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Crossing Europe 2012 Kritik: „Weekend“

Crossing Europe 2012 Kritik: „Weekend“

„Weekend“ behandelt das Tabuthema „Homosexualität“ auf eine sehr liebensvolle Art und Weise. Meistens werden Männer, die Männer lieben, bei uns in der Gesellschaft schief angesehen oder mit „Schwuchtel“, „Tunte“ oder anderen Dingen beschimpft. Man wirft ihnen vor, warum sie „anders“ sind als andere und den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen.

Auch in Linz gibt es einen Treffpunkt für Homosexuelle, die „HOSI LINZ“, doch auch im 21. Jahrhundert  haben viele Leute ein Problem, offen mit Homosexualität umzugehen oder sie anzuerkennen, auch in Linz. Andrew Haigh versucht mit seinem dokumentarischen Spielfilm „WEEKEND“ dieses Tabuthema zu brechen, vielleicht auch in Linz.

Wie der Filmtitel schon erkennen lässt, dauert der Handlungsstrang ein Wochenende lang. Zwei schwule Männer lernen sich in einer Bar kennen, verbringen spontan eine Nacht zusammen und lassen die nächsten Tage auf sich zukommen, ohne zu wissen, dass daraus mehr entstehen könnte. Unterschiedlich gehen die beiden Männer namens Glen und Russell, mit ihren Gefühlen um. Zwei verschiedene Persönlichkeiten. Russell: Romantischer Bademeister, bescheiden, fühlt sich mit seiner Homosexualität nur in seiner Wohnung wohl, schämt sich aber in der Öffentlichkeit dafür. Glen ist komplettes Gegenteil: Er posaunt in aller Öffentlichkeit seine Homosexualität hinaus, redet offen über Männer-Geschlechtsverkehr und ist sich dessen bewusst. Mit Hilfe seines Kunstprojektes, will er die Barrieren zwischen eines Scheins und eines Seins einer Persönlichkeit eines Menschens abbauen. Zuerst scheint alles etwas bedeutungslos und wirkt wie ein One-Night-Stand, doch sie merken, dass sie sich zueinander mehr zugezogen fühlen, als gedacht. Sie verbringen viel Zeit miteinander, sei es beim koksen, miteinander schlafen oder einfach nur um Spaß zu haben und um über Gott und die Welt zu quatschen. Liebevolle Annährerungen, offene sexuelle Gespräche über Vorlieben und zerbrecherische Gefühlsausbrüche kennzeichnen das Zusammensein der beiden. Als Glen Russell eröffnet, dass er nach Amerika gehen will, weil dort die Schwulen für ihre Rechte gekämpft haben und in der dortigen Gesellschaft eher akzeptiert werden, bricht für Russell eine Welt zusammen. Er gesteht ihm, dass er eine Beziehung mit Glen erhofft habe, doch dieser will von einer Beziehung gar nichts wissen. Am Bahnhof muss sich Russell nun endlich entscheiden, was er im Leben will, sich vor aller Welt verstecken und seine große Liebe gehen lassen oder sie zu zeigen, egal ob Beleidigungen fallen.

Andrew Haigh, geboren in Großbritannien, schafft es, den Zuseher von dem klischeehaften Bild von tuntigen Homosexuellen, dass oft in der heutigen Gesellschaft herrscht, zu widerlegen. Nicht alle Schwule sind tuntig, stehen auf rosa und Kitsch und wackeln mit dem Popo, wie eine Lolita. Vielleicht ist sogar dein Nachbar neben dir schwul und du weißt es gar nicht, weil der Schein trügt. Wenn er es wirklich sein würde, wie würdest du über ihn denken? Schlechter oder besser, als zuvor?

Der Film „Weekend“ hat mich sehr angesprochen, da man als Zuseher mit den beiden Hauptprotagonisten mitfühlt, ihre pure Authentizität miterleben kann und dem Thema „Homosexualität“ anders gegenüberstehen lernt.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:
5/5 Punkte

Mehr Infos auf crossingeurope.at
www.weekend-film.com

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Ich, ein Mädel aus Linzer Umgebung schreibe liebend gerne Konzert-Reviews, Filmkritiken und so manch anderes über Kultur, Leute und dem ganzen Drumherum. Wortspielereien mit Gefühlen, die echten Tatsachen und Stimmungen sind mein Metier, in dem ich mich am Wohlsten fühle. Kultur wie sie leibt & lebt im Linzer Raum und sonstwo, am Puls der Zeit, niemals vergessen, sondern dokumentiert, hier auf subtext.at Das ist meine Welt, ahoi!

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