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Projekt Homophobia – „Selbstakzeptanz führt zu Stärke“

Projekt Homophobia – „Selbstakzeptanz führt zu Stärke“

Der junge Regisseur und Drehbuchautor Gregor Schmidinger hat Ende Februar sein aktuellen Film in Linz und Zwettl abgedreht. Homophobia erzählt die Geschichte eines jungen Rekruten an der burgenländischen Grenze, der sich zu einem seiner Kameraden hingezogen fühlt und von Anderen deswegen gemobbt wird. Ein Interview zum Film.

Mehr als 30 Leute hat Gregor Schmidinger für die Arbeit an seinem Projekt begeistern können. Von Schauspielern und Statisten über Spezialisten für Kamera, Ton, Licht, Ausstattung und Maske bis hin zu guten Geistern, die das ganze Team auch noch mit Essen und Getränken versorgten, für alles war gesorgt. Die ehrenamtliche und engagierte Mitarbeit aller Beteiligten ermöglichte es, mit einem durch Crowdfunding und Fördergelder aufgestelltem Budget in nur fünf Tagen ein komplexen und tiefgründigen Kurzfilm entstehen zu lassen. Als Drehorte diente die Tabakfabrik Linz, die Eishalle der LinzAG, der Mühlkreisbahnhof und ein finsterer verschneiter Wald bei Zwettl.

Wir haben Gregor Schmidinger per Mail zum Interview gebeten um ein bisschen über die Hintergründe seines Schaffens zu erzählen.

subtext.at: Du hast bereits in jungen Jahren begonnen Filme zu machen. Gab es einen Auslöser wie Personen oder spezielle Erlebnisse die dich zum Filmen gebracht haben oder dich beeinflusst haben? Welche „Filmemacher-Laufbahn“ folgte anschließend?

Gregor Schmidinger: Ich kann mich noch erinnern als ich damals mit acht Jahren den Film „Free Willy“ im Kino sah. Als wir wieder zuhause waren, setze ich mich hin und erzählte die Geschichte auf 13 Seiten in eigenen Worten nach. Es dürfte etwa so in diesem Alter gewesen sein als ich meine Liebe zu Geschichten im Allgemeinen und zum bewegten Bild im Speziellen entdeckte. Ich könnte es aber jetzt nicht auf ein einzelnes Ereignis oder eine einzelne Person zurückführen.

Danach hab ich viel mit einem Camcorder und Freunden experimentiert bis ich dann mit 15 Jahren meinen ersten richtigen Kurzfilm gemacht habe. Seitdem habe ich mich dann nur noch auf das Filmemachen konzentriert. Nach dem BORG in Bad Leonfelden begann ich, an der Fachhochschule in Salzburg „Digitales Fernsehen“ zu studieren, währenddessen ich auch ein Austauschjahr an der Bowling Green State University am „Department of Theater and Film“ gemacht habe. Im Moment bin ich mitten in meiner Ausbildung zum Drehbuchautor an der University of California in Los Angeles.

subtext.at: Was war dein allererstes Filmprojekt? Wie lange danach kam dann der „Durchbruch“ bzw. was hat sich inzwischen an der Arbeit an deinen Filmprojekten verändert?

Gregor Schmidinger: Mein erstes „richtiges“ Filmprojekt war „Love – Your Deepest Fears Become True“. Dabei ging es um einen Jungen, der unglücklich in ein Mädchen verliebt ist und sich in einen komatösen Zustand betrinkt. Wir folgen ihm in sein Unterbewusstsein wo er sich auf symbolischer Ebene dem Konflikt stellt.

Danach realisierte ich einige Kurzfilmprojekte bis ich dann mit „The Boy Next Door“ meinen „Durchbruch“ hatte. Hier merkte ich zum ersten mal, dass wenn ich eine für mich emotional authentische Geschichte erzähle, damit viele Menschen erreichen kann. Mittlerweile wurde der Kurzfilm ja nahezu an die drei Millionen mal auf verschiedenen Videoplattformen aufgerufen.

subtext.at: Auf was legst du besonders Wert bei deinen Filmprojekten? Welche spezielle Bedeutung haben für dich Technik, Schauspieler, Drehbuch, usw?

Gregor Schmidinger: Als ich begonnen habe, habe ich mich natürlich sehr stark auf die Technik konzentriert, da Technik kontrollierbar ist. Ich mag es noch immer mit Technik zu spielen und interessiere mich vor allem für neue Entwicklungen und wie man diese zum Erzählen einer Geschichte verwenden kann aber gleichzeitig sehe ich Technik nur noch als Werkzeug und konzentriere mich auf die für mich zwei wichtigsten Komponenten – das Drehbuch und die Schauspieler. Beide bilden für mich das Fundament eines Filmes und mein Ziel ist es, beide Disziplinen, das Schreiben von Drehbüchern und die Schauspielführung, zu meistern.

Ebenfalls befinde ich mich noch mitten in meiner künstlerischen Entwicklung, in der ich beginne meine Lebensthemen und Erfahrungskomplexe zu identifizieren und auszudrücken. Kunst ist für mich letzten Endes nichts anderes als der Ausdruck subjektiver Erfahrung. Das bedeutet nicht, dass meine Geschichten autobiografisch sind. Vielmehr drücke ich meine Weltsicht, die natürlich durch meine Erfahrungen geprägt ist, damit aus. Dies benötigt aber vor allem vertrauen in sich selbst und den Mut auch in die Schattenbereiche seines Selbst zu blicken.

subtext.at: Ein Film von dir „ The Boy Next Door“ und dein aktuelles Filmprojekt „Homophobia“ beschäftigen sich mit dem Thema Homosexualität. Was hat dich dazu bewogen, ein solches Tabuthema in den Mittelpunkt zu stellen?

Gregor Schmidinger: Da ich selbst homosexuell Gefühle erfahre beschäftigen mich diese Themen natürlich bereits seit meiner Pubertät. In dem ich Geschichten darüber schreibe, habe ich die Möglichkeit, mich mit dem Thema auf einer emotional Ebene intensiv auseinanderzusetzen, was auch mich in meiner persönlichen Entwicklung extrem weiterbringt. Vor allem an Project Homophobia bin ich bereits selbst emotional enorm gewachsen.

subtext.at: Du hast in den USA studiert bzw studierst noch dort. Glaubst du, dass die Amerikaner offener mit „Tabuthemen“  wie Homosexualität umgehen, als die Europäer? Wenn ja, wie äußert sich das?

Gregor Schmidinger: Ich glaube, dass die amerikanische Mentalität im Allgemeinen eine offenere ist. Das heißt nicht, dass es generell eine liberalere Mentalität ist, aber manche Themen werden einfach direkter angesprochen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir uns gerade hier in Österreich zu oft in wissenschaftliche Diskurse verstricken, wo man irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Ich gehe Themen gerne auf einer emotionalen Erfahrungsebene an, bin dafür aber auch schon als pathetisch und populistisch bezeichnet worden.

subtext.at: Welche Botschaft willst du den Zusehern mit deinem Film „Homophobia“ vermitteln?

Gregor Schmidinger: Einerseits richtet sich der Film an all jene, die sich in einer ähnlichen Situation wie der Protagonist Michael befinden. Als Kern steht hier die Aussage „Selbstakzeptanz führt zu Stärke“. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Selbstakzeptanz tatsächlich zu Stärke und enormer Energie führt und ich glaube auch, dass wenn man sich selbst akzeptiert, es auch anderen einfacher fällt einen zu akzeptieren.

Alle anderen soll der Film zeigen, dass auch wenn man selbst zB nicht homophob ist, man dennoch eine Verantwortung hat und das man Schweigen auch als Mittäterschaft ansehen kann. Durch die emphatische Kraft von Filmen, dass das Gefühl all jener, die sich eben in so einer Situation befinden, erlebbar macht, möchte ich die Zuseher zum Handeln motivieren.

subtext.at: Welche Tipps kannst du jungen Filmschaffenden geben bzw. welche Möglichkeiten haben junge Filmemacher speziell in Österreich?

Gregor Schmidinger: Ich denke, dass es nie eine Bessere Zeit gegeben hat um Filme zu machen. Die Technik ist erschwinglich und die Möglichkeiten ein weltweites Publikum zu erreichen waren nie so einfach wie heute.

Einen Rat dem ich jeden angehenden Filmemacher mitgebe ist 1) mache nicht nur einen Film um einen Film zu machen, sondern erzähle eine Geschichte und 2) sei experimentierfreudig und mache etwas nicht nur so weil es schon immer so gemacht wurde. Die komplette Medienbranche steckt momentan in einer großen Transformation und jetzt ist die Möglichkeit mit zu gestalten und von Anfang an dabei zu sein.

subtext.at: Sind weitere Projekte in Planung? Wenn ja, welche?

Gregor Schmidinger: Ideen gibt es viele. Momentan brüte ich im Hinterkopf immer wieder mal an einer Geschichte, die ich schon seit einigen Jahren mit mir herumtrage. Wie bereits erwähnt interessiere ich mich ja generell sehr für die Evolution von Technologie und Medien und wie man diese Entwicklungen für das Erzählen von Geschichten nutzen kann. In diesem konkreten Fall geht es in die Richtung transmedialer Erzähltechniken. Aber jetzt konzentriere ich mich erstmal auf die Fertigstellung von „Project Homophobia“.

 

Der Film wird am  11. Mai in Wien präsentiert und ist kurz darauf online verfügbar. Ein spannendes MakingOf-Video gibt’s bereits auf Youtube und viele weitere Infos uns Fotos vom Set findet ihr unter www.projecthomophobia.com

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Ich, ein Mädel aus Linzer Umgebung schreibe liebend gerne Konzert-Reviews, Filmkritiken und so manch anderes über Kultur, Leute und dem ganzen Drumherum. Wortspielereien mit Gefühlen, die echten Tatsachen und Stimmungen sind mein Metier, in dem ich mich am Wohlsten fühle. Kultur wie sie leibt & lebt im Linzer Raum und sonstwo, am Puls der Zeit, niemals vergessen, sondern dokumentiert, hier auf subtext.at Das ist meine Welt, ahoi!

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