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THE JEZABELS: Aufruhr im Paradies

THE JEZABELS: Aufruhr im Paradies

Hellblauer Horizont über goldgelbem Kornfeld. Welche Landeier sind das denn? In unseren Breitengraden dürften sie kaum jemandem geläufig sein, in ihrem Heimatland sind sie schon seit geraumer Zeit über den Status des Geheimtipps hinaus: The Jezabels kreuzen musikalische Finesse und feminine Sinnlichkeit mit einem luftigen Cinemascope-Sound.

Manchmal kommt ein Album wie aus dem Nichts. Es fräst sich in deine Erinnerung ein und will auch nicht wieder gehen. „Prisoner“ kann so eines sein. Die Jezabels kanalisieren alles Gute, was uns schon an Arcade Fire, Kate Bush, Florence + The Machine, Muse oder U2 aufhorchen ließ. New Wave-Rock? Pop-Postpunk? Wie auch immer.

Das Quartett offenbart eine fein klingende Zerbrechlichkeit, lässt auch genug Raum für sanfte Schönheit, die sich jedoch inmitten von dissonanten Gitarren befindet. Auf dem Debüt schon so waghalsig zu sein und vorzugehen – das hat schon was. Die musikalische Vision der Australier ist schier uferlos. „Deep Wide Ocean“ eben. Und doch passt alles zusammen. Stampfende Drums, pulsierende Synthieflächen, die Keyboarderin Heather Shannon unweigerlich aus dem Ärmel schüttet, rauschende Gitarren und hymnischer Gesang mit größtmöglicher Pop-Affinität. Wenn das nicht das handwerkliche Können widerspiegelt, dann bin ich auch ratlos.

Unbestrittenes Aushängeschild der Gruppe ist Sängerin Hayley Mary, die so aussieht, als wäre sie die Schwester von Natalie Imbruglia oder Sharleen Spiteri (Texas). Sie singt über den Sprung und den Fall in die Tiefe, persönlich, politisch wie kulturell – wie soll man sie da nicht mögen? Ambitionierten Themen, die sie eben mal in einem gefälligen Indiesong abhandelt. Bravo.

Das gesamte Material, filigran und versponnen, verbreiten eine sinnliche Atmosphäre. Das elegische „Endless Summer“ wird nach dem ersten Durchgang schon ein Dauerbrenner. Das im Äther verhallende „Trycolour“ oder „Rosebud“ stehen dem in Nichts nach. Einzig im Opener verhaspeln sich die Jezabels, weil er zu bemüht wirkt. Zuerst kommt eine Orgel zum Einsatz, dann muss sie weichen, um einem Drum’n’Base-Intermezzo Platz zu machen. Eine Kombination, die nicht aufgeht. Die einzige auf dieser Platte.

Facts:
The Jezabels – Prisoner
Gesamtspielzeit: ca. 56 Minuten
PIAS (Play It Again Sam)

Links & Webtips:
thejezabels.com
facebook.com/TheJezabels
twitter.com/thejezabels

Foto: PIAS

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