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CHARLI XCX: „Ein Song ohne Emotion ist ein Song, der nichts wert ist“

CHARLI XCX: „Ein Song ohne Emotion ist ein Song, der nichts wert ist“

Jede Woche kommen neue, namenlose wie austauschbare Pop-Acts auf den Markt. Dass weiß auch Charlotte Aitchison alias Charli XCX, der es sehr wichtig ist, keinen schnell zusammengeschusterten Billig-Pop zu machen, sondern eine richtig aufregende Debütplatte.

Die ersten Lorbeeren hat sich Charli damit verdient, als sie den Schweden von Icona Pop den Hit „I Love It“ auf den Leib geschrieben hat. Nach Tourneen mit Acts wie Coldplay, Marina And The Diamonds oder zuletzt Ellie Goulding steht die junge Künstlerin nun selbst kurz vor dem großen Durchbruch. In UK ist man schon seit längerer Zeit Feuer und Flamme für Charli XCX. Sie ist der Beweis dafür, dass die 90er sowohl sound-technisch als auch optisch wieder zurück sind.

charli

Ein Interview über Popmusik und all ihre Facetten, Veröffentlichungstermine, Schubladendenken und Robert Smith.

subtext.at: Charli, die Veröffentlichung deines Debütalbums „True Romance“ wurde schon öfter verschoben. Gab es viel Druck, es perfekt zu machen?
Charli XCX: Ja, den gab es schon, wobei ich aber denke, dass das bei jedem Debütalbum der Fall ist – der Druck ist da, weil du einfach alles richtig machen willst. Alles soll sitzen. Deswegen habe ich auch die Veröffentlichung verschoben, weil ich es wirklich perfekt haben wollte. Jeder sagte mir, ich soll die Platte doch veröffentlichen, sie ist fertig – bis auf mich, ich war noch nicht vollkommen zufrieden. Jetzt bin ich 100% zufrieden. Es ist genau so, wie ich es haben wollte. Jetzt ist es richtig gut. Aber wie gesagt, dass mit dem Delay, das geht auf meine Kappe (lacht).

subtext.at: Ich finde die Platte auch hervorragend. Sie greift unterschiedliche Stile auf, doch es hängt trotzdem irgendwie alles zusammen.
Charli XCX: Oh, danke sehr!

subtext.at: Kannst du dich noch an den Moment erinnern, wo du beschlossen hast, Musik machen zu wollen?
Charli XCX: Ja, eigentlich schon recht früh, als ich noch ein kleines Mädchen war und von Britney Spears in ihrem „Baby One More Time“-Video geschwärmt habe. Ich wollte so aussehen wie sie und mich auch so kleiden, mir die Haare blond färben (lacht). Ich war von der Popmusik fasziniert. Später habe ich dann das französische Musiklabel Ed Banger entdeckt – von da an wusste ich, dass ich Musik machen möchte. Ich habe Künstler wie Uffie oder Justice entdeckt und mich sofort in ihre Musik und ihren Stil verliebt. Ich wusste, ich möchte auch so etwas Ähnliches auf die Beine stellen.

charli xcx

subtext.at: Auf „True Romance“ gibt es nun viele Stilrichtungen, die du miteinander vermengst. Gab es bei der Entstehung deines Debütalbums eine Art „Masterplan“?
Charli XCX: Nein, den gab es nicht. Es gab keinen Plan, unterschiedliche Genres und Stilrichtung zusammenzubringen. Heutzutage finde ich sowieso Kategorien und Genres unnötig. Es gab kein Konzept, über was die Songs handeln sollen oder so etwas. Alles ist natürlich in das Album hineingeflossen. Was mich bewegt hat, wobei es sich letztendlich schon um das Thema Liebe dreht. Liebe ist toll und schizophren zugleich, deswegen gibt es düstere und eher fröhliche Klänge auf dem Album. (überlegt kurz) Du kannst in den tollsten Mann der Welt verliebt sein und auf Wolke sieben schweben, das ist Liebe, aber du kannst auch verliebt sein und dir jeden Abend die Seele aus dem Leib heulen wegen ihr. Deswegen gibt es, wie ich sie nenne orgasmische Songs und dunkel gefärbte wie „Stay Away“ oder „How Can I“, die in diese depressive Richtung gehen.

subtext.at: Denkst du, dass diese Form von Pop, Dance- oder Clubmusik, wie du sie vorwiegend machst, dir mehr Freiheit schenkt beim Experimentieren als noch wie vor zehn Jahren?
Charli XCX: Beim Schreiben meinst du jetzt? Ja, wie ich schon vorhin gesagt habe, waren die Dinge vor zehn Jahren anders reglementiert als heutzutage. Wenn du Pop machst, musst du jemand wie Britney Spears sein und das Wort „Pop“ ist ja sowieso ganz schlimm. Heutzutage ist das wirklich egal, du kannst Popmusik machen und trotzdem einen ganz anderen Stil haben als eben die Spears. Ich finde das toll, weil du die Leute nicht einfach mal so in eine bestimmte Schublade stecken kannst.

(Das Mobiltelefon von Charli klingelt, sie entschuldigt sich rasch und stellt es ab)

Pop kann alles Mögliche bedeuteten: Von Justin Timberlake zu mir zu Sachen aus den 80ern wie Kate Bush. Ich persönlich mag das total, dieses schlimme Wort (lacht).

Michael Nika Charli

subtext.at: Hat sich deine Arbeitsweise über die Jahre verändert, wie du Songs schreibst?
Charli XCX: (überlegt) Ich beginne so langsam zu verstehen, wie ich am besten einen Song schreiben kann. Manchmal flippe ich aus, weil ich nicht in der richtigen Umgebung bin, um einen Song zu schreiben. Ich denke dann, dass ich das nie wieder schaffen werde. Meine Arbeitsweise war generell schon immer etwas schlampig und „messy“ (lacht). Ich arbeite aber auch recht schnell. „True Romance“ habe ich über einen relativ langen Zeitraum und an verschiedenen Orten geschrieben. Beim nächsten Album habe ich mir vorgenommen, dass es an einem einzigen Ort entstehen soll. Und in einem Monat (lacht).

subtext.at: Du hast schon mit einigen anderen Künstlern zusammengearbeitet. Kannst du mir verraten, was dein Gegenüber haben muss, damit du mit ihm eine Kollaboration eingehst?
Charli XCX: Mir gefällt einfach die Musik. Das war es eigentlich schon. Ich habe mit dem Produzenten Blood Diamonds den Track „Grins“ produziert und ich war einfach nur total geflasht von den Sounds, mit denen er ankam. Sehr cool – und trotzdem sehr poppig. Ich hörte erst das Instrumental und ich musste einfach etwas beisteuern. Und dann Leute wie Brooke Candy, von der ich schon immer ein Fan war. Ich habe sie vor zwei Jahren auf einer Party in Los Angeles kennengelernt. Brooke ist einfach ein supercooles Mädchen. Ein paar Monate später habe ich sie dann im „Genesis“-Video von der Künstlerin Grimes gesehen. Und dann haben wir auch schon zusammen an einem Track gearbeitet. Ihr gehört die Zukunft, auch wenn das noch nicht so viele mitbekommen haben. Davon bin ich wirklich überzeugt.

Charli

subtext.at: Du warst auch schon mit äußert erfolgreichen Künstlern wie Coldplay oder Marina And The Diamonds auf Tour. Was war bisher dein größter Rock’n’Roll-Moment?
Charli XCX: Oh, wow. Ich kann mich an einen gewissen Rock’n’Roll-Moment von mir erinnern, als ich während eines Auftritts auf der Bühne eingeschlafen bin, weil ich noch einen totalen Hangover vom letzten Abend gehabt habe (lacht). Das war furchtbar. Mit Marina habe ich Anfang des Jahres in New York Party gemacht, was großartig war. Da war ich an dem Abend auch so fertig. Am nächsten Tag bin ich mehr oder weniger im Office des Nylon Magazins aufgewacht, was genau so seltsam wie lustig war (lacht). Ich habe auch schon mal zehn Shows in fünf Tagen gegeben. Das wart wirklich hart (lacht). Mit Icona Pop „I Love It“ live zu performen, das war auch großartig und Rock’n’Roll.

subtext.at: Welche Eigenschaft muss gute Musik letztendlich besitzen?
Charli XCX: Emotion. Wenn Popmusik nicht emotional ist, auf irgendeine Weise, dann ist sie langweilig und öde. Ein Song wird erst dann lebendig, wenn du dein Herz und deine Seele hineinsteckst. Ein Song ohne Emotion ist ein Song, der nichts wert ist.

subtext.at: Das Album trägt den Titel „True Romance“ – kannst du mir noch verraten, für welchen Promi du als Teenager geschwärmt hast?
Charli XCX: (lacht) Ich war schon immer ein großer Fan von Robert Smith und The Cure. Er ist so romantisch. Und verträumt. Oh ja.

trueromance

Das Album „True Romance“ ab 31.05.2013 im Handel!

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Michael Nika, Warner Music
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