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ALL THE YOUNG: Gott, der Tod und die Erben

ALL THE YOUNG: Gott, der Tod und die Erben

Junge Hüpfer zollen alten Hasen Tribut, werden zu Nachlassverwaltern und eifern vergangenen Helden nach. Tut ja momentan eh keiner so richtig. Trotzdem fehlt All The Young augenblicklich das Alleinstellungsmerkmal. Von den Originalen haben sie immerhin viel gelernt, doch noch sind sie kein Unikat. Zum Bruch mit Genre-Konventionen fehlt scheinbar der Mumm. Das Risiko gehört hier nicht zum Geschäft. Dieser stromlinienförmige Britpop liefert mehr Antworten als das er Fragen aufwirft.

Viele Gründe ebnen den Weg zu einer Band. Langeweile zum Beispiel. Das mangelnde Kulturangebot der Umgebung. Spaß. Der Wunsch, etwas zu probieren oder sich selbst etwas beweisen zu wollen. Es ist auch nicht verwerflich, Vorbilder zu haben. Manche Traditionen kommen eben nie aus der Mode. Das wissen auch All The Young. Die Gruppe um die Gebrüder Jack und Ryan Dooley ist bereit und hat frisches Musikgut aus Großbritannien für die nationalen und internationalen Charts in petto. Manche Spatzen pfeifen es schon von den Dächern – ob wir es hier mit den neuen Oasis zu tun bekommen?

„Welcome Home“ ist so sehr in sich selbst versunken, dass man es anfangs für obsolet halten könnte, um dann doch zu merken, wie umgänglich sich die Lieder geben. Die zehn Songs, die gerne Sofort-Hits wären und mit äußerster Präzision geformt sind, liefern sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen in Puncto Eingängigkeit. Ein hymnischer Mitsingfaktor ist gegeben, Assoziationen zu den Manics, zu Feeder oder den Stereophonics sind indessen nicht zu umgehen. Sänger Ryan verleiht dem Material trotzdem den richtigen Schwung. All The Youngs vornehmste Fähigkeit besteht überhaupt darin, Alltagsthemen so schwungvoll in Musik zu übertragen. Gefühlvolle Refrains, radiotaugliche Melodien, wippende Seligkeit und schöne Gefälligkeiten wie in „Arcane“, „Another Miracle“ oder „The Horizon“ sind es, die sie einem ins Ohr träufeln. Der wunderbar ausklingende Schlusspunkt „Welcome Home“ setzt auch seine Akzente.

Eine stilsichere Platte, die Großes verspricht, unterm Strich nur nicht ganz halten kann. Sie geben sich reichlich Mühe, schweres Geschütz aufzufahren. Unter den Ägiden von Garth Richardson (Rage Against The Machine, Skunk Anansie, Biffy Clyro), Rich Costey (Interpol, Arctic Monkeys, Muse) und Andy Wallace (Coldplay, Kaiser Chiefs, Kasabian) veranstalten All The Young nicht mehr als das, was nötig ist. Kann man ihnen vorwerfen. Muss man aber nicht.

Facts:
All The Young – Welcome Home
Gesamtspielzeit: ca. 46 Minuten
14th Floor (Warner Music)

Links & Webtips:
alltheyoung.co.uk
facebook.com/alltheyoung
twitter.com/alltheyoung

Foto: Warner Music

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