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„Generation maybe“ im KeplerSalon

„Generation maybe“ im KeplerSalon

Am 10.10. 2013 wurde dem Thema „Generation maybe“, mit Fokus auf Jugend(liche) und Arbeit, im KeplerSalon nachgegangen. Ist das Label „Maybe“ merkbar, wenn es um berufliche Entscheidungen geht? Handelt es sich dabei um ein Elitenphänomen, ist es die Reaktion auf Überforderung oder bereits ein Lebensmotto? Und wie wollen, können und sollen Jugendliche überhaupt arbeiten?

Diesen und anderen Fragen stellten sich dabei die Gastgeberin Heidemarie Pöschko sowie die Diskussionsteilnehmenden Andrea Frreisler-Traub (Wirtschaftswissenschaftlerin, Leiterin Personalmanagement Scheuch GmbH), Stefan Leyerer (Soziologe, Streetworker) und Jakob Johannes Schöfl (Zimmermeister, Geschäftsführer Holzbau Dirninger GmbH).

Eingeleitet wurde anhand eines Filmes. Dieser wirft die Aspekte auf, dass die Vertretenden der Generation maybe als jung (vielleicht zwischen 15- 25/30 Jahre alt), gut ausgebildet, aber auch unentschlossen und orientierungslos beschrieben werden. Die Auswahlmöglichkeiten haben im Laufe der Zeit zugenommen, das Interessensfeld ist bei vielen Leuten breiter geworden. Das wiederum habe zur Folge, dass man sich nicht auf jeden einzelnen Bereich konzentriert, dem man nachgeht, Dinge nur mehr halb gemacht werden. Die eigenen Ziele definiert man weniger klar. Sich zu binden würde vielleicht bedeuten, sich dauerhaft zu entscheiden, aber gerade das wird vermieden. Es gebe ein kollektives Lebensgefühl, nicht zufrieden zu sein.

Ganz so viel Einfluss gestehen die Diskussionsteilnehmenden diesem Label aber nicht zu, wenn es sich um den beruflichen Arbeitsalltag Jugendlicher handelt. Am ehesten komme der „Generation maybe“ noch Bedeutung bei der Entscheidungsfindung zu. Resignation erschwere die Bildung und den Einstieg ins Berufsleben. Gerade an dieser Stelle sei es wichtig, dass Jugendliche genau wissen, was sie wollen. Können sie das im Bewerbungsgespräch nicht formulieren, hat das negative Auswirkungen auf ihre Jobaussicht. Größere Schwierigkeiten bereiten hingegen die Mobilität im ländlichen Raum oder die Vorstellungen der Eltern, die teilweise gar zu Bewerbungsgesprächen mitgehen, die eigenen Wünsche auf die Kinder projizieren oder weder an diese glauben, noch die Jugendlichen in ihren beruflichen Vorhaben unterstützen. Bei Streetwork sei man tendenziell mit einem anderen Milieu konfrontiert, da die Generation maybe mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung, großen Interessensgebieten und einer hohen Bildung einhergehen würde. Dennoch kenne man die Herausforderung, Entscheidungen zu treffen oder die Überforderung Jugendlicher, aus einer Vielzahl von Möglichkeiten auszuwählen.

An dieser Stelle wird seitens des Publikums vermutet, dass es sich bei Generation maybe um ein Elitenphänomen handelt. Je höher die eigene Position und je besser die Ausstattung mit Ressourcen (finanziellen, zeitlichen, …) gegeben ist, desto mehr Entscheidungsmöglichkeiten hat man auch. Ergänzt wird mehrmals, dass zwischen Arbeit und Ausbildung unterschieden werden muss. Vielleicht betrifft Generation maybe eher junge Erwachsene nach der Matura als Lehrlinge. Die Weiterbildung sei zwar wesentlich, dennoch könne man schneller ein Studium als den Fachberuf wechseln. Die Einstellung, dass einem mit der Matura die Welt offen steht, offener im Vergleich zu einer Lehre, hat in der Gesellschaft zugenommen. Schon bei der medialen Berichterstattung gebe es ein Ungleichgewicht zwischen Berichten über die Lehre und Berichten über den Hochschulbetrieb.

Ob das breite Wissen der Generation maybe nicht auch eine Bereicherung sein kann, will ein Gast wissen. „Ja, sofern nicht alle paar Monate der Beruf gewechselt wird“, meint eine/r der Diskussionsteilnehmenden. Es gebe allerdings ein neues Lehrmodell, das Job hopping und die Entscheidung der genauen Richtung erst im 2. Lehrjahr vorsieht. Erwähnt wird ebenfalls die Lehre mit Matura. Trotz alldem schildern Betriebe, Schwierigkeiten mit der Suche nach Lehrlingen zu haben. Das liege zum Einen an der Demografie, zum Anderen könne man auch erhöhte Anforderungen dafür verantwortlich machen. Wer im Bildungssystem nicht gut durchgekommen ist, bekommt aufgrund der Bewerbungsunterlagen oftmals keine weitere Chance mehr, sich zu beweisen. Um bestimmte Gruppen, die etwa durch Sucht oder Krankheit stigmatisiert sind, nicht auszuschließen, wird vorgeschlagen, Praktikumsplätze auszubauen, verstärkt Schnuppermöglichkeiten anzubieten oder Lehrlingsausbildner/innen einzustellen, welche Leistungen von Sozialarbeiter/inn/en in ihre Tätigkeit miteinschließen. Dazu kommt, dass manche Firmen ihre Anforderungen bereits heruntergeschraubt haben, um überhaupt die gewünschte Anzahl an Lehrlingen zu erhalten.

Eine formulierte Frage ist, ob das Nichttreffen einer Entscheidung die Konsequenz mit sich zieht, dass irgendwann alle Türen verschlossen sind. Genauso wird die Wichtigkeit, Fehlentscheidungen zu akzeptieren, betont.

Ob verbale Beurteilungen in Schulen eine Hilfestellung für die Wahl des beruflichen Werdeganges sein können, hat sich ein Gast überlegt, wohingegen jemand anderes anmerkt, dass es sich bei der Generation maybe um eine Ritualisierung zum Erwachsen-Sein handeln könne. Man komme immer später an den Punkt, Verantwortung übernehmen zu müssen.

Die nächste Veranstaltung des Berufsverbandes der Soziolog/inn/en ist für März 2014 zum Thema Jugend und abweichendes Verhalten geplant. Davor kann der KeplerSalon zur Entstehung von Notationen, Hochwasserforschung, einer Anleitung zur Überwindung des Kapitalismus und einige Gebiete mehr aufgesucht werden.

http://www.kepler-salon.at/de

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Katharina hat einen Abschluss in Soziologie und studiert Politische Bildung in Linz. Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,...) und derzeit als Redakteurin für FROzine, das Infomagazin von Radio FRO. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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