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Nachbericht: LANA DEL REY @ PLANET.TT Gasometer Wien

Nachbericht: LANA DEL REY @ PLANET.TT Gasometer Wien

Wie wir uns selber zu Stars machen können, lässt sich eigentlich bedeutend einfach am Prinzip Lana Del Rey erklären: Und ewig lockt der Retro-Charme. Das Vergangene fasziniert uns und beflügelt unsere Gegenwart. Der „American Way Of Life“ ist dann natürlich auch so etwas, mit dem man uns Europäer gerne rumkriegt.

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Mit dem Selbstverständnis einer Frau, die es gewöhnt ist, dass Zuhörer an ihren schmollmündigen Lippen hängen, stolziert sie am 19. April 2013 auf die Bühne des seit vier Monaten ausverkauften Wiener Gasometers. Derzeit lebt sie ihr Leben off the edge. Oder zumindest lässt sie uns das glauben. Es gibt wohl niemanden, der im Moment eine divenhaftere Selbstinszenierung noch besser hinkriegt als sie.

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Gediegen in ihrem Gebaren, immer rosig ihr Antlitz, auch wenn sie kokettiert und schelmisch lächelt – Lana Del Rey zelebriert die Kunst der alten Schule. Nicht nur mit den goldenen Löwen, die jeweils seitlich am Bühnenrand platziert sind, sondern auch mit der Bühnendeko (Kerzenständer, alte Lampen), den Vintage-Videos, die im Hintergrund auf drei zusammenhängenden Leinwänden aufflackern und ihrer ganzen Persönlichkeit. Man weiß nicht, was jetzt echt ist und was nicht, aber im Grunde ist das auch ganz egal, denn interessieren tut es die Masse in Wirklichkeit sowieso nicht. Das Publikum will die Berühmtheit sehen, applaudieren, ein Stück von ihrem Glanz abgreifen und kreischen wie die Irren. Man will schließlich entertained werden. Irgendwie naheliegend, dass sie im Verlauf des Abends Nirvanas „Heart-Shaped Box“ covert.

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Dass sie in Wien auf so viel Gegenliebe stoßen würde, hätte sie auch nicht erwartet, wie sie später live zu Protokoll gibt. Es prickelt im Publikum, wenn die Del Rey in ihrem Miniröckchen Lolita-Songs wie „Blue Jeans“ (der erste Höhepunkt des Abends), „Cola“ oder „Ride“ intoniert und mit ihrer überraschenderweise guten Gesangsleistung zu hypnotisieren vermag. Da hat wohl jemand Gesangsunterricht genommen. Das hier ist der Klang des jungen Amerikas und er hört sich jedenfalls sehr gut an.

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Was lange währt, wird endlich gut. Einen weiten Weg ist Lizzy Grant gegangen, um sich als Lana Del Rey ihren Platz zu erobern. Vergebens war es nicht. Der Ruhm, der sich anfangs auch bei ihr nicht einstellen wollte, kam dann dennoch. „Born To Die“ erreichte als Album alles, was ein solcher Tonträger in der heutigen Zeit noch leisten kann und brachte Hollywood-infizierten Pop-Glanz zurück in die Radios, Zeitschriften und Modehäuser dieser Welt. Solch einen Magnetismus, was die Attitüde angeht, hat schon lange keine mehr so geschickt ausgelöst wie die Del Rey.

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Wer weltweit erkannt wird und gleichzeitig die Fantasien der Massen erregt und beflügelt, ist ein Star. Lana Del Rey ist ein Star. Ob der Erfolg auch träge macht? Bei ihr kann man das nicht genau festmachen, denn ihre Bewegungen sind immer etwas slow, gediegener. Sie muss eigentlich nichts bestimmtes machen, nichts sagen, nichts wirklich leisten – sie muss einfach nur da sein. Und das Publikum applaudiert heftig und kreischt sich die Seele aus dem Leib. Sie wird begehrt und verehrt, kriegt Plüschtiere auf die Bühne geworfen und rote Rosen geschenkt.

Ob sie die ganzen Abgründe wirklich durchlebt hat (oder nur spielt), sei mal dahingestellt. Ich lasse mich jedenfalls gerne von dem Zauber der Del Rey, nun ja, verführen. Um den Finger wickeln. Gerne wieder.

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Daniel Gilic
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