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Review: THE TRUSTY CHORDS – „Lost Grounds“

Review: THE TRUSTY CHORDS – „Lost Grounds“

“A high fidelity long playing stereo vinyl record with songs and stories performed by THE TRUSTY CHORDS” – so liest sich das “Kleingedruckte” auf der THE TRUSTY CHORDS-Debüt-10”. Mit Liner Notes und einer wertigen Aufmachung werden diese Lieder und Geschichten passend unterstützt.

Über die Schallplatte selbst:

Wie schon beim glorreichen 7”-Klub, handelt es sich bei dieser Vinylscheibe um ein Produkt aus den Pressen des wiener/grazer Schallplattenlabels “Schall & Rauch Platten“. In üblicher S & R-Manier wurde auch „Lost Grounds“ in limitierter Auflage herausgebracht und für die fleißigen Jäger der verlorenen Schätze gibt’s auch eine speziell gefärbte, noch limitiertere Version:

  • 250 schwarze Schallplatten
  • 50 blau gesprenkelte schwarze Schallplatten mit Siebdruck-Cover (natürlich bereits vergriffen)

Ebenfalls gibt es natürlich auch wieder die Möglichkeit des Downloads in drei Qualitätsstufen: Unkomprimierte WAV-Dateien oder MP3s mit wahlweise 320 oder 128 Kbps.

Mir liegt eine der 250 „normalen“ Platten vor, ohne spezielles Siebdruck-Cover – daher kann ich über die Qualität der Spezialversionen keine Aussage machen. Über die vorliegende Platte kann man jedoch sagen, dass die Qualität gewohnt überragend ist. Das Coverdesign ist schlicht und ansprechend und verdeutlicht die „DownToEarth-ness“ von THE TRUSTY CHORDS. Es wirkt als wäre das Cover aus ungebleichtem Karton gefertigt, was schon sehr zur DIY-Haltung passen würde. Bei sehr genauem Hinsehen fällt dann aber doch auf, dass die Kartonoptik ebenfalls nur aufgedruckt ist. Das macht aber nichts, denn dem Gesamteindruck tut dies keinen Abbruch.

Auf der Rückseite finden sich die immer gern gesehen Liner Notes – für all diejenigen, die in einem schallplattenfreien Umfeld aufgewachsen sind: das sind Informationen von der Band über Songhintergründe, etc. – durch die man allerlei Interessantes erfährt. Zum Beispiel ist der Titelsong dem Wiener Sportklub gewidmet. Auch interessant ist, dass „My Last Words Written“ der chronologisch erste gemeinsam komponierte TTC-Songs ist. Solche Hintergrundinfos interessieren mich als Ritter des unnützen Wissens natürlich sehr und sie helfen, die Platte persönlicher erscheinen zu lassen – fast so als ob Claus und Flo ein Privatkonzert für den Hörer abhalten würden.

Gut, weiter geht’s mit den Songs …

Die Songs:

Auf Seite A finden sich die ersten vier Lieder: „Lost Grounds“, „Music Saves“, „For the Fame“ und „Walk On“.

  1. „Lost Grounds“ ist wohl zu Recht der Titelsong des Albums – er spiegelt klar wieder worin THE TRUSTY CHORDS brillieren: Gefühlvolle, minimalistische Gitarrenmusik mit etwas Melancholie in der Stimme von Claus Kaputto und manchmal dezenter Unterstützung durch Piano und Geige. In den Liner Notes wird das Lied so passend beschrieben, dass ich lediglich diesen einen Satz dazu wiedergeben möchte: „Your greatest victories, the biggest romances you enjoy in life – nothing is here to stay […]“. Volle Punktezahl! 5 von 5 Sternen
  2. Song #2 nennt sich „Music Saves“ und wird von der Band als „little pop song, a catchy tune, easy to sing along.“ beschrieben – hier würde ich allerdings widersprechen. Klar, die Melodie geht ins Ohr, es ist einfach mitzusingen (wie so ziemlich alle Songs von THE TRUSTY CHORDS, auch wenn man bei ihren Konzerten einfach lieber den Mund hält und zuhört) – trotzdem ist der Song mehr als „nur ein kleiner Pop-Song“. Er vermittelt perfekt ein Gefühl, das jedem Menschen wohl bekannt ist: Wenn Musik einen kompletten Scheißtag rettet und man wieder aufrecht durch die Welt gehen kann. Einzig störender Faktor ist der Gast-Background-Gesang von Roman Wind. Irgendwie passen die beinahe herausgepressten Töne nicht ins Gesamtbild des Songs. Diese Art von Gesang wäre bei härteren Musikgenres besser aufgehoben – etwa bei Songs von AGNOSTIC FRONT. 3,5 von 5 Sternchen
  3. Next Up: „For the Fame“. Wie es der Name bereits erahnen lässt, geht es um Bands, die Musik (mittlerweile?) aus den falschen Beweggründen machen: Ruhm, Kohle, Mädls. Bands, bei denen die Message verlorengegangen ist, wenn sie denn je vorhanden war. Wohl jeder Musikliebhaber kennt so eine Band, war ziemlich sicher sogar früher mal Fan solcher Gruppen. Für mich passt dieser Song perfekt auf eine gewisse deutsche Oi! Punk-Band, die früher über Bierweltreisen, Fackeln im Sturm, Hooligans, Punks, Skins, Greaser und Teds gesungen haben und nun, damit die Absatzzahlen bei der Zielgruppe „Teeniemädchen mit geringem Selbstbewusstsein und Hang zur Melodramatik“ stimmen, sich schön von ihrer Vergangenheit losgesagt haben. Alternativ kann man aber natürlich auch an eine irische Rockband denken, deren Sänger den Gutmenschen schlechthin verkörpern will, trotzdem es aber vorzieht keine Steuern zu zahlen …
    Das hat aber nichts mehr mit THE TRUSTY CHORDS zu tun und soll damit nicht weiter Gegenstand dieses Reviews sein. Kurz und knapp: für „For the Fame“ gibt’s 5 von 5 Sternen!
  4. Der letzte Song der Seite A, „Walk On“ ist wohl einer der aufbauendsten Durchhaltesong in meiner Musikssammlung. Wenn alles schief läuft und nicht mal Musik den Tag rettet, bleibt nur noch eine Durchhalteparole über: Just walk on! Hier profitiert die Band übrigens von Roman Winds Gast-Gesang – er gibt dem Song die nötige Melancholie. 4 von 5!

Gut, Pause, aufstehen, Platte umdrehen – zumindest theoretisch, wenn man die Platte bereits durch die Audiodownloads ersetzt hat.

  1. Seite B wartet mit meinem absoluten TTC-Favorit auf: „I am London (When You’re Calling)“. Dieser „Wir gehören einfach zusammen“-triefende Herzerwärmer wartet mit einem fantastischem weiblichen Part von Marika Kosch und einigen Punk Rock-Anspielungen auf. Zusätzlich klopft Nikolaus Preglau wieder gekonnt in die Klaviertasten und erweitert die Gesamtmischung um eine weitere Schicht, die daraus etwas ganz Besonderes macht. 100 von 5 Sternen … ok, das geht leider nicht also gibt’s halt „nur“ 5 von 5.
  2. Nach einem Liebessong kommt logischerweise der „Nach der Liebe“-Song in Form von „Far Away Graceland“. Wie in den Liner Notes so interessant angemerkt ist, entstand dieser Song lange vor THE TRUSTY CHORDS und die Textstelle über den „boulevard of broken dreams“ gabs anscheinend schon bevor GREEN DAY diesen Begriff in die Charts brachten. Ansonsten ist der Song leider nicht so markant und verdient sich lediglich 3,5 von 5 Sternen.
  3. Der vorletzte Song, „No Need to be True“ ist neben „I Am London“ und „For the Fame“ wieder so ein typischer Livemmitsingsong. Vor allem der Refrain „And all the city lights | that seemed to shine so bright | got dark, darker than the night“ hat es einfach in sich. Zusätzlich dazu stellt Nikolaus Preglaus Slide Gitarre ebenfalls eine große Bereicherung dar. Dafür gibt’s wieder 5 Sternchen.
  4. Zu guter Letzt kommt „My Last Words Written“ mit einem „Aans, zwa, drei, vier“-Einzählen daher. In bereits gewohnter TTC-Weise geht’s dann auch weiter und zu zwei Akustikgitarren gesellt sich noch eine Mundharmonika. Thematisch ein sehr schöner Song, musikalisch sowieso Top, jedoch fehlt wie bei „Far Away Graceland“ wieder dieses besondere Etwas. Darum gibt’s 4 Sterne.

Summa summarum errechnet sich daraus ein Sterneschnitt von 4,375, also 4,5 Sterne. Das passt! Auch bei „Lost Grounds“ kann ich ruhigen Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen mit dem Warnhinweis, dass die minimalistische Akustikgitarrenmelancholie wohl nicht jedermanns Geschmack ist. Zum Glück kann man sich ja die Tracks auf der Bandcamp-Seite von Schall & Rauch Platten vor dem Kauf anhören – kann ja nicht schaden.

via WET-photo.at

4/5 Punkte

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Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.

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