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Wolfgang Frisch: “Wenn man es macht, geht es auch irgendwie.“

Wolfgang Frisch: “Wenn man es macht, geht es auch irgendwie.“

Bei der elften Auflage des “Indie Native” im Linzer Posthof stellte der Produzent Wolfgang Frisch sein zweites Soloalbum “Watering the Land” live vor. Zuvor nahm sich der freundliche Sofa Surfer etwas Zeit für ein nettes Gespräch über das Künstlerdasein mit subtext.at.

Die Fragen stellte Kevin Mitrega.

subtext.at: Ich habe Dich zufällig im Theater an der Josefstadt bei der Inszenierung des „Lumpazivagabundus“ von Johann Nestroy erlebt und war erstaunt, da ich zuvor nicht wusste, dass die Sofa Surfers für die musikalische Untermalung verantwortlich sind. Wie ist es dazu gekommen?

Wolfgang Frisch: Soweit ich weiß, ist der Regisseur Georg Schmiedleitner von der Josefstadt gefragt worden, ob er den Lumpazivagabundus inszenieren will. Und wenn ich das richtig im Kopf habe, war es zwar keine Bedingung, aber er wollte etwas Eigenes zu dieser Produktion mitbringen und hat dabei an uns gedacht, weil er uns von den Wolf Haas Verfilmungen gekannt hatte und wollte schauen, ob er mit uns eine interessante Inszenierung an der Josefstadt umsetzen kann. Also es ist quasi vom Regisseur aus gegangen.

subtext.at: Es war auch eine durchaus moderne Inszenierung. Ich war positiv überrascht.

Wolfgang Frisch: Vergleiche kann ich nicht wirklich ziehen, da ich nicht so theaterbewandert bin aber ich glaube, das Stück kommt gut an. Die Kritiken sind durchwachsen aber eher positiv, glaube ich. Für uns ist es auch eine neue Situation.

subtext.at: Wie würdest Du die Arbeit schildern, immerhin hängt Theater und Film zwar zusammen, aber es hat auch seine Unterschiede.

Wolfgang Frisch: Es ist ein Unterschied, ja. Nachdem wir bei den Aufführungen auf der Bühne sind, ist es recht zeitaufwändig. Beim Film muss man – wie soll ich sagen – etwas konkreter sein, da hat man weniger Zeit und dann ist auch das, was man macht, die endgültige Version. Also nach einer Probierphase gibt es dann eine Abnahme, wo die endgültigen Sachen da sein müssen. Beim Theater kann man quasi immer wieder ein bisschen neu adaptieren und entwickeln. Es ist schon eine recht unterschiedliche Arbeit, zumal wir auch als Band im Theater sind. Wenn wir Filmmusik machen, sind wir doch eher vor unseren Computern, wo wir dann die Musik machen. Es ist derzeit (im Theater) etwas direkter, im Prinzip eben live.

subtext.at: Es scheint ja generell ein großes Betätigungsfeld der Sofa Surfers zu sein – ich sage mal – Ambiente zu schaffen. Beim Film, beim Theater und die Platten sprechen ja auch irgendwo eine Stimmung an.

Wolfgang Frisch: Genau, das ist auch sehr wichtig für uns, dass wir ein breiteres Betätigungsfeld haben, wie du sagst. Es ist auch finanziell das einzig Sinnvolle (lacht). Wir brauchen quasi auch andere Produktionen, damit wir das für uns halbwegs über die Runden bringen.

subtext.at: Was käme denn als nächster Schritt? Ich habe gelesen, dass Dich Orchestermusik reizen würde.

Wolfgang Frisch: Würde mich nach wie vor sehr reizen. Das ist zum einen eine Budgetfrage, ich habe jetzt auch nichts Konkretes im Kopf. Ein Orchesterprojekt ist halt wahnsinnig kostspielig und bedarf einer recht ausführlichen Vorbereitung. Man müsste im Vorhinein schon wissen, was wie möglich ist um das konkret angehen zu können. Ich habe bereits ganz viele Orchestersachen so ins Blaue probiert, ist voll okay, es gibt viele Ideen auf Lager, aber um das wirklich umsetzen zu können, müsste ich einen konkreten Plan haben, logischerweise Unmengen an Personen, die daran beteiligt sind und das ist dann auch sehr kostspielig. Aber rein vom Prinzip her wäre das eine wahnsinnig spannende Aufgabe.

subtext.at: Ich habe auch gelesen, dass eine neue Sofa Surfers Platte im September 2012 erscheinen soll. Ist das noch aktuell?

Wolfgang Frisch: Ja, das wird voraussichtlich auch so sein, wenn nichts dazwischen kommt. Da sind wir in der noch nicht ganz heißen Endphase aber so langsam bahnt sich da etwas an. Wir sind da auch schon länger dran, da arbeiten wir schon eineinhalb bis zwei Jahre daran mit unterschiedlichen Ansätzen. Wir sind nächste Woche für die Drums im Studio und feilen daran.

subtext.at: Da sind wir mal gespannt. Dein zweites Soloalbum „Watering the Land“ ist vergangenen Herbst erschienen – wie kommt es denn an? „Velvet“ beispielsweise ist ja sehr erfolgreich auf FM4.

Wolfgang Frisch: Ja, das ist recht erfolgreich, beim Rest kann ich es schwer sagen. Es gibt unterschiedliches Echo. Ich bin froh, dass es so angenommen wird, wie es ist, quasi ein vielseitiges Produkt, das meiner Meinung nach einen Faden hat aber vielseitig ist. Aber so, kommt mir vor, nehmen es die Leute auch an, das ist mir wichtig. Es gibt wahrscheinlich Leute, die sagen, mit Sofa Surfers hat das wenig zu tun. Das ist auch legitim, hat es auch, muss man sagen, es ist doch ein wenig was anderes, aber deswegen macht man es auch, weil es innerhalb der Band ganz anders werden würde.

subtext.at: Das bringt auf folgende Frage: Du trittst auf als Wolfgang Frisch mit Band. Sieht man Dich da als Sofa Surfer?

Wolfgang Frisch: Schwer zu sagen, da müsstest du andere fragen. Es ist natürlich vom rein technischen Zusammenhang her ein recht ähnliches Konzept, so dass es quasi vom Laptop Playbackeinspielungen gibt, die Instrumente bringen, weil halt eine riesen Band nicht machbar ist in so einem Rahmen. Es gibt Live-Schlagzeug, also von der technischen Umsetzung ist es ähnlich. Es gibt Parallelen, Einspielungen in Verbindung mit Live-Drums, Live-Bass und Visuals. Normalerweise, heute ist es leider nicht möglich, das ist ein bisschen schlecht kommuniziert worden aber normalerweise gibt es die Wolfgang Frisch Shows immer mit Live-Visuals, was leider heute nicht möglich ist, weil kein Rahmen dazu vorhanden ist. Insofern sind Parallelen da, aber ich finde, es ist musikalisch eine andere Welt und ich glaube auch, dass das die Leute dann auch differenzieren. Ob es wirklich so ist, kann ich natürlich schwer sagen.

subtext.at: Also machen Dir Vergleiche nicht viel aus?

Wolfgang Frisch: Was soll ich mir auch daraus machen? Wenn mich jemand darauf anspricht, dann sehe ich, was der dann sagt, also prinzipiell…

subtext.at: Naja aber es gibt auch andere Solokünstler, die darunter leiden, weil sie ewig im Schatten der Band stehen…

Wolfgang Frisch: Also ich stehe mit Sicherheit im Schatten der Band (lacht). Insofern, was soll ich mich darum kümmern…

subtext.at: Kurz noch zu den Sofa Surfers: Ihr seid ja insofern interessant, da ihr nicht nur eine Band seid, sondern im Grunde auch ein Kollektiv und mit Monoscope auch ein Label. Was sind die Sofa Surfers für Dich?

Wolfgang Frisch: Also für uns sind wir in erster Linie eine Band. So haben wir begonnen und so sind wie nach wie vor. Eine Band, die aus einem Produzentenkollektiv besteht, weil das einfach in der Phase, in der wir gemeinsamen begonnen haben Musik zu machen, so war. Drei von der Band machen schon sehr sehr lange Musik, wahrscheinlich schon über 20 Jahre, ich mittlerweile schon seit 15 Jahren mit den anderen. In der Zeit, wo wir begonnen haben, zu viert Musik zu machen, wo auch das Sampling aufgekommen ist, da war die Produzententätigkeit innerhalb einer Band schon viel vorrangiger als es davor war. Insofern würden wir uns immer als Band/Produzentenkollektiv/was auch immer sehen. Für uns war das nie so ein Unterschied, ist es auch heute nicht. Ein Bandgefüge, in dem alles möglich ist, als solches würden wir uns sehen.

Mittlerweile ist halt das Label dazugekommen, das ganze Umfeld hat sich geändert. Das sind Dinge, mit denen man im Laufe der Zeit umgehen muss, weil in der Peripherie Veränderungen stattfinden. Da muss man schauen, dass man sich anpasst, damit man selber weitermachen kann. Wir sind nicht die größten Labelbetreiber (lacht), das macht uns mittelviel Spaß. Wir machen es, weil wir es machen müssen. Ist halt so (lacht).

subtext.at: Ich finde, das zeichnet euch auch aus, dass ihr alles selbst in die Hand nehmt. Das Ruder ist großteils eigentlich in eurer Hand.

Wolfgang Frisch: Es ist eigentlich in unserer Hand, das hat auch seine Nachteile, weil wir beschränkt sind in unseren Fähigkeiten was Labelarbeit betrifft. Das ist nicht unser Metier. Wenn wir es uns leisten könnten, würden wir alles auslagern, aber es geht in Zeiten wie diesen eben nicht so leicht. Die Kontrolle ist bei uns, das ist super. Es gibt auch vieles, was wir nicht wissen, was man als Label machen kann, also es hat nicht nur Vorteile. Es gibt auch Leute, die wissen, was man da macht, wie man es macht, die das besser könnten. Im Moment gibt es niemanden für uns, der das für uns so umsetzen könnte.

subtext.at: Würdest Du sagen, dass das in Zeiten der Digitalisierung der moderne Weg im Business ist, soviel wie möglich selbst zu machen?

Wolfgang Frisch: Ich kann es leider so schwer sagen, weil ich weder eine Ahnung davon habe, was sich in Zukunft entwickeln wird, noch weiß ich, was im Moment wirklich passiert. Ich kann nur von uns ausgehen. Für uns haben sich gewisse Optionen so ergeben, wie sie sind. Und was jetzt gerade wer macht? Ich habe keine Ahnung. Ich kann da wirklich keine Prognosen abgeben, ich kann nur vom Status Quo, in dem wir uns befinden, reden. Alles andere entzieht sich meiner Kenntnis, muss ich ehrlich sagen.

subtext.at: Aber ihr habt zumindest den Vergleich, da ihr bereits bei einem anderen Label wart.

Wolfgang Frisch: Wir waren bei einem anderen Label, das hat auch seine Vor- und Nachteile. Es geht ein bisschen Hand-in-Hand. Du hast beispielsweise bei einem Release zeitlich gesehen die Freiheit, wenn du das selber machst. Bei einem Label musst du dich danach richten, was das Label im Moment mit anderen Künstlern macht, wer wann was rausbringt, was das Label zeitlich sinnvoll betreuen kann. Diese Komponente fällt weg. Aber die Komponente, bei der ein Release ausführlich geplant ist, wo du jemanden hast, der nur so etwas macht, der auch wahrscheinlich mehr Ahnung davon hat, die hast du so nicht. Es hat seine guten und seine schlechten Seiten.

subtext.at: Klingt nach viel Arbeit.

Wolfgang Frisch: Ja, es ist auch unser Beruf. Wir leben ja fast alle davon.

subtext.at: Wie lebt es sich von der Kunst?

Wolfgang Frisch: Pff. Mal so mal so (lacht). Eben durch Theater, Film und so geht das schon.

subtext.at: Ich stelle es mir dennoch spannend vor, da man zumindest die persönliche Satisfaction hat.

Wolfgang Frisch: Total! Man muss aber trotzdem schauen, dass man sich dessen bewusst ist, was man gerade tut. Es ist nicht so, dass das selbstverständlich ist. Jeden Tag zu sagen: ”Genau das will ich jetzt machen…” Also so ist es nicht. Man muss sich diesen Punkt immer bewusst machen. Aber gut, das ist okay.

subtext.at: Du bist ja Familienvater. Wie vereinst Du ein solch ungeregeltes und sehr zeitintensives Leben als Künstler mit Deinem Privatleben?

Wolfgang Frisch: Im Moment sehr schlecht. Es ist gerade so: Die Familie ist mittelbegeistert (lacht). Aber es geht schon. Es ist eben durch das Theater, nachdem wir bei allen Aufführungen in der Josefstadt die ganze Zeit auf der Bühne sind und nicht nur die Musik abgeliefert haben, sondern sie auch spielen und immer dort sein müssen, zeitlich alles ein bisschen knapp aber das wird sich auch wieder einrenken. Es gibt aber auch Vorteile. Ich kann mir meine Tage zeitlich teilweise besser einteilen als vielleicht Leute, die eine Anstellung haben, das ist natürlich ein Vorteil. Manchmal gibt es Stoßzeiten, in denen ich schlechter verfügbar bin und dann gibt es wieder Stoßzeiten, in denen ich besser verfügbar bin als andere Familienväter.

subtext.at: Wird Wolfgang Frisch im Alter auch noch Musik machen?

Wolfgang Frisch: Also ich nehme es einmal an. Wenn nichts Gröberes dazwischen kommt, kann ich mir nichts anderes vorstellen.

subtext.at: Macht man sich eigentlich darüber Gedanken, wie lange man von der Kunst noch leben kann?

Wolfgang Frisch: Kommt immer wieder vor. Es ist nicht etwas, das selbstverständlich für uns oder mich ist. Man macht sich immer wieder solche Gedanken und letztlich kommt man drauf: Wenn man es macht, geht es auch irgendwie. Ich weiß nicht, ob das für alle zutrifft, aber ich gehe in letzter Zeit immer mehr dazu über, darauf zu vertrauen, dass es, solange man es will, auch funktioniert. Ob es wirklich so ist, weiß ich nicht (lacht). Im Moment fühlt es sich so an.

subtext.at: Interessant, denn ich habe gelesen, dass die Familien der Bandmitglieder dazu geführt haben, dass die Arbeitsprozesse effizienter wurden.

Wolfgang Frisch: Es ist auch so. Wir haben früher sicherlich in kürzeren Zeitabschnitten weniger Output gehabt. Es ist auch diese Phase des Schleifenlassens, des Treibenlassens eine wichtige kreative Phase. Da beißt sich die Katze ein bisschen in den Schwanz, weil auch dieses – ich kann es schwer in Worte fassen – das ist für eine kreative Arbeit nicht unwesentlich. Auf der anderen Seite hat das Fokussierte auch seine Vorteile.

subtext.at: „Gut Ding braucht Weile.“

Wolfgang Frisch: Genau, und es gibt auch vieles, was man im Moment nicht formulieren kann und sich irgendwie anbahnt und das braucht, wie du sagst, eben seine Zeit. Das ist auch etwas, was wir zu deichseln versuchen, eben dass es okay ist, dass man gerade nicht effizient ist in dem Zeitrahmen, der einem gegeben ist, wo man davon ausgeht, dass man arbeiten geht und etwas abschließt. Ich erlaube mir im Moment gerade wieder mehr, dass ich nicht das Gefühl haben muss, etwas abschließen zu müssen. Das ist aber auch eine Sache der Persönlichkeit, glaube ich. Ich glaube, wenn man mehr Verantwortung hat, dann muss man auch mehr leisten. Im Moment gehe ich in die andere Richtung über (lacht). Mal schauen, ob das gut geht (lacht).

subtext.at: Dann wünschen wir Dir natürlich alles Gute auf diesem Weg, einen guten Auftritt, und ich bedanke mich für das Gespräch.

Wolfgang Frisch: Danke.

Links:

Wolfgang Frisch: Webseite // Facebook

Foto: David Sailer

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