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Souldja: Grown

Souldja: Grown

Eine Roots-Platte. Aus Österreich. Selten sind sie geworden nach dem Boom der 2000er Jahre. Die oberösterreichische Souldja-Crew veröffentlicht mit „Grown“ nun ihr zweites Album. Und bedient damit eine Schiene, die nach guten Veröffentlichungen durstet. Als Durstlöscher funktioniert „Grown“ aber ganz gut.

„Stehts auf“ – der zweite Track des Album verrät es gleich ganz gut. One-Drop trifft auf Gesellschaftskritik. Im europäischen Reggae oft gehört, hat oft funktioniert – und tut es immer noch. Auch heute darf man noch gegen „Babylon“, Krieg und Co. musikalisch ankämpfen. Nachdem „Change“ die Einleitung übernommen hat – was ungefähr genauso klingt, jedoch aussichtslosere Lyrics verwendet, eine gelungene Steigerung.

„Voda“, oder, zu Deutsch, „Vater“, ist dann ein bisschen religiöser orientiert. „Wo bist du?“ ist der Hilferuf an etwas Höheres, an dem man angesichts der herrschenden Misere schon mal zweifeln kann. Naja, wers braucht. Für Atheisten sicher nicht der richtige Track. „Suffer“ driftet danach wieder in den Modern Roots-Bereich ab, und könnte genauso als gute jamaikanische Roots-Veröffentlichung (deren Zahl leider in den letzten Jahren abgenommen hat) missgedeutet werden. Gesellschaftskritik, in diesem Fall Hunger, steht auch hier an der Tagesordnung.

„Waun i ma“, oder, auch hier übersetzt, „Wenn ich mir“, bricht danach etwas den Rhythmus der ersten vier Tracks. Hier fragt man sich, warum Individuen sich immer vor das Gesamte stellen. Fast eine Hommage an die heutige Politik, wenn man so möchte. Kritik an der Konsumgesellschaft inklusive. Jedoch mit einem Flow, wo man durchaus ins Schmunzeln kommt.

„Five Days“ gibt es danach etwas Tanzbarer, und beschreibt das Gefühl, das wohl jeder von uns kennt: fünf Mal in der Woche völlig unmotiviert und völlig unausgeschlafen aus dem Bett zu müssen. Im Gegensatz zu „Free“, das die zweite Halbzeit einleitet.  In dieser sorgen Tracks wie „Never give Up“, „Thanks“ und „Have no Fear“ für die Ausreisser nach oben – wenn sich auch die Themen wie in der ersten Hälfte nicht mehr wirklich weiterführen. Nichtsdestrotrotz ist „Grown“ eine Platte, die den Durst nach Reggae-Vibes sehr gut stillt.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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