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BIRDY: Die Suche nach der eigenen Handschrift

BIRDY: Die Suche nach der eigenen Handschrift

Tja, wo ist sie bloß geblieben, die jugendliche Leichtigkeit? Jasmine van den Bogaerde ist gerade mal dem Schulalter entwachsen, schon veröffentlicht sie ein mit Kritikerlob wahrlich überschüttetes Debütalbum. „Birdy“ vereint elf Songs, die so klingen, wie das Mädchen auf dem Cover nun mal aussieht. Balladenartige Töne zwischen talentierter, mustergültiger Präzision und klassischem Wohlklang.

Es ist immer etwas heikel, als Interpret mit einem Coversong bekannt zu werden. Es wird automatisch verglichen, abgewägt und gegenübergestellt. Birdy fällt wohl unter die Rubrik Klassik für die Generation iPhone, obwohl das eigentliche Material auf ihrer Platte nicht wirklich in diesem Genre zuhause ist. Es ist eine ausgewogene Sammlung introvertierter, schöner wie trauriger Lieder, darunter eine einzige Eigenkomposition, die allesamt von solchen prominenten Komponisten wie Bon Iver, Ben Gibbard (Death Cab For Cutie/ The Postal Service), The XX, Fleet Foxes oder The National stammen. Geschmack hat sie mit ihren fünfzehn Jahren, muss man schon zugeben. Soll die Indie-Polizei doch meckern, dass es hier nur um die Vermarktung eines fertigen Produktes geht. Ich sehe das anders. Bei all der Vielfältigkeit macht das Album dennoch einen höchst geschlossenen Eindruck. Da kam zusammen, was zusammenpasst.

Ein melancholischer Grundanstrich, zurückhaltend und leicht wie eine Feder. Dieses Gefühl bleibt bestehen. Über das majestätische „Skinny Love“ muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Selbst ins Formatradio hat es die elegische Nummer geschafft. „Shelter“ ist genau so wundervoll, innig und „blue“ – es ist dieses Gefühl, fast so, als säße man neben ihr auf dem Bett, während sie auf dem Klavier ihre Songs spielt und erstaunlich belesen und weise klingt. Ach ja. Im fantastischen „The District Sleeps Tonight“ vermischt sich ihre Stimme zwischen den Bits und Bytes ganz prächtig. Das Original erreicht für mich leider nie diese Intensität. In „Young Blood“ (The Naked And Famous) wiederum fällt das Ergebnis nicht ganz so toll aus. Dennoch hörenswert.

Ist Birdy die moderne Variante einer Dorothy Gale, oder steckt hinter dem sensibel wirkenden Mädchen doch weit mehr, als ihr manche zutrauen möchten? Ihre von leiser Schwere gefärbte Stimme hat mich jedenfalls sofort in ihren Bann gezogen. Bleibt zu hoffen, dass der Vogel auf dem Drahtseil nicht heftig ins Wanken gerät.

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