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Filmkritik „Colonnade Park“

Filmkritik „Colonnade Park“

Die österreichische Filmemacherin Heidrun Holzfeind wendet sich mit diesem Film, den letzten Teil der dokumentarischen Triologie über modernistische Wohnarchitekturen zu. „Colonnade Park“ bezeichnet ein Hochhaus und deren beiden Pavilion-Gebäuden in Newark, New Jersey (USA).

1950 wurden diese erbaut, um der mittelständischen Elite, das Zentrum Newarks wieder schmackhaft zu machen. Heute leben die unterschiedlichsten Menschen in einem friedlichen Zusammensein dort: Menschen mit verschiedenen Nationalitäten, unterschiedlichen Sozialschichten, ungleichen Alter, diversen Berufen und Singles. Mit Hilfe von Interviews hielt Heidrun Holzfeind die Bewohner in ihrer individuell- gestalteten Wohnung und machte sich ein persönliches und dokumentarisches Bild fest. Hinter jeder Wohnung verbirgt sich eine eigene kleine Welt könnte man sagen. Kleine Apartments sind als Singlewohnungen beliebt und leistbar. Je weiter unten man im Gebäudekomplex wohnt, desto billiger ist die Miete, je höher man wohnt, desto teurer.

Doch für jeden Geldbeutel gibt es die passende Lösung. Auch für den kleinen Mann gibt es einen hauseigenen Shop, einen Friseur, einen Masseur, einen Tanzclub und noch vieles mehr. Gute Infrastruktur ermöglicht auch einen kurzen Weg zur Arbeitsstelle gleich um die Ecke. Etwas mehr als über 50 Stöcke zählt das „Colonnade“-Gebäude. Die Bewohner jedes Stockes und jedes Flures sind eine eingeschworene Gemeinschaft und „passen aufeinander auf“, wie sie sagen. Hier kennt jeder jeden und leistet auch wenn nötig Nachbarschaftshilfe. „Wenn ich nach Hause komme, riecht man einen Geruchs-Cocktail. Bei jeder Türe, bei der ich vorbeikomme, rieche ich unterschiedliches Essen. Zum Beispiel Komme ich bei den Koreanern gegenüber vorbei, riecht es lecker nach Fisch mit Reis, bei den Spaniern etwas weiter vorne nach schmackhaften Tortillas mit Tomatensauce und bei den Afro-Amerikanern nach genüßlichen heimischen Gerichten.“

Bei Heidrun Holzfeind´s Interviews erwirbt der Zuseher die Erkenntnis, dass jede Wohnung ihre eigene kleine Geschichte und ihren Bewohner hat. Sei es einen Architekten der auf engsten Raum in 1000enden Schubladen seine Pläne aufbewahrt, einen Musikliebhaber, der seine Plattensammlung in seiner ganzen Wohnung zur Schau stellt oder ein ehemaliges Model, das seinen Hund vergöttert. Dieser Film dokumentiert den Beweis, das auch Menschen in der Stadt, eine eingeschworene Gemeinschaft bilden können, ohne das die eigene Privatsphäre verletzt wird, das Miteinander anstatt Nebeneinander aber gefördert wird. Ein Gebäudekomplex, der Menschen unterschiedlicher Art und Weise zusammen leben lässt.

Mir hat die „Dokumentation“ sehr gut gefallen, da es spannend ist, hinter die Fassade einer Wohnung und dessen zugehörigen Bewohners zu blicken. Unterschiedliche Gründe, Antworten, Lebensweisen und Erkenntnisse, verpackt in einem witzigen Film: Prädikat unbedingt sehenswert! Ein Lob an die hervorragende Leistung von Heidrun Holzfeind!!

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion
5/5 Punkte

Mehr Infos zum Film unter crossingeurope.at

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Ich, ein Mädel aus Linzer Umgebung schreibe liebend gerne Konzert-Reviews, Filmkritiken und so manch anderes über Kultur, Leute und dem ganzen Drumherum. Wortspielereien mit Gefühlen, die echten Tatsachen und Stimmungen sind mein Metier, in dem ich mich am Wohlsten fühle. Kultur wie sie leibt & lebt im Linzer Raum und sonstwo, am Puls der Zeit, niemals vergessen, sondern dokumentiert, hier auf subtext.at Das ist meine Welt, ahoi!

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