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Jo Strauss: Jo Strauss

Jo Strauss: Jo Strauss

Bereits im Frühjahr 2013 erschien das Erstlingswerk des sowohl in Wien als auch in Berlin lebenden Musikers Jo Strauss. Der anfangs doch recht ungewöhnliche Sound überzeugte aber nach und nach und es kristallisierte sich ein Album voll von merk – würdigen Texten und Melodien heraus.

An musikalischer Vorerfahrung mangelt es Jo Strauss wahrlich nicht, so kann dieser mit Pink as a Panther und Mr. Wu bereits umfangreiche Tourerfahrungen vorweisen. Doch zur Musik. Das Genre – Lieder im Wiener Dialekt (oder auch Wienerlieder genannt) mag vielleicht nicht sofort geläufig sein; zählt es doch mittlerweile schon zu einer etwas verstaubten Gattung. Ebenfalls verwunderlich ist, dass man sich im doch noch verhältnismäßig jungen Alter eines Jo Strauss dieses Typus annimmt und diese so authentisch umsetzt. Hier sei seine Stimme erwähnt; okay, „Stimme“. Beim ersten Hören will man partout nicht glauben, dass dieses knurrend – reibeisenartige Geräusch nicht aus dem Hals von einem 80- jährigen, kettenrauchenden Alkoholiker kommt, sondern wirklich von dem jungen Herrn auf dem Cover.

Auch dem Geschichtenerzähler Jo Strauss traut man ein höheres Alter zu. Er erzählt in seinen Songs Geschichten vom Leben, eigentlich von dem eines alten Mannes. Wie in „Von Berlin“, einer herrlich emotionsgeladen Ballade über das Leben in den beiden Metropolen. „A Fernsehturm als Zentrum is schlimm, aber nu immer besser als a Kirchn“ singt er über die Zentren der deutschen und der österreichischen Hauptstadt. Wenn man das Booklet durchliest, fällt auf, dass die sprachlichen Begebenheiten in Strauss´ Zweitwohnsitz beachtet werden. Akribisch wurde jeder Ausdruck der Wiener Mundart ins Hochdeutsche übersetzt (Sandler = Obdachloser usw.).

In „Kummans Her“ führt Jo Strauss den Zuhörer in eine fantastisch abgesandelte Welt voll komischer Figuren, ein Zirkus der Abstrusität und des Abnormalen. Er bringt einen auf seinem Album auch in verrauchte Beisln, kalt – nebelige Novembernächte und winterlich tote Städte („Winter“, „Berlin stirbt“). Auch ringelspielbesitzende, siebenfache Mörder („Blauboad“) werden nicht ausgelassen. Alles in allem bietet Jo Strauss ein Album voll toller Geschichten, einen Soundtrack für nebelige Novembertage und verrauchte Kaffehäuser. Die Band hinter Strauss (Lukas Höfler, Stefan und David Sonntagbauer, Simon Raab, Tobias), sowohl musikalisch als auch technisch auf höchstem Niveau, setzt dem Projekt noch die Krone auf.

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