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SOPHIE HUNGER: Kein Platz für Kitsch

SOPHIE HUNGER: Kein Platz für Kitsch

Romantischer Pop mit honigsüßen Melodien, der jederzeit dazu in der Lage ist, die Krallen auszufahren: Zwischen Unschuld und Spieltrieb hangelt sich Sophie Hunger von einem wunderbaren Kleinod zum nächsten. Die ohnehin schon begabte Songwriterin aus der Schweiz hat noch einiges dazugelernt, doch das Rad neu erfinden sollen andere. Danger? No way!

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„The Danger Of Light“ gehört für mich zu den angenehmsten Überraschungen des letzten Jahres. Der Name Sophie Hunger war mir zwar stets ein Begriff, doch so richtig auf dem Zettel hatte ich die Schweizerin nie. Musikalisch äußerst vielseitig, aber immer mit einer gewissen Leichtigkeit, unternimmt Hunger auf ihrem jüngsten Album Ausflüge in Richtung Jazz, Indie, Avantgarde, Blues und Soul, bleibt dennoch immer sie selbst, immer vollkommen stimmig. Feingliedrige Popmusik für Konzertsäle mit edlem Parkett und Hotelfoyers der gehobenen Kategorie gibt es gutzuheißen. Die elf Ohrenschmeichler, mal in intim-balladesker Ausführung („Z’lied vor Freiheitsstatue“), mal in innerlich-brodelnder Machart („Rererevolution“), schaffen einen guten Spagat. Ihre Stimme klingt nicht nur schön und einfühlsam, wenn sie auf Deutsch, Englisch, Französisch (ein bisschen) und Schwitzerdütsch singt, sie kann auch aufgebracht sein oder Sorglosigkeit suggerieren („LikeLikeLike“).

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Der Pop-Appeal schimmert immer wieder durch, lässt sich jedoch nicht unmittelbar greifen. Ein Stück wie „Souldier“ baut wohldosierte Spannung auf, gibt einem gleichzeitig das Gefühl, sich in guten Händen zu befinden. „Heharun“ mutet archaisch an, „Can You See Me?“ will die Ruhezone sein und das locker groovende „Holy Hells“ zeigt wieder eine andere Seite. „Das Neue“ klingt NDW-lastig, was überhaupt nicht negativ gemeint ist, definiert sich jedoch durch einen wirklich gelungenen, provokant formulierten Text: „Dreißig ist das neue Zwanzig, der Mann ist die neue Frau, Freiheit ist das neue Gefängnis und reich ist das neue schlau“ – dem kann man wohl nur beipflichten.

Dass sie weit mehr kann als ausgelatschte Songwriter-Pfade zu bedienen, dürfte mit dieser fantastischen Platte bewiesen worden sein.

Fast möchte man meinen: Zeitlos.

cover

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Souldier, Das Neue, Heharun

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Augustin Rebetez

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sophiehunger.com

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