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    DELILAH: Am Puls der Zeit

    Jedes Album hat seine Geschichte. Die britische Künstlerin Paloma Ayana Stoecker alias Delilah schafft es, etwas überzeugend Neues aus vielerlei Einflüssen zu schaffen. In Selbstanalysen und Beobachtungen über das Überbrücken eines seelischen Tiefs oder eine verflossene Liebe stellt sie klar, wie nah Sehnsucht und Verzweiflung manchmal nah beieinander liegen. Pulsierende Beats, Trip-Hop-Versatzstücke und eine Hip-Hop-Ästhethik sorgen dafür, dass man sich absolut zeitgemäß fühlt. Bass, Melodien, Trommeln und Synthies dienen allesamt der Erzeugung eines pulsierenden Grooves, eines intensiven Amalgams. Electro-Dub-Soul mit größtmöglicher Wirkung.

    Wenn eine Platte anfängt wie diese, nämlich mit dem euphorischen „Never Be Another“, dann darf sie eigentlich machen, was sie will. Das Gefühl von ehrlichem Songwriting ist sofort spürbar. Sparsame, lebendige und immer wieder überraschende Beats sorgen für eine vielschichtige Atmosphäre. Delilah fordert in Songs wie „Inside My Love“ oder „Shades Of Grey“ von uns, was wir alle am wenigsten haben: Zeit. Die Verwendung von Dubstep-Elementen sorgt für einen typischen Urban-Sound. Angereichert mit Effekten und fabelhaftem Gesang, zeigen die Tracks ihre Dichte und Ausstrahlung.

    Delilah, die sich erstmals als Gastsängerin einer Chase & Status-Single einer breiten Öffentlichkeit vorstellte, schlängelt sich auf ihrem Debütalbum so geschmeidig wie stark zwischen und um die Electro-Geflechte, arbeitet rhythmisch mit ihnen, dann wieder dagegen. In einem weiter gefassten Pop-Kontext ist „From The Roots Up“ absolut richtungsweisend und setzt damit Maßstäbe für den modernen R’n'B. Ein expressives Debüt mit raffinierten Arrangements.

    Das vergleichsweise karg arrangierte „Go“ entschwebt in trippige, unterkühlte Sphären und erinnert an die verstorbene Aliyah. Wie sie im dazugehörigen Video durch dunkle Straßen voller Sehnsucht streift – solch ein Gefühl vermittelt einem dieses Album. Schönheit am Rande der Zerbrechlichkeit und die wirklichen Seiten des Lebens nicht ausblenden „Shades Of Grey“ ist dann einer jener Glücksfälle von Ballade, die echtes Empfinden freisetzt. Treibende Rhythmik, eine euphorische Melodie, begleitet von dramatischen Streichern – „Love You So“ ist eines der Highlights, die sofort begeistern. „Inside My Love“ entwickelt sich zu einem mitreißenden, berauschenden, melancholischen Gefühlsrausch. Einfallsreich und streetwise zugleich.

    „From The Roots Up“ spannt den Bogen von ausdrucksvoll vokalem Electro-Pop zum Dubstep-Trend der Gegenwart. Das Material gibt sich auf den ersten Blick etwas sperrig, wird aber von eingängigen Pop-Hooks auf den Boden der Tatsachen geholt. An einigen Stellen schwingt dieses schwer zu benennende Etwas mit, das ganz Große auszeichnet. Es sind die eruptiven Brüche, kleinen Störgeräusche und Dissonanzen, die ihre ohnehin schon kunstvoll modellierten Songs besonders spannend machen. Die Texte haben keine Scheu vor emotionaler Bloßstellung.

    Bleibt zu hoffen, dass „From The Roots Up“ bald offiziell auch hierzulande erscheint und nicht nur über Importwege zu erhalten ist. Wie man anhand der Besprechung sieht: Für Kritik bleibt hier wenig Raum.

    Facts:
    Delilah – From The Roots Up
    Gesamtspielzeit: ca. 46 Minuten
    Atlantic Records (Warner)

    Links & Webtips:
    delilahofficial.co.uk
    facebook.com/delilahofficial
    twitter.com/delilahmusic

    Foto: Warner