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Crossing Europe: The ABC’s of Death

Crossing Europe: The ABC’s of Death

Das Alphabet des Todes, das sind 26 Kurzfilme von 27 RegisseurInnen zu einem gemeinsamen Thema: Sterben. Was ja auch sehr passend ist, dann der Tod trifft uns alle, wie unterschiedlich wir auch im Leben sind. Und sehr unterschiedlich sind auch die einzelnen Episoden aus „The ABC’s of Death“.

Vor Filmstart richtete Nachtsicht Kurator Markus Keuschnigg, nach kleinen Problemen mit dem Mikrophon, einige Worte an das Publikum und warnte, dass es für jeden hier im Saal zumindest einen Film gibt, an dem er oder sie Anstoß nimmt. Und er sollte wohl Recht behalten, wenn auch einige anfangs noch verächtlich mit den Schultern zuckten.

Für mich war der Knackpunkt mit „LIBIDO“ von Timo Tjahjanto erreicht, der wohl mit seiner Kinderporno- und Snuffthematik auch den geschmacklichen Tiefpunkt der Filmanthologie darstellt. Etwas weniger brachialer Gesellschaftskritik bediente sich Xavier Gens‘ „XXL“ der sich mit dem Schlankheitswahn, den uns die allgegenwärtige Werbung entgegenschleudert, auseinander setzt. Neben so ernsten Herangehensweisen gab es auch einige sehr unterhaltsame Clips wie „TOILET“ (Lee Hardcastle), in dem ein Plastelinklo eine Familie frisst, oder „QUACK“ von Adam Wingard. Einen etwas abstrakteren Zugang zum Sterben bieten unter anderem „ORGASM“ vom (einzigen) Regieduo in der Riege Bruno Forzani & Hélène Cattet, oder „YOUNGBUCK“ (Jason Eisener), die ihre Ansichten vor allem über die Bildsprache zu vermitteln versuchen. „VAGITUS“ (Kaare Andrews) der einziger SciFi Kurzfilm wiederum wirft einen Blick in eine dystopische Zukunft, in der die Menschen sich ein Recht auf Kinder erst erarbeiten müssen und Telepathen einen Guerillakrieg um ihr Leben führen. Den unerwartetsten Zugang liefert Ben Wheatley mit „UNEARTHED“, doch was das besondere daran ist, sei hier nicht verraten. „But I think there is no god in Japan“ hören wir die Protagonistin zu beginn in „FART“ denken. Und es scheint nicht all zu weit hergeholt, wenn man bedenkt dass die folgenden Minuten, die von erstickenden Fürzen bis zur Erlösung durch Einsaugen in den Hintern gefüllt werden, vom Japanischen Regisseur Noburo Iguchi stammen.

Abgerundet wird dieses bunte Potpourri durch Zombieclowns (oder doch Clownzombies?), eine Hommage an Quentin Tarantinos „Deathproof“, tödliche Verstopfungen, Schneemänner in Mexiko, Surfbrettgrabsteine, verräterische Vögel, Nazitiere, Nazimutanten, Zeitschlaufen, Hundekämpfe und vieles mehr.

Bestimmt nicht für jedermann geeignet, ist „The ABC’s of Death“ zumindest für Freunde ungewöhnlicher und absurder Filme auf jeden Fall eine Empfehlung.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:

3Punkte
Kommentar Rosi Grillmair:

Markus Keuschnigg ist ein böser Täuscher. Wenn er eine Bühne betritt lullt er das Publikum gekonnt mit seiner angenehmen und ruhigen (FM4 Moderatoren-) Stimme ein. Ich höre ihn irrsinnig gerne reden.
Doch vollkommen unvorbereitet ist man dann auf das was kommt. Der Direktor des Slash-Filmfestivals in Wien und Initiator von Institut Schamlos auf der Diagonale stellt seit Jahren die grauslichsten und irrationalsten Horrorfilme als „Nachtsicht“ für das Crossing Europe zusamme. Er redet luftig locker über das was einen erwartet. Viel Blut und Beuschel.

Bei ABC’s of Death erwarten uns eine „poetische“ Collage aus 26 Filmen. Poetisch übersetzt er als ein Mix aus grausamer Gewalt und ebenso grausamen Sex.

Das könnte wohl einer von hundert Ansätzen sein, das Geschehen der nächsten beiden Stunden zu beschreiben. Hängen geblieben sind mir natürlich die furzenden Asiatinnen von Noburo Iguchi, Dogfight von Marcel Sarmiento. und XXL von Xavier Gens. Die Idee die hier umgesetzt wurde – nämlich sich von überschüssigen Gewicht durch Abschneiden des Körperfetts mittels Elektromesser zu trennen – finden aus irgendeinem Grund viele mit denen ich gesprochen habe grauslich aber nachvollziehbar. Wenns doch so einfach wäre denkt man sich mit dem Blick aufs Sommermode-Plakat. Eine Filmidee von der es mich wundern würde, wenn sie vorher noch nie umgesetzt worden wäre.

Für das Publikum war dieser Eröffnungsfilm eindeutig eine Herausforderung, hervorgerufen durch die fehlende Dramturgie. Für mich war es schwer in den Flow des Films hineinzukommen, da die 26 Kurzfilme (von den Anfangsbuchstaben des Titels und dem Genre einmal abgesehen) keinen Zusammenhang hatten. Somit wurde zumindest ersichtlich wie unterschiedlich der Zugang zum Horrorfilm sein kann. Auf tragische und schockierende Überschreitungen des guten Geschmack folgte ein lustiges Slatterfilmchen mit tarantinohaften Blutspritzdüsen. Makaber? – ja.

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