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Diver – Sonnige Melancholie während der Eiszeit

Diver – Sonnige Melancholie während der Eiszeit

Mit einer Mischung aus allzubekannten Klängen schafft es die österreich-deutsche Formation Diver einen eigenen Stil zu kreieren. Und lässt einen träumen, von einer Welt ohne Minusgrade.

Nachdem sie vergangenes Jahr ihre Debüt-EP herausgebracht haben, legen sie 2012 mit dem ersten „richtigen“ Album namens Kites nach: die drei jungen Männer von Diver singen über Bäume und Drachen, über Sommer, London, über Illusionen und Angst. Und bieten einen schönen und sehr gelungenen Überblick über die verschiedenen Gemütszustände eines klassischen Indie-Folk-Menschen.

„Illusions“ eröffnet in bester Kings of Convenience-Manier: ruhige Grundstimmung, im Chor gesungener Refrain. Und schon träumt man von einem schattigen Plätzchen unter einem riesigen alten Baum, gemeinsam mit Freunden, und Diver irgendwo im Hintergrund, mit Gitarre und Gesang als schöne Hintergrundmusikuntermalung.

Die erste (wirklich) neue Single, „Summer“ erinnert mich wiederum an Mumford & Sons, „London“ ebenso. An Red House Painter muss ich bei „Comfort“ und „Care“, und irgendwie, da hat Eberhard Lauth von zib21.com schon recht, auch an die Fleet Foxes. Alles also nur der Versuch einer schlechten Kopie? Ein misslungenes Möchtegern-Wir-finden-unseren-Stil-irgendwann-mal-später-Album? Absolut nicht, nein.

Diese Folk-Pop-Indie-Songs von Diver sind gelungen. Ihre Referenzen zu den bekannten Vertreter dieses Genres wirken nicht aufgesetzt, nicht zwanghaft angeeignet. Man klingt eben ähnlich und hat es doch geschafft, schon zum ersten Album einen wahrhaft eigenen Stil zu kreieren. Mich lassen sie zumindest träumen, vom Sommer. Einem Sommer voll Melancholie. „I should have known it from the start.“

Wolfgang Bruckner, Olaf Schuberth und Stephan Ebert, so nennen sich die drei hinter Diver in der „echten Welt“, haben es geschafft. Haben mir wieder einmal gezeigt, dass diese österreichische Gemütlichkeit und zugleich die oftmals grundsätzliche Stimmung eines jungen Menschen, die Melancholie, wunderbar zusammenpassen. War mir Kings of Convenience teilweise (auf längere Sicht) schon fast zu langweilig, klingt „Kites“ sogar nach dem geschätzt zehnten Mal durchhören immer noch interessant. Mehr darf man sich ja gar nicht wünschen.

Lust auf Live? Aktuell sind Diver eh grad sehr brav unterwegs.

27/02/2012 – Scherbe, Graz
09/03/2012 – Parkhaus, Lakeside Club, Klagenfurt
23/03/2012 – Posthof, Linz (40 Jahre Amnesty International OÖ)
29/03/2012 – Filmgalerie, Krems
30/03/2012 – Theater am Saumarkt, Feldkirch

Bild: Pressefoto, (c) Nikolaus Ostermann

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29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

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