Ich bin so, wie ich bin. Unverstellt.“

Just another Castingshow? „Die große Chance“ im ORF gewann überraschend die Singer/Songwriterin Christine Hödl. Starallüren hat sie deshalb keine – im Rahmen ihrer „Pure“-Tour sprach subtext.at über Neid, Albenproduktion in kurzer Zeit und Polarisierendes.

subtext.at: In Vorbereitung auf dieses Interview habe ich mir natürlich den Auftritt bei Stermann&Grissemann in „Willkommen Österreich“ angesehen. Dabei komme ich unweigerlich auf eine Frage: gibt es nach dem Auftritt bei den beiden etwas, was dich im Umgang mit Medien noch erschüttern könnte? 

Christine Hödl: (lacht) Nein, ich bin da ja auch nicht „zitternd“ reingegangen – ich habe ja auch gewusst, was mich da erwarten könnte. Es war ein absolut entspannter Abend, total angstfrei und entspannt. Sie waren ja auch sehr lieb zu mir.

subtext.at: Also keine Schäden davon getragen?

Christine Hödl: Nein, überhaupt nicht. Und der Song mit Russkaja war sowas wie der krönende Schluss.

subtext.at: Ein Wort, das oft im Zusammenhang mit Castingshows steht, ist das Wort „Popstar“. Willst du das hören oder nicht?

Christine Hödl: Wenn ich es höre, tut es mir sicher nicht weh. Ich glaube halt nicht, dass die Musik, die ich mache, sehr Pop-lastig ist. Das geht dann mehr in den Alternative/Indie-Rock-Schiene. Aber wenn jemand sagt, dass es gute Popmusik ist, macht mir das auch nichts aus.

subtext.at: Bleiben wir gleich bei Indie und Songwritertum sowie deinem Album „Pure“ – ist Songwriting das Puristischste, was die Musik zu bieten hat?

Christine Hödl: Das, was meine Musik zu bieten hat, das ist puristisch. Das bin nämlich ganz einfach ich. So wie ich bin, unverstellt, und ohne Playback oder Halb-Playback. Alles, was man auf „Pure“ hören kann, wurde auch wirklich eingespielt. Darauf bin ich schon auch stolz, gerade, wenn man bedenkt, in welcher Kürze das Ganze aufgenommen wurde.

subtext.at: Stichwort „In aller Kürze“ – wie viel Stress ist es, innerhalb sehr kurzer Zeit ein komplettes Album aus dem Boden zu stampfen?

Christine Hödl: Ich habe es eigentlich nicht als stressig empfunden. Die Arbeit an der Musik macht mir ja viel Spaß – und das erste Mal professionelle Tonstuido-Erfahrung zu sammeln, war natürlich auch etwas ganz Besonderes. Eine „geile“ Zeit sozusagen – und wir hatten es ja auch vergleichsweise einfach, die Texte und die Melodien waren ja bereits da. Deswegen war es in dieser kurzen Zeit auch möglich.

subtext.at: Eine Frage, die ich nicht ersparen kann: Was ist deine Antwort auf den Vorwurf, dass Sieger einer Castingshow oft nur One-Hit-Wonder sind und wieder in der Versenkung verschwinden?

Christine Hödl: Man muss ganz einfach daran arbeiten, von diesem Schema wegzukommen. Ich glaube schon, dass ich das tue und auf einem guten Wege dazu bin.

subtext.at: Bist du also quasi die Antithese zu all dem, was sonst so aus Castingshows rauskommt?

Christine Hödl: Ich glaube, dass war ich von Anfang an so, auch als Kandidatin. Das bin auch absolut ich, da ist nichts verstellt dabei. Das könnte ich auch gar nicht, das würde man auch mitkriegen.

subtext.at: Warum glaubst du, dass gerade auch diese Antithese zu Castingshows funktionieren kann?

Christine Hödl: Schwierige Frage – meine Art, mich zu präsentieren, kommt anscheinend gut an. Da werde ich auch heute Abend nicht anders sein hier im Posthof.

subtext.at: Im Pressetext zu deinem Konzert heute Abend habe ich folgendes gelesen: „Ein Spitzenerfolg, der sicher nicht nur dem vorweihnachtlichen Medienhype inklusive pseudotolerantem Boulevardgeschwurbel über ihre Lebenspartnerschaft mit Frau und Tochter geschuldet ist.“ Ist es nicht völlig wurscht, was man privat macht, wenn man als Musiker auf der Bühne steht? Christine Hödl: Weil es leider in der heutigen Zeit noch immer ein sehr interessantes Thema ist. Ich bin einfach so, und mehr sage ich dazu nicht. Ich bin Musikerin und möchte auch gerne als solche angenommen werden.

subtext.at: Bleiben wir gleich bei der Musikerin Christine Hödl und dem Album Pure. Nenne mir bitte einen Grund, weswegen man dieses Album besser nicht hören sollte.

Christine Hödl: (überlegt) Man soll es ja hören. Wenn jemandem diese Art von Musik nicht gefällt, dann halt nicht, dann wird er sich aber das Album auch nicht kaufen. Ich glaube, dass ich die Art von Musik mache, die entweder gefällt oder eben nicht. Das gibt es in allen Kunstbereichen – man polarisiert, und das ist auch gut so.

subtext.at: Hast du das Gefühl gehabt, dass die Zahl der Neider seit der „großen Chance“ größer geworden ist, auch von Musikern?

Christine Hödl: Nein, das könnte ich nicht bestätigen.

subtext.at: Also nicht der Eindruck, dass auch Musiker dir deinen Erfolg bei „Die große Chance“ übel nehmen? 

Christine Hödl: Ja, die wird’s sicher geben. Aber diese Menschen sind wir noch nicht begegnet.

subtext.at: Du machst ja nicht erst seit der „großen Chance“ Musik. Würdest du mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass du dein Hobby zum Beruf gemacht hast? Was ist der größte Unterschied zwischen Hobby und Beruf für dich?

Christine Hödl: Zum Teil ja. Musikalisch wurden mir einfach ganz andere Türen geöffnet, die vorher verschlossen blieben, oder wo man als No-Name-Musiker keine Chance hatte. Das war meine große Chance sozusagen.

subtext.at: Und auf der Bühne, was hat sich da verändert?

Christine Hödl: Die Bühne ist natürlich größer geworden. Die Art des Publikums hat sich auch geändert – die kommen alle wirklich wegen mir. Das war zwar vorher auch in Beisln der Fall, aber da war das Konzert eher als Nebensache zum Beisl-Gehen. Spaß hats aber natürlich trotzdem gemacht.

subtext.at: Kein Interview ohne Anekdote – dein schlimmstes Konzerterlebnis?

Christine Hödl: (überlegt) Das, was mir einfällt, war nicht schlimm, aber amüsant. Mehr mag ich nicht sagen.

subtext.at: Also nichts für die Öffentlichkeit?

Christine Hödl: Ich habe halt einfach zu viel Kohlensäure zu mir genommen, und das hat man dann halt auch mitgekriegt. Das war ja nicht mal peinlich, sondern lustig.

subtext.at: Christine Hödl – Privat: Was ist immer in deinem CD-Player zu finden, und was niemals?

Christine Hödl: Jack Johnson-Alben sind immer ganz oben, der begleitet mich schon lange. Nie, da fallt mir nichts ein. Jugendsünden oder sowas habe ich nicht.

Links und Webtipps:

Fotos: Christoph Thorwartl Photography

em

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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