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Eine Geschichte mit bunten Bildern: Das Next Comic Festival 2012

Eine Geschichte mit bunten Bildern: Das Next Comic Festival 2012

Die Linzer Landespolitik sitzt im Kino, Sparkassenleiter, Karikaturisten und der Landeshauptmann vergleichen ihr Alter mit dem Sparefroh und verkleidete Traunkirchner singen von verkaterten Schafen. Anders ausgedrückt – am Donnerstag, 15. 3. fand die Eröffnung des vierten Next Comic Festivals im Linzer Programmkino Moviemento statt.

Das Next Comic hat seinen geistigen Ursprung beim Linzer Comicexperten und lin_c Herausgeber Gottfried Gusenbauer, der sein Festival im Kulturhauptstadtjahr 2009 – dank der guten Finanzierungslage – erstmals verwirklichen konnte. Inzwischen Direktor des Karikaturenmuseums in Krems, ist er als Festivalleiter zurückgetreten und agiert seit heuer aus dem Hintergrund.

Wie in den letzten Jahren beteiligte sich der Großteil der öffentlichen Ausstellungsorte in Linz am Next Comic. Es wurden ComiczeichnerInnen eingeladen, die wohl für die Meisten bisher nur die unbekannten Gestalten hinter ihren gezeichneten HeldInnen waren.
Am Wochenende konnte man sich im Volkshaus Bindermichl zum Beispiel neben zahlreichen neuen Heften auf der Comictauschbörse auch ein Autogramm vom Disney Zeichner Flemming Andersen holen. Letztes Jahr war der Star Achdé, der Schöpfer von Lucky Luke. Der hat 2011 auch einen neuen Character für Linz hinterlassen: Den ersten Fisch im interaktiven Aquarium des AEC, das seither von BesucherInnen befüllt wird.

In den ersten vier Tagen des Festival fanden mehr als 20 Eröffnungen statt. Am Donnerstag ging es nach der Eröffnung im OK, wo unter anderem Lego– und AUVA Comicworkshops angeboten wurden, ins Lentos. Der Karikaturist Rudi Klein stellte in gewohnt minimalistischer Manier seine Ausstellung vor. Danach gings weiter zum Atelierhaus Salzamt. Es ist einer von drei Eröffnungstermine, welche die Hamburger Comickünstlerin Ludmilla Bartscht dank eines Druckfehlers für ihre Ausstellung „Home Sweet Home“ bekommen hat. Ihr Aufruf, Postkarten dafür zu zeichnen, befand sich schon seit Herbst in den Mailboxen sämtlicher Kunstunistudierender in Linz.

Bartscht ist gemeinsam mit 21 Zeichnerinnen auch im OÖ Kunstverein zu sehen. Seit 2004 geben sie das Magazin Spring! heraus und haben ihre Arbeiten fürs Next Comic in einem Best-Of zusammengefasst. Die Ausstellung findet im Ursulinenhof statt, ebenso wie „What’s Life?“ der BVOÖ, „Mordsg’schichten“ von Peter Schiller, „Comic Impressions“ von Andre Janout und einer Sammlung von Darstellungen und Deutungen der Oberösterreichischen Politik aller hier ansässigen Karikaturisten (im Presseclub).

Falls jemandem der Youtube-Lyriker Harald Havas bekannt vorkommt – er vertont unter anderem poetische Ergüsse der Trackshittaz oder Skeros „Kabinenparty“ neu – der läuft während dem Festival auch zwischen OK und Wissensturm hin und her. Sein Beruf ist Comiczeichner und als solcher stellt er seine Comics bei der AUVA im OK vor und erklärt im Wissensturm anhand einer weiteren Ausstellung wie das Zeichnen der betexteten Bilder funktioniert.

Weitere Empfehlungen der in Linz verteilten Ausstellungsorte sind der Kunstraum Goethestraße mit „Alle Worte sind aus“, einer Ausstellung die aus Postkarten von 20 Künstlern und Künstlerinnen entstanden ist. Sie zeigen die Originale zum erwerbbaren Einheitsformat. Die Hälfte von ihnen war am Samstag anwesend, unter ihnen Edith Stauber die mit ihren Piktogrammen Geschichten erzählt und gleichzeitig viel Interpreteationsspielraum lässt und Julius Deutschbauer, der wieder einmal eine Partei gegründet hat, dieses Jahr eine pro institutionelle Kürzung.

Aisha Franz aus Berlin hat sich den ersten Stock der Kapu gesichert. Ihre Geschichten von Chantal Müller, der Hartz 4 Superheldin oder Brigitte, der Hündin und Geheimagentin die sich viel zu schnell verliebt sind so gekonnt schlecht gezeichnet, dass man dahinter nur ein echtes Zeichentalent vermuten kann.

Weitere Veranstaltungsorte sind der Kunstverein Paradigma, die Künstlervereinigung MAERZ, nomadenetappe, das Stifterhaus, der Posthof, das Ars Electronica Center, die Grottenbahn, das Gasthaus zur Alten Welt, die GalerieHofkabinett und der Rothe Krebs der als einziger das Thema Comic so frei interpretiert hat, dass halt Stift und Papier gegen Turntables und YouTube Videos eingetauscht wurden.

Nach wie vor ist der Hauptveranstaltungsort des Festivals im OK. Der „Mainact“ des Comicfestivals konnte auch dank diesem eingeladen werden. Es handelt sich dabei um Architekten. „Yes is More“ ist eine Comicausstellung der Gewinner der Architektur-Biennale in Venedig 2010. Das dänische Kollektiv nennt sich BIG, nach dem Leiter Bjarke Ingels (Group) und der hatte auch die Idee ihre eigene Geschichte und die Entwicklung der Architektur in einem Comic zu verpacken. Zu sehen ist dieses nun auf einem 60 m langen Rundgang im großen Saal vom OK.

Man kann das Buch „Yes is more“ aber auch in handgerechtem Umfang lesen. Es liegt bei der Ausstellung selbst und in der Festivallounge im Mediendeck (4. Stock) auf wo es vom Wiener Comic- und Graphic Novell Vertreiber Pictopia verkauft wird.
Im Mediendeck fanden am Samstag und Sonntag auch Lectures und Signiertermine der meisten ComiczeichnerInnen statt, die es zu ihren Ausstellungen nach Linz geschafft hatten.
Zum Abschluss vom Festival aber als Fortsetzung der Comickultur hierzulande eröffnete am Do, 22. 3. Im Medienkulturhaus Wels die Ausstellung „Unkraut kocht“. Man lasse sich auch diese auf den Augen zergehen.


Fotos: a_kep

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