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JACOBY SHADDIX: „Ich bin ein extremer Charakter“

JACOBY SHADDIX: „Ich bin ein extremer Charakter“

Vor mehr als dreizehn Jahren nutzen Papa Roach zweifelsohne die Gunst der Stunde, die sich ihnen bot. Es war die Zeit des Nu Metal-Booms und über kurz oder lang stand die kalifornische Formation an der Spitze dieser Bewegung.Explosive Liveshows, ein zuweilen unkontrolliert wirkender Frontsänger (mit dem Herzen am richtigen Fleck) und Songs für die Massen, die sie in Ekstase versetzen – all das sorgte dafür, dass sich die Platte „Infest“ weltweit über 7 Millionen Mal über den Ladentisch ging.

An diesen immensen Erfolg konnte die Band nie wieder anknüpfen. Dann kam auch schon eine Zeit der Neuorientierung und Neujustierung, doch Papa Roach existieren weiterhin, auch wenn sich musikalisch so mancher Ton verändert hat.

Im Interview mit subtext.at spricht Sänger Jacoby Shaddix über Menschenkenntnis, Veränderungen und über seine Lieblingsserie im Fernsehen, „The Walking Dead“.

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subtext.at: Jacoby, ich weiß nicht weshalb, aber ich habe bei dir das Gefühl, dass du eine sehr gute Menschenkenntnis besitzt.
Jacoby Shaddix: Meinst du? Ach, ich weiß nicht. (überlegt) Manchmal trügt ja der erste Eindruck einer Person. Überall auf der Welt hinzukommen und verschiedene Leute zu treffen, das schärft aber dann doch ein wenig deinen Sinn dafür. Je älter du wirst, umso besser kannst du die Absichten der Leute einschätzen. Das stimmt zumindest.

subtext.at: Du hast in deinem Leben ja schon einiges mitmachen müssen. Deine Eltern haben sich früh scheiden lassen, du hast massiv Alkohol und Drogen konsumiert und auch mit Selbstmordgedanken gespielt. Hast du dir jemals die Frage gestellt: „Warum passieren all diese schlimmen Sachen gerade mir?“
Jacoby Shaddix: (wiegt ab) So bin ich eben. Ich bin der Typ Mensch, der sich sein eigenes Grab schaufelt. Ich bin ein extremer Charakter. Ich selbst bin das größte Problem bei der Sache (lacht). Es ist, was es ist. Ich habe mich damit bereits abgefunden, dass es so läuft und nicht anders.

subtext.at: Manchmal ergeben die Dinge, die uns passieren, ja auch einen Sinn. Bist du der Ansicht, dass etwas Schlimmes heute sich in etwas Gutes morgen verwandeln kann?
Jacoby Shaddix: Manchmal machst du die Hölle durch und erst dann siehst du die ganze Schönheit, die da drin steckt. Du bekommst erst dann die Antworten auf all deine Fragen und du wirst weiser. Alles, was du zuerst siehst, ist der Schmerz. Verstehst du, was ich meine? Du musst da durch, um etwas über die Welt zu lernen, etwas über dich zu lernen. Ich habe die Mentalität, dass ich von allen Dingen etwas lernen kann, die mir widerfahren.

subtext.at: Ich nehme an, du hast diese Ansicht nicht immer gehabt, oder?
Jacoby Shaddix: Ich denke es kommt auf die persönliche Entwicklung an. Natürlich habe auch ich meine Erfahrungen gemacht. Ich nehme das Leben, wie es kommt.

subtext.at: Auf der aktuellen Papa Roach-Platte „The Connection“ gibt es die Textzeile „I’m the leader of the broken hearts“. Siehst du dich so?
Jacoby Shaddix: (überlegt) Mit dem Song verbinde ich einen Punkt in meinem Leben, wo ich total am Boden zerstört war. I was so fucking broken. „The Connection“ entstand an einem sehr unglücklichen Ort. Ich habe meine Familie verloren, ich ließ mich von meiner Frau scheiden und ich war nichts als ein Haufen Elend. Ich hatte einzig und allein meine Band und die Fans, die seit jeher Papa Roach unterstützen. Das war meine Stütze, denn ich habe zu mir selbst gesagt „Na gut, dann lebst du jetzt eben allein für die Band und für deine Fans“. Ich war es leid, mich ständig für mich selbst entschuldigen zu müssen. Ich wollte einfach nicht, dass all das Negative mich noch mehr runterzieht. Ich wollte mich wieder aufrappeln.

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subtext.at: Manche Leute sagen, sie fokussieren sich auf das Worst-Case-Szenario, um nachher nicht enttäuscht zu werden. Gehörst du auch zu diesen Leuten?
Jacoby Shaddix: Ich versuche jedenfalls, nicht allzu große Erwartungen zu haben. Wenn ich mir im Vorhinein vorstelle, wie es sein wird und wie bestimmte Dinge laufen werden, dann kann es sein, dass ich nachher am Boden zerstört bin. Was passiert, das passiert. Ich lasse es einfach geschehen. Entweder jemand liebt dich, oder er hasst dich. Kontrollieren kann man es sowieso nicht.

subtext.at: Wenn du zurückblickst bis auf euren Durchbruch mit dem Album „Infest“ – was hat sich für dich mehr verändert, ihr als Band selbst oder eure musikalische Ausrichtung?
Jacoby Shaddix: Wir haben uns ziemlich stark verändert. Melodisch, stilistisch, gesanglich, da haben wir schon eine ziemliche Wandlung durchgemacht. Früher haben wir HipHop-Elemente mit dringehabt, heute ist es eher Rock’n’Roll und beizeiten haben wir auch elektronische Elemente mit aufgenommen. Wir haben immer versucht, uns weiterzuentwickeln und ich bin wirklich glücklich und zufrieden, wo wir uns als Band momentan befinden. „The Connection“ hat den Groove, die Härte und die Emotion, die Verletzlichkeit, die Funkyness – sprich all das, was Papa Roach auch auszeichnet. Privat bin ich durch Höhen und Tiefen gegangen (macht passende Handbewegungen dazu). Ich liebe mich, ich hasse mich und möchte mich zuweilen selbst töten und so weiter. Ich bin wieder trocken und wie soll ich sagen… Es ist hart (lacht). Es ist hart, sich nicht selbst zu betäuben. Manchmal kriege ich alle Eindrücke mit, die erschlagen mich dann auch fast. Früher war das anders, da habe ich fast nichts mitbekommen, was um mich herum passiert ist. (überlegt) Aber heute geht es mir richtig gut.

subtext.at: Papa Roach sind schon lange dabei. Fällt es dir heute schwerer, Songs zu schreiben, weil ihr das schon so lange macht?
Jacoby Shaddix: Ja, das ist schon eine Herausforderung. Ich habe schon so viele Dinge in meinen Songs erzählt. Bei „The Connection“ ist es nicht anders, da schöpfe ich auch aus dem Vollen. Ich habe nichts ausgelassen.

subtext.at: Trifft man die besten Entscheidungen aus dem Bauch heraus?
Jacoby Shaddix: Fuck yeah! Natürlich kommt es auf die jeweilige Sache an. Wenn ich mich in einer negativ aufgeladenen Stimmung befinde, dann kann ich mir selber nicht vertrauen. Ist die Atmosphäre hingegen positiv und happy, dann kann ich meinem Bauchgefühl und meinem Instinkt durchaus vertrauen.

subtext.at: Euer Video zu „Still Swingin’“ scheint von der TV-Serie „The Walking Dead“ inspiriert worden zu sein.
Jacoby Shaddix: Oh ja, ich liebe diese Serie! Ich liebe das Drama, was die Serie aufbaut, die Charaktere, wie sie sich entwickeln und das Band, was sie miteinander verbindet. Erstklassig! Sie halten zusammen, egal, was auf sie zukommt. Auf diese Weise will ich auch auf meine Band aufpassen. Es gibt so viel Negatives in der Welt, wo kämen wir da hin, wenn wir nicht aufeinander aufpassen würden?

subtext.at: Filme wie „Saw“ oder „Hostel“ stellen mehr den Gore-Faktor zur Schau. Magst du das auch?
Jacoy Shaddix: Eigentlich nicht, davon bin ich kein Fan. Ich zucke nicht aus, wenn sie einem Zombie ein Messer in den Schädel rammen, weißt du? Mich interessiert die Story, wohin sich die Geschichte entwickelt und was mit den Figuren passiert.

subtext.at: Letzte Frage – gibt es etwas, was die Leute in Sachen Papa Roach immer noch missverstehen?
Jacoby Shaddix: Am besten kommt einfach jeder vorbei zu einem unserer Konzerte. Natürlich kannst du dir ein Video von uns im TV anschauen oder auf YouTube, aber erst, wenn du Papa Roach live siehst, wirst du merken, worum es uns wirklich geht und was uns als Band ausmacht. Du kannst dann immer noch die Entscheidung treffen, ob du es magst oder nicht.

subtext.at: Gut, dann sind wir fertig mit dem Interview.
Jacoby Shaddix: Fuck yeah!!!

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