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Kinderfilmfestival 2012: „Coole Kids weinen nicht“

Kinderfilmfestival 2012: „Coole Kids weinen nicht“

Mit diesem Film ging das 24. INTERNATINOALE KINDERFILM-FESTIVAL in Linz zu Ende.
Unter dem Motto„Kinder haben Rechte!“ , setzten sich die Kinderfreunde Oberösterreich auch heuer wieder zum Ziel. Dies wurde durch die Meinungsbefragung (Votingbox mit Ball) der Kinder nach jedem Film deutlich.




Das Vorurteil bzw der Filmtitel „Coole Kids weinen nicht“ wird im Laufe des Filmes relativiert. 
Akkie, ein 12-jähriges Mädchen ist sehr selbstbewusst und durchsetzungsfähig, sei es auf dem Fußballfeld, im Klassenzimmer oder bei verbalen und körperlichen Schlagfertigkeiten mit den Jungs. 
Eines Tages stichelt Joep, ein Klassenkollege, wieder einmal Akkie an mit: „Mädchen können keinen guten Fußball spielen!“ , schlagfertig kontert sie zurück, doch Joep hört damit nicht auf. Insgeheim weiß er, dass Akkie ihm beim Fußball und in der Schalgfertigkeit das Wasser zwar reichen kann, er will es aber nicht offen zugeben, um nicht schwach zu wirken. 
Um eindeutig zu klären wer das „stärkere Geschlecht“ ist, verabreden sich Akkie und Joep auf der Parkwisse, um dies für alle Mal in einem Kampf zu klären. Der Kampf artet jedoch soweit aus, sodass Akkie Nasenbluten bekommt und ein Mitschüler noch rechtzeitig die beliebte Klassenlehrerin Ina holen kann. Zu Hause angekommen, hört das Nasebluten auf.

Nach einer Zeit beginnt es wieder und die besorgte Mutter bringt Akkie zum Hausarzt, der auf Nummer sicher gehen will und Akkis Blut im Labor untersuchen lässt. Ein paar Tage später sind die vorläufigen Untersuchungsergebnisse da und die Eltern fahren mit Akkie zur genaueren Abklärung ins Krankenhaus. Misstrauisch und verwundert fragt sie, was „Onkologie“ bedeutet. Nach zögerlichen Warten, bekommt sie als Antwort „Krebsstation“. Etwas irritiert sitzt sie dennoch selbstbewusst vor Dr. Schnurrbart (sein Markenzeichen ist sein Schnurrbart) , der ihr auf kindgerechte Art und Weise die Diagnose Leukämie, eine Krebsart, näher bringt. 

Die erste Reaktion von Akkie ist eher abtuend, denn sie nimmt die Diagnose nicht ganz ernst. Doch im Laufe der Zeit wird sie eines Besseren belehrt. Die Berg-und Talfahrt zwischen Verschlechterung des körperlichen Zustandes durch die Krankheit, reicht von geglaubter rascher Heilung bis hin zum „Fasttod“ und endet trauriger Weise auch mit dem endgültigen Tod.

Akkies Klasse fehlt ihre Mitschülerin sehr, steht nicht nur das große Abschluss-Fußballtunier bevor, sondern auch ein wichtiges Schuljahr, dass sie mit ihr nicht missen wollen. Selbstverständlich bezieht die etwas korpulentere, bunte, aber beliebte Klassenlehrerin Ina Akkies Krankheit Leukämie in den Unterricht ein, sodass die Kinder auf eine ehrliche, aber realistische Art an die Krankheit herangeführt werden. 
Um den Schock der Diagnose besser verarbeiten zu können, beschließt Ina eine Krankenhaus-Besuchsliste für die Klasse zu erstellen. Jeden Tag sollen 3 Kinder Akkie besuchen kommen und ihr die selbstgemalten Zeichnungen und Briefe geben, sodass sie wieder Freude verspüren kann. 
Alle machen mit, außer Joep, der als Einziger Akkie nie besuchen kommt. 
Viele glauben er täte dies als reine Absicht, er sei etwas Besseres oder so, aber es stellt sich ein anderer Grund heraus. Sein Mitgefühl für Akkie kann er nur schwer in Worte oder Taten fassen, so wirkt er immer etwas außerhalb der Klasse. 

Akkie ist ein tapferes Mädchen, die immer wieder versucht sich von ihrer Krankheit nicht unterkriegen zu lassen: Sie macht Streiche im Krankenhaus mit den anderen Leukämiekranken Kindern, stellt die Fußballmannschaft auf, schreibt einen Brief an ihre Klasse über ihre Chemotheraphie usw. Nach und nach glaubten Akkie und ihre Klassenkollegen an ihre Heilung, sodass sie sogar ein paar Tage wieder am Unterricht in der Schule teilnehmen kann. Doch die Krankheit schwächt sie immer wieder und infolge dessen bricht sie oft zusammen und muss wieder ins Krankenhaus.

Die Klassenkollegen haben ihre Krankheit und die taffe Akkie unterschätzt, so lernen sie: Wir können ihr nur helfen, wenn wir zusammenhalten und ein Team, eine Klassengemeinschaft sind. 
Nicht nur die Klassengemeinschaft, sondern auch die Persönlichkeit von Akkie haben sich verändert: 
Durch die körperlichen Symptome, wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Haarausfall und Schwächeanfälle ist sie oft sauer auf sich selbst, die Krankheit und auf die anderen. Oft verstößt sie dadurch ihre beste Freundin Elize und lässt keinen an sich heran. 

Als es wieder etwas bergauf geht, genehmigt der Arzt Dr. Schnurrbart, Akkie, das Teilnehmen an der Klassenfahrt, in Begleitung ihrer besorgten Mutter. Nun glaubt Akkie, wieder genau so mutig, selbstbewusst und tough wie früher sein zu können, und geht über ihre körperlichen Grenzen hinaus.

Sie klettert beim Versteckenspielen auf den höchsten Baum im Wald, weil sie mit Joep eine Wette abgeschlossen hat, das beste Versteck zu finden. Doch bald merkt sie, dass ihr Körper andere Signale sendet, als ihre Willenskraft. Als sie dies bemerkt, ist es zu spät, sie sitzt am obersten Wipfel in der Baumkrone fest und kommt nicht mehr herunter.

Eine Suchaktion wird gestartet um Akkie wiederzufinden. Joep findet sie auf dem Baumwipfel sitzend. Vor ihm gibt sie ihre körperliche Schwäche zu, dass ihm imponiert und gefällt. Er entschuldigt sich, sie nie im Krankenhaus besucht zu haben, da er Krankenhäuser hasse, seit dem sein kleiner Bruder dort gestorben sei. Dann klettert er rauf und bringt sie sicher ins Schullager zurück. 

Beim erneuten Fußballtraining verlassen Akkies körperliche Kräfte sie, dass wiederum zur Folge hat, dass sie mit ihren Eltern nach Hause fahren muss, was zum Leidwesen von Akkie und ihren Klassenkollegen stattfindet. Ihre Position im Fußballteam beim Abschlusstunier vertraut sie ihrer besten Freundin Elize an, die dadurch an Selbstvertrauen gewinnt. 
Leider verschlechtert sich die Krankheit bei Akkie und es ist sicher, dass sie am Fußballtunier weder spielen noch sonst wie teilnehmen kann. Der mögliche Tod von Akkie steht im Raum und
prompt beginnt eine rege Diskussion über Religion und Glaube: Die einen glauben an Gott, die anderen an Wiedergeburt oder Allah oder man ist einfach tot, wenn man gestorben ist. 
Dies greift die Klassenlehrerin Ina auf und lehrt den Kindern, dass es verschiedene Arten gibt an etwas zu glauben und dass alle ihre Berechtigung haben. 

Um Akkie dennoch im Fußballtunier einbeziehen zu können, hat die Klasse eine tolle Idee, wenn sie nicht zum Fußballtunier kommen kann, dann muss das Fußballtunier eben zu Akkie kommen. Voller Elan und Begeisterung organisiert die Klasse ein Fußballtunier zwischen FC Akkie (die Klasse) und FC Onkologie im Garten des Krankenhauses, bei dem Akkie vom Fenster aus zusehen kann. Bevor die Überraschung beginnt, geht Joep noch einmal zu Akkies Krankenbett und gesteht mit einem Kuss seine Liebe zu Akkie. Darauf hin hält sie seine Hand und sagt zu ihm, er solle sich nicht immer alles von seinem Vater gefallen lassen. Per überreichten Handy von Joep, kann Akkie und ihre Eltern die Live-Übertragung samt Kommentator hören, dass Akkie große Freude bereitet.

Als die Klasse, alias FC Akkie, verdient gewonnen hat, und sie den Sieg persönlich mit Akkie feiern wollen, ist sie bereits dem Tod entschlafen. Anschließend gibt es anstatt einer Freuden- eine Toten/Abschiedsfeier, bei dem sogar Joep zu weinen beginnt. „Coole Kids weinen nicht!“, bekommt er als Reaktion von einem Klassenkollegen gesagt, der aber die Relativation des Spruches merkt. 
Der Film endet damit, dass beim großen Abschluss-Fußballtunier, Elize ein Tor erzielt, Dr.Schnurrbart und Ina zusammenkommen und die Klasse als Klassengemeinschaft und in Gedanken an Akkie den Sieg feiern.

Der Regisseur Dennis Bots hat es geschafft, dass er die kleinen und großen Zuschauer und mich mit eingeschlossen, so sehr berührt hat, sodass nach dem Film fast kein Auge trocken blieb! 
Empfohlen wird der Film für Kinder ab 10 Jahre. Die Schauspieler spielten sehr authentisch und realistisch, sodass das ernste Thema Tod, Religion, die Krankheit Leukämie, Vorurteile, die Entwicklung vom eher Einzelkämpfer zur Klassengemeinschaft und die erste Liebe gut verdeutlicht wurden. Mir persönlich hat der Film sehr gefallen und er hat mich sehr berührt. Ich fand es erschreckend, wie eine Kämpfernatur wie Akkie, dennoch den Kampf gegen die Krankheit Leukämie verlieren kann. Dies machte mir deutlich, dass es sich lohnt immer für etwas zu kämpfen, aber ein Restrisiko, nennen wir es Schicksal, bleibt. 
Prädikat: Sehr empfehlenswert und sehr kindgerechte Darstellung ernster Themen!


Ich finde Kinder haben Rechte verdient (Recht auf Leben, Spielen, Bildung und co) und sollten sie auch bekommen. Dennoch finde ich, es sollte ausgewogen bleiben zwischen den Rechten der Kinder und der der Erzieher. Denn das Übergeben aller Rechte und Pflichten der Erwachsenen an die Kinder kann zu Überforderung der Kinder führen.

Abschließend möchte ich mich für die tolle Zusammenarbeit mit den Kinderfreunden in Oberösterreich (Linz) bedanken und freue mich schon auf´s nächste Jahr, wenn wieder tolle nicht-kommerzielle Kinderfilme gezeigt werden.

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Ich, ein Mädel aus Linzer Umgebung schreibe liebend gerne Konzert-Reviews, Filmkritiken und so manch anderes über Kultur, Leute und dem ganzen Drumherum. Wortspielereien mit Gefühlen, die echten Tatsachen und Stimmungen sind mein Metier, in dem ich mich am Wohlsten fühle. Kultur wie sie leibt & lebt im Linzer Raum und sonstwo, am Puls der Zeit, niemals vergessen, sondern dokumentiert, hier auf subtext.at Das ist meine Welt, ahoi!

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